Herzinsuffizienz: Klinische Klassifikation unabhängig von Ejektionsfraktion?25. Oktober 2023 © H_Ko – stock.adobe.com (Symbolbild) In den jüngsten Leitlinien wurde eine Klassifizierung der Herzinsuffizienz (HF) auf der Grundlage der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) vorgeschlagen, wobei unklar bleibt, ob die gewählten Einteilungen biologisch sinnvoll sind. Anhand von Patienten, die das gesamte Spektrum der LVEF abdecken, haben Wissenschaftler um John McMurray von der Unversity of Glasgow (Vereinigtes Königreich) untersucht, ob es Hinweise auf LVEF-Schwellenwerte bei den Patientenmerkmalen oder Wendepunkte bei den klinischen Ergebnissen gibt. Ihre Erkenntnis: Ein solcher LVEF-Schwellenwert liegt bei etwa 40–50%. Bei diesem ändert sich das Muster der Patientencharakteristika, und die Ereignisraten im Vergleich zu höheren LVEF-Werten beginnen zu steigen. Die Forscher verwendeten die Daten von 33.699 Patienten mit HF über das gesamte LVEF-Spektrum, die an 6 randomisierten, kontrollierten HF-Studien teilgenommen hatten. Anhand dieser bewerteten sie die Beziehung zwischen der Gesamtmortalität und der Sterblichkeit aufgrund spezifischer Ursachen und der HF-Hospitalisierung (HFH) mit der LVEF. Im Ergebnis stiegen mit zunehmender LVEF das Alter, der Frauenanteil, der Body-Mass-Index, der systolische Blutdruck und die Prävalenz von Vorhofflimmern und Diabetes, während die ischämische Pathogenese, die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate und das NT-proBNP abnahmen. Bei einem Anstieg der LVEF >50% nahmen das Alter und der Frauenanteil weiter zu, während die ischämische Pathogenese und das NT-proBNP abnahmen, andere Merkmale veränderten sich nicht wesentlich. Die Inzidenz der meisten klinischen Endpunkte (mit Ausnahme des nichtkardiovaskulären Todes) nahm mit zunehmender LVEF ab, wobei der LVEF-Wendepunkt bei etwa 50% für Todesfälle insgesamt und kardiovaskuläre Todesfälle, bei etwa 40% für Todesfälle durch Pumpenversagen und bei etwa 35% für HFH lag. Oberhalb dieser Schwellenwerte war die Inzidenzrate kaum noch rückläufig. Es gab keine Hinweise auf eine J-förmige Beziehung zwischen LVEF und Tod sowie auf schlechtere Ergebnisse bei Patienten mit hochnormaler („supranormaler“) LVEF. Weiterhin fanden die Forscher bei einer Untergruppe von Patienten mit echokardiographischen Daten keine auf eine Amyloidose hindeutenden strukturellen Unterschiede bei Patienten mit hochnormaler LVEF, und die NT-proBNP-Werte stimmten mit dieser Schlussfolgerung überein. Fazit „Unsere Ergebnisse liefern Evidenz für die derzeitigen oberen LVEF-Schwellenwerte zur Definition von HF mit leicht reduzierter Ejektionsfraktion auf der Grundlage der Prognose“, so das Fazit der Studienautoren im Fachmagazin „Circulation“. (ah) Autoren: Kondo T et al. Korrespondenz: John McMurray; [email protected] Studie: Clinical Characteristics and Outcomes in Patients With Heart Failure: Are There Thresholds and Inflection Points in Left Ventricular Ejection Fraction and Thresholds Justifying a Clinical Classification? Quelle: Circulation 2023;148(9):732–749. Web: https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.122.063642
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