Herzinsuffizienz: Natriuretische Peptide als Biomarker11. September 2019 © adimas – stock.adobe.com Die Konzentrationen der natriuretischen Peptide (NP) (B-Typ NP [BNP], N-terminales proBNP [NT-proBNP] und mittregionale proANP (MR-proANP)] sind quantitative Plasma-Biomarker für das Vorhandensein und den Schweregrad von hämodynamischer kardialer Belastung und Herzinsuffizienz (HI). Die enddiastolische Wandbelastung, der intrakardiale Füllungsdruck und das intrakardiale Volumen scheinen die dominierenden Auslöser zu sein. In einem aktuellen Artikel haben Autoren um Prof. Christian Müller die wichtigsten Indikationen für NPs aufgeführt und die 11 wichtigsten Prinzipien, die ihrer klinischen Anwendung zugrundeliegen, herausgestellt: 1. NPs sollten immer in Verbindung mit allen anderen klinischen Informationen verwendet werden. 2. NPs sind sinnvolle Surrogate für intrakardiale Volumina und Fülldrücke. 3. NPs sollten bei allen Patienten gemessen werden, die sich mit Symptomen vorstellen, die auf eine HI hinweisen, wie Dyspnoe und/oder Fatigue, da ihre Verwendung die frühzeitige Diagnose und Risikostratifizierung der HI erleichtert. 4. NPs haben eine sehr hohe diagnostische Genauigkeit bei der Unterscheidung der HI von anderen Dyspnoe-Ursachen: Je höher die NP, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Dyspnoe durch HI verursacht wird. 5. Die optimalen NP-Cut-Off-Konzentrationen für die Diagnose einer akuten HI (sehr hoher Fülldruck) bei Patienten mit akuter Dyspnoe in der Notaufnahme sind höher als die für die Diagnose chronischer HI bei Patienten mit Dyspnoe bei Belastung (leichter Anstieg der Fülldrücke in Ruhe). 6. Fettleibige Patienten weisen niedrigere NP-Konzentrationen auf, weshalb niedrigere Cut-off-Konzentrationen (~50% niedriger) erforderlich sind. 7. Bei stabilen HI-Patienten, aber auch bei Patienten mit anderen Herzerkrankungen wie Myokardinfarkt, Herzklappenerkrankung, Vorhofflimmern oder Lungenembolie, weisen die NP-Konzentrationen eine hohe prognostische Genauigkeit für den Tod und die HI-bedingte Hospitalisierung auf. 8. Das Screening mit NPs zur Früherkennung relevanter Herzerkrankungen, einschließlich linksventrikulärer systolischer Dysfunktion bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren kann dazu beitragen, Patienten mit erhöhtem Risiko zu identifizieren, und ermöglicht daher gezielte vorbeugende Maßnahmen zur Vorbeugung von HI. 9. BNP, NT-proBNP und MR-proANP zeigen eine vergleichbare diagnostische und prognostische Genauigkeit. 10. Bei Patienten mit Schock können NPs nicht verwendet werden, um die Ursache zu identifizieren (z.B. kardiogener vs. septischer Schock), bleiben jedoch prognostisch. 11. NPs können die Ursache von HI nicht identifizieren und müssen daher, wenn sie erhöht sind, immer in Verbindung mit kardialer Bildgebung verwendet werden. (sf) Autoren: Mueller C et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: Heart Failure Association of the European Society of Cardiology practical guidance on the use of natriuretic peptide concentrations Quelle: Eur J Heart Fail 2019;21(6):715–731. Web: https://doi.org/10.1002/ejhf.1494