Herzgesundheit als Indikator für Frakturrisiko bei postmenopausalen Frauen

Amerikanische Forschende geben an, dass postmenopausale Frauen mit einem hohen vorhergesagten kardiovaskulären Risiko ein fast doppelt so hohes Risiko für Hüftfrakturen aufweisen.

Frauen nach den Wechseljahren haben ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. Aufgrund des sinkenden Östrogenspiegels, der das Osteoporoserisiko steigern kann, kann selbst ein leichter Sturz zu einer schweren Hüft-, Rücken- oder Handgelenksverletzung führen. Schätzungsweise jede dritte Frau über 50 erleidet im Laufe ihres Lebens einen Knochenbruch aufgrund von Knochenschwund.

Eine neue Studie der Tulane University (USA) hat ergeben, dass die Herzgesundheit das Frakturrisiko nach der Menopause beeinflussen kann. Frauen mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erleiden demnach häufiger Hüft- und andere schwere Knochenbrüche.

Der Zusammenhang zwischen dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Knochenbrüchen war bei Frauen unter 65 Jahren stärker ausgeprägt als bei Frauen ab 65 Jahren.

In der in „The Lancet Regional Health – Americas“ veröffentlichten Studie nutzten die Forscher den kürzlich von der American Heart Association (AHA) entwickelten PREVENT-Score, um das 10-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schätzen. Die Studienteilnehmerinnen wurden in Gruppen mit niedrigem, grenzwertigem, mittlerem oder hohem Risiko eingeteilt.

Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen verrät Risiko für Hüftfrakturen

Der stärkste Zusammenhang zeigte sich bei Hüftfrakturen. Frauen mit hohem kardiovaskulärem Risiko hatten ein um 93 Prozent höheres Risiko für Hüftfrakturen als Frauen mit niedrigem Risiko. Frauen mit mittlerem Risiko hatten ein um 33 Prozent höheres Risiko. Ein höheres kardiovaskuläres Risiko war auch allgemein mit einem erhöhten Risiko für Frakturen in geschwächten Knochen an wichtigen Stellen wie Hüfte, Wirbelsäule, Unterarm oder Schulter verbunden.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der 2024 von der AHA entwickelte PREVENT-Score ein wertvolles Instrument sein könnte, um Patienten zu identifizieren, die von einer Knochendichtemessung oder der Überweisung an einen Knochenspezialisten profitieren könnten.

„Obwohl frühere Studien bereits einen Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Frakturrisiko nahelegten, waren wir vom Ausmaß des erhöhten Risikos für Hüftfrakturen überrascht“, berichtet die Hauptautorin Rafeka Hossain, Forscherin an der Tulane University School of Medicine. „Beide Erkrankungen sind weit verbreitet und verursachen hohe Kosten. Eine Risikominderung für beide könnte die Lebensqualität älterer Erwachsener verbessern.“

Die Studie umfasste Daten von über 21.000 Frauen der Women’s Health Initiative, einer der größten US-amerikanischen Studien zur Frauengesundheit.

Die Ergebnisse tragen zu den zunehmenden Hinweisen auf einen engen Zusammenhang zwischen Herz- und Knochengesundheit bei. Forscherinnen und Forscher erklären diesen Zusammenhang mit verschiedenen biologischen Prozessen, darunter chronische Entzündungen, oxidativer Stress, Veränderungen im Kalziumstoffwechsel und eine durch Arteriosklerose bedingte verminderte Durchblutung der Knochen. Hormonelle Veränderungen nach den Wechseljahren, insbesondere der sinkende Östrogenspiegel, können zudem das Risiko für Herzerkrankungen und Knochenschwund gleichzeitig erhöhen.

Ähnliche Präventionsmaßnahmen für Herz- und Knochengesundheit

„Viele der Faktoren, die das Herz schützen – regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene, kalzium- und vitaminreiche Ernährung, Nichtrauchen und die Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck – schützen auch die Knochen“, erklärt Hossain. „Wenn bei Ihnen ein mittleres oder hohes kardiovaskuläres Risiko festgestellt wurde, insbesondere nach den Wechseljahren, kann es sinnvoll sein, mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Knochengesundheitsvorsorge zu sprechen, da es viele wirksame Behandlungsmethoden gibt, die das Frakturrisiko senken.“

Die Studie ergab, dass Frauen der Hochrisikogruppe tendenziell früher Knochenbrüche erlitten als Frauen der Niedrigrisikogruppe. Bei Hüftfrakturen betrug die mittlere Zeit bis zum Auftreten einer Fraktur in der Hochrisikogruppe 15 Jahre, in der Niedrigrisikogruppe hingegen fast 20 Jahre.

Die Forscher weisen darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, bevor kardiovaskuläre Risikoscores in die Standard-Fraktur-Screening-Instrumente aufgenommen werden. Sie betonen jedoch, dass die Ergebnisse nahelegen, dass Frauen mit einem mittleren oder hohen kardiovaskulären Risiko mit ihren Ärzten über ihre Knochengesundheit sprechen sollten, insbesondere nach den Wechseljahren. „Die Pflege von Herz und Knochen sollte Hand in Hand gehen“, schließt Hossain.

(lj/BIERMANN)

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