Herzinsuffizienz: NT-proBNP-Werte unterschätzen Risiko bei Personen mit hohem BMI

Adipositas ist ein entscheidender Risikofaktor für eine Herzinsuffizienz. Symbolbild: Anastasia/stock.adobe.com

Eine US-amerikanische Studie legt nahe, dass herkömmliche NT-proBNP-Grenzwerte eine Herzinsuffizienz bei Patienten mit hohem Body-Mass-Index (BMI) schlechter prognostizieren als bei normalgewichtigen Patienten.

Natri­uretische Peptide werden in Herzinsuffizienz(HF)-Leitlinien zur Risikostratifizierung empfohlen. Auch dienen sie als wichtiges Zulassungskriterium in aktuellen klinischen Studien. Laut neuen Daten unterschätzten die aktuellen NT-proBNP-Schwellenwerte jedoch erheblich das absolute Risiko für unerwünschte HF-Ereignisse bei Personen mit HFmrEF oder HFpEF und erhöhtem BMI.

Unter Leitung von Wissenschaftlern der Harvard Medical School (USA) nahmen internationale Forschende eine gepoolte Analyse auf Teilnehmer­ebene von vier globalen, randomisierten Outcome-Studien mit Erwachsenen mit HFmrEF/HFpEF vor. Dabei bewerteten sie den Zusammenhang zwischen NT-proBNP (N-terminales pro-B-Typ natriuretisches Peptid) und klinischen Ergebnissen (kardiovaskulärer [CV] Tod oder HF-Hospitalisierung [HFH], CV-Tod und Gesamtmortalität) anhand des BMI als kontinuierliche und kategoriale Variable.

Niedrigere Grenzwerte für adipöse Patienten?

Unter 14.750 ausgewerteten Personen (Durchschnittsalter 72±9 Jahre; 50 % weiblich; durchschnittlicher BMI 30±6 kg/m2; medianer NT-proBNP-Wert 836 pg/ml) war ein höherer BMI zu Studien­beginn signifikant und nicht linear mit niedrigeren NT-proBNP-Werten assoziiert. Über einen medianen Nachbeobachtungszeitraum von 2,8 Jahren war jede Verdopplung des NT-proBNP-Ausgangswertes mit einer um 40 Prozent höheren kovariablenbereinigten Rate an CV-Todesfällen oder HFH verknüpft (HR 1,40; 95 %-KI 1,36–1,43; p<0,001). Dieser Zusammenhang schien jedoch mit einem höheren BMI zu Studien­beginn zunehmend abgeschwächt zu sein (p=0,008 für Interaktion). Bei gleichem absoluten Risiko für CV-Todesfälle oder HFH (5 Ereignisse/100 Personenjahre) waren die NT-proBNP-Werte bei Teilnehmenden ohne Vorhofflimmern bei einem BMI ≥35 kg/m² (158 pg/ml) fast dreimal niedriger als bei einem BMI <35 kg/m² (450 pg/ml).

Bei einem derzeit gebräuchlichen NT-proBNP-basierten Schwellenwert für die Studienteilnahme lag das absolute Risiko für CV-Tod oder HFH zwischen 3,5/100 Personenjahre bei Personen mit einem BMI <30 kg/m² und 7,3/100 Personenjahre bei Personen mit einem BMI ≥40 kg/m². „Diese Daten stellen einzelne feste Schwellenwerte infrage und legen stattdessen nahe, dass niedrigere NT-proBNP-Grenzwerte eine angemessenere Risikostratifizierung von Patien­ten mit höherem BMI ermöglichen“, resümieren die Forschenden. (ah/BIERMANN)

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