Herzinsuffizienz: Infektionsprävention könnte Prognose verbessern9. April 2020 © M.Dörr & M.Frommherz – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Therapie der Herzinsuffizienz hat sich erheblich verbessert – trotzdem haben sich die Sterblichkeitsraten in Ländern mit hohem Einkommen seit Anfang der 2000er Jahre kaum verändert. Warum das so ist, versuchten Nathalie Conrad von der University of Oxford und ihre Kollegen in einer aktuellen Studie zu klären. Ihren Ergebnissen zufolge konnte unter Patienten mit neuer Herzinsuffizienz-Diagnose die Mortalität bei jungen Patienten und jenen mittleren Alters sowie die kardiovaskuläre Mortalität in allen Altersgruppen erheblich verringert werden. Den Verbesserungen der Gesamtmortalität stehen jedoch hohe und zunehmende Raten nicht kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber. Aus diesem Grund sehen die Autoren die aktuellen Forschungsprioritäten und Managementstrategien in Frage gestellt und empfehlen, die damit verbundenen Komorbiditäten stärker zu betonen. Insbesondere die Infektionsprävention biete eine wichtige Möglichkeit, die Prognose zu verbessern. In die bevölkerungsbasierte retrospektive Kohortenstudie waren anonymisierte elektronische Gesundheitsakten von Personen eingegangen, bei denen zwischen Januar 2002 und Dezember 2013 Herzinsuffizienz neu diagnostiziert worden war und die bis Dezember 2014 über den Clinical Practice Research Datalink nachbeobachtet wurden. Dieser Forschungsservice zu Daten aus dem Praxisalltag verknüpft Informationen einer Subgruppe der britischen Bevölkerung aus der Primär-, der Sekundärversorgung und dem nationalen Sterberegister. Conrad und ihre Kollegen berechneten die Raten der Gesamt- und der ursachenspezifischen Sterblichkeit 1 Jahr nach der Diagnose. Anhand von Poisson-Regressionsmodellen kalkulierten sie Ratenverhältnisse (RRs) und 95%-KI zum Vergleich von 2013 mit 2002, wobei sie Alter, Geschlecht, Region, den sozioökonomischen Status und 17 häufige Komorbiditäten berücksichtigten. Wie sie berichten, waren von 86.833 Teilnehmern 42.581 (49%) Frauen, 51.215 Teilnehmer (88%) waren weiß und das Durchschnittsalter betrug 76,6 ±12,6 Jahre. Während die Raten der Gesamtmortalität im Zeitverlauf nur geringfügig zurückgingen (RR im Vergleich zu 2002 0,94; 95%-KI 0,88–1,00), zeigten die zugrunde liegenden Muster explizite Trends. Ein Rückgang der kardiovaskulären Mortalität (RR 0,73; 95%-KI 0,67–0,80) wurde durch einen Anstieg der nicht kardiovaskulären Todesfälle (RR 1,22; 95%-KI 1,11–1,33) ausgeglichen. Subgruppenanalysen zeigten ferner, dass die Raten der Gesamtmortalität bei Patienten <80 Jahren (RR 0,79; 95%-KI 0,71–0,88), jedoch nicht bei Patienten >80 Jahren (RR 0,97; 95%-KI 0,90–1,06) zurückgingen. Nach kardiovaskulären Ursachen (898 [43%]) waren 2013 die Haupttodesursachen Neoplasien (311 [15%]), Atemwegserkrankungen (243 [12%]) und Infektionen (13%), wobei die beiden letzteren Ursachen das meiste des beobachteten Anstiegs der nicht kardiovaskulären Mortalität erklärten. Fazit Bei Patienten mit einer neuen Herzinsuffizienz-Diagnose wurden erhebliche Fortschritte bei der Verringerung der Mortalität erzielt. Den Verbesserungen der Gesamtmortalität stehen jedoch hohe und zunehmende Raten nicht kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber. Insbesondere die Infektionsprävention bietet eine wichtige Möglichkeit, die Prognose zu verbessern. (sf) Autoren: Conrad N et al. Korrespondenz: Kazem Rahimi; [email protected] Studie: Temporal Trends and Patterns in Mortality After Incident Heart Failure A Longitudinal Analysis of 86 000 Individuals Quelle: JAMA Cardiol 2019;4(11):1102–1111. Web: https://doi.org/10.1001/jamacardio.2019.3593