Herzklappenerkrankungen: Frauen werden seltener richtlinienkonform behandelt1. Oktober 2024 Symbolfoto: ©chawalit/stock.adobe.com Die Häufigkeiten verschiedener schwerer Herzklappenerkrankungen sowie deren Behandlungen unterscheiden sich in Europa zwischen Männern und Frauen. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie an mehr als 200 Zentren in ganz Europa. Hintergrund der Studie ist, dass geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Behandlung von Herzinfarkten bereits vielfach berichtet wurden, es bezüglich Herzklappenerkrankungen bisher jedoch wenige Daten gab. Die Ergebnisse der kürzlich im „European Heart Journal“ publizierten Studie zeigen, dass Frauen bei speziellen Erkrankungen der Herzklappen seltener als Männer nach den in Europa geltenden Empfehlungen behandelt werden und dass die Gründe für das Unterbleiben einer Behandlung bei Männern und Frauen unterschiedlich sind. Erstautorin ist Prof. Julia Mascherbauer von der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems an der Donau (Österreich). Schwerwiegende Erkrankungen der Herzklappen nehmen aufgrund der steigenden Lebenserwartung in Europa in ihrer Häufigkeit rasant zu. Parallel dazu haben sich die Behandlungsmöglichkeiten von Herzklappenerkrankungen in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Dazu hat vor allem die Einführung neuer, minimalinvasiver Eingriffsoptionen beigetragen. Geschlechtsspezifische Unterschiede in Hinblick auf Diagnose und Therapie von Herzklappenerkrankungen sind bisher jedoch sehr wenig untersucht. Die aktuelle Studie hat nun genau das getan. Die umfangreiche, internationale Studie wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Österreich, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Spanien durchgeführt. Sie basiert auf Daten des „ESC-EORP Valvular Heart Disease II“-Registers der European Society of Cardiology aus dem Jahr 2017. Frauen bei Diagnose älter und mit stärkeren Symptomen „Wir konnten klare Unterschiede bei Männern und Frauen feststellen“, erklärt Mascherbauer, Leiterin der Klinischen Abteilung für Innere Medizin III am Universitätsklinikum St. Pölten. „So waren Frauen bei der Diagnose ihrer Herzklappenerkrankung im Schnitt 2,5 Jahre älter als Männer und wiesen dann auch mehr Symptome auf.“ In der Studie, die mehr als 5200 Patientinnen und Patienten umfasste und an 208 Zentren in Europa (und Nordafrika) durchgeführt wurde, konnte festgestellt werden, dass bei beiden Geschlechtern am häufigsten eine Aortenklappenstenose zu behandeln war, am zweithäufigsten eine Mitralklappeninsuffizienz. Frauen erhalten seltener eine Mitralklappenintervention Die Auswertungen der Daten brachten weitere bisher nicht bekannte Unterschiede zutage, wie Mascherbauer ausführt: „Als wir uns die konkreten Eingriffe anschauten, die zu Behandlungszwecken durchgeführt wurden, fanden sich relevante Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Insgesamt wurde bei Frauen signifikant seltener eine nach geltenden Richtlinien empfohlene Intervention durchgeführt. Dieser Unterschied beruhte vor allem auf weniger Mitralklappeneingriffen bei Frauen.“ Als ein möglicher Grund dafür konnte das Alter der Patientinnen identifiziert werden, die zum Zeitpunkt der Diagnose mit 71,5 Jahren durchschnittlich 2,5 Jahre älter als Männer waren. Aber auch die Ablehnung der Patientinnen, Eingriffe durchführen zu lassen sowie eine Verbesserung der Symptome nach medikamentösen Behandlungen waren Gründe dafür, empfohlene Eingriffe weniger häufig als bei Männern durchzuführen. Die Sechs-Monats-Überlebensraten unterschieden sich allerdings nicht zwischen den Geschlechtern. „Es ist wichtig, Geschlechterunterschiede bei Diagnose und Therapie, die oft nicht bewusst sind, aufzuzeigen, um eine optimale Behandlung unabhängig vom Geschlecht sicherzustellen“, resümiert Mascherbauer.
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