Herzinsuffizienz: Frauen benötigen wahrscheinlich niedrigere Dosen

© Robert Kneschke – stock.adobe.com

Von den Leitlinien empfohlene Dosen von ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) und Betablockern sind für Männer und Frauen mit Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (HFrEF) ähnlich, obwohl Geschlechtsunterschiede hinsichtlich der Pharmakokinetik dieser Medikamente bekannt sind.

Deshalb beschäftigten sich die Erstautorin Dr. Bernadet Santema vom Universitair Medisch Centrum Groningen, Niederlande, und ihre Kollegen in ihrer aktuellen Studie jetzt genauer mit diesem Thema. Sie fanden heraus, dass Frauen mit HFrEF möglicherweise niedrigere Dosen von ACE-Hemmern oder ARB und Betablockern benötigen als Männer. Laut den Autoren müsste daher noch geklärt werden, was die optimale medikamentöse Therapie für Frauen ist.

Die Wissenschaftler führten eine Post-hoc-Analyse der BIOSTAT-CHF-Studie durch. Dabei handelt es sich um eine prospektive Studie in 11 europäischen Ländern mit HF-Patienten, bei denen der Therapiebeginn und die Hochtitration von ACE-Hemmern oder ARBs und Beta-Blockern vom Protokoll unterstützt wurden.

Es wurden nur Patienten mit einer LVEF von <40% eingeschlossen. Patienten, die innerhalb der ersten 3 Monate verstarben, wurden ausgeschlossen. Der primäre Endpunkt setzt sich aus der Zeit bis zur Gesamtmortalität oder der Krankenhauseinweisung wegen HF zusammen. Die Ergebnisse wurden zudem mit Daten der ASIAN-HF-Studie, einer unabhängigen Kohorte von 3539 Männern und 961 Frauen mit HFrEF, validiert.

Von den Studienteilnehmern, 1308 Männern und 402 Frauen mit HFrEF, waren die Frauen älter (74 ±12 vs. 70 ±12 Jahre; p<0,0001) und hatten ein geringeres Körpergewicht (72 ±16 vs. 85 ±18 kg; p<0,0001) und waren kleiner als die Männer (162±7] vs. 174 ±8 cm; p<0,0001), obwohl sich der Body-Mass-Index nicht signifikant unterschied.

Eine ähnliche Anzahl von Männern und Frauen erreichte die von den Leitlinien empfohlenen Zieldosen von ACE-Hemmern oder ARB (99 [25%] vs. 304 [23%]; p=0,61) und Beta-Blockern (57 [14%] vs. 168 [13%]; p=0,54).

Bei Männern bestand bei 100% der empfohlenen Dosis von ACE-Hemmern oder ARB und Betablockern die geringste Gefahr für Tod oder eine Krankenhauseinweisung aufgrund von HF. Hingegen konnte bei Frauen eine Risikoreduktion um etwa 30% bei gerade einmal 50% der empfohlenen Dosis erreicht werden.

Allerdings nahm das Risiko bei höheren Dosierungen nicht weiter ab. Diese Geschlechtsunterschiede waren nach Adjustierung nach klinischen Kovariaten, einschließlich Alter und Körperoberfläche, immer noch vorhanden. Im ASIAN-HF-Register konnten ähnliche Muster beobachtet werden.

Fazit
Diese Studie legt nahe, dass Frauen mit HFrEF möglicherweise niedrigere Dosen von ACE-Hemmern oder ARBs und Betablockern benötigen als Männer, und stellt die Frage, was die wirklich optimale medikamentöse Therapie für Frauen ist. (sh)

Autoren: Santema BT et al.
Korrespondenz: Adriaan Voors; [email protected]
Studie: Identifying optimal doses of heart failure medications in men compared with women: a prospective, observational, cohort study
Quelle: Lancet 2019;394(10205):1254–1263.
Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31792-1