Herzinsuffizienz: Erhebliche erwartete Behandlungseffekte bei umfassender Pharmakotherapie23. Oktober 2020 © appledesign – stock.adobe.com Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA), Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI) und natriumabhängige Glukose-Cotransporter2(SGLT2)-Inhibitoren senken die Mortalität bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) stärker als die konventionelle Therapie aus ACE-Hemmern oder ARB und β-Blockern. Da die erwarteten Behandlungsvorteile bei kombinierter Anwendung nicht bekannt sind, schätzte eine Cross-trial-Analyse die Lebenszeitgewinne beim ereignisfreien Überleben (EFS) und OS mit umfassender Therapie gegenüber der konventionellen Therapie ab. Dabei wurden die 3 zentralen Studien EMPHASIS-HF (n=2737), PARADIGM-HF (n=8399) und DAPA-HF (n=4744) indirekt verglichen. Als primären Endpunkt legten Dr. Muthiah Vaduganathan vom Brigham and Women’s Hospital in Boston, USA, und seine Kollegen eine Kombination aus kardiovaskulärem Tod oder 1. HI-bedingter Hospitalisierung fest. Zudem bewerteten sie diese Endpunkte einzeln sowie die Gesamtmortalität. Unter der Annahme, dass diese relativen Behandlungseffekte über die Zeit hinweg konsistent sind, prognostizierten sie in der Kontrollgruppe der EMPHASIS-HF-Studie (ACE-Hemmer oder ARB und β-Blocker) inkrementelle Langzeitgewinne beim EFS und OS mit umfassender krankheitsmodifizierender Therapie. Ihren Berechnungen zufolge beträgt die HR für die kalkulatorischen aggregierten Behandlungseffekte einer umfassenden krankheitsmodifizierenden Therapie auf den primären Endpunkt vs. konventionelle Therapie 0,38 (95%-KI 0,30–0,47). Die HRs seien auch für die kardiovaskuläre Mortalität allein (HR 0,50; 95%-KI 0,37–0,67), die HF-bedingte Hospitalisierung für sich genommen (HR 0,32; 95%-KI 0,24–0,43) und die Gesamtmortalität (HR 0,53; 95%-KI 0,40–0,70) günstig ausgefallen, so die Autoren. Es wurde geschätzt, dass eine umfassende krankheitsmodifizierende Pharmakotherapie gegenüber der konventionellen Therapie 2,7 (für einen 80-Jährigen) bis 8,3 zusätzliche Jahre (für einen 55-Jährigen) ohne kardiovaskulären Tod oder 1. HF-bedingte Hospitalisierung sowie 1,4 (für einen 80-Jährigen) bis 6,3 zusätzliche Jahre (für einen 55-Jährigen) an Überleben bringt. Fazit „Bei Patienten mit HFrEF sind die erwarteten aggregierten Behandlungseffekte einer frühen umfassenden krankheitsmodifizierenden pharmakologischen Therapie erheblich und unterstützen die kombinierte Verwendung von ARNI, β-Blocker, MRA und SGLT2-Inhibitor als neuen therapeutischen Standard“, bilanziert das Team um Vaduganathan. (sf) Autoren: Vaduganathan M et al. Korrespondenz: Scott D Solomon; [email protected] Studie: Estimating lifetime benefits of comprehensive disease-modifying pharmacological therapies in patients with heart failure with reduced ejection fraction: a comparative analysis of three randomised controlled trials Quelle: Lancet 2020;396(10244):121–128. Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30748-0
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