Herzzentrum Leipzig: Kinderherzchirurg Prof. Martin Kostelka verabschiedet sich in den Ruhestand15. September 2026 Staffelstabsübergabe der Leitung der Kinderherzchirurgie am Herzzentrum Leipzig von Martin Kostelka an Marcel Vollroth. (Foto: ©Christian Hüller/Herzzentrum Leipzig) Nach 28 Jahren und mehr als 10.000 durchgeführten Herzoperationen am Herzzentrum Leipzig beendet der Kinderherzchirurg Prof. Martin Kostelka seine berufliche Laufbahn. Die Leitung der Kinderherzchirurgie übernimmt nun PD Dr. Marcel Vollroth. Eigentlich sollte es nur ein Jahr werden. 1998 kam Prof. Martin Kostelka aus San Francisco (USA) ans Herzzentrum Leipzig, zunächst mit dem Plan, dort für zwölf Monate zu arbeiten. Aus diesem einen Jahr wurden 28. „Ich habe hier ein herausragendes Team vorgefunden. Deshalb bin ich geblieben“, sagt der Kinderherzchirurg rückblickend. Nun endet für ihn nach insgesamt 42 Jahren als Mediziner eine außergewöhnliche berufliche Laufbahn. Mehr als 8500 Kinder und rund 1500 Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern hat Kostelka laut dem Herzzentrum Leipzig operiert. Ebenso wichtig wie seine eigene Arbeit am OP-Tisch sei ihm die Ausbildung der nächsten Generation gewesen: Bei 1762 Operationen assistierte er jungen Kolleginnen und Kollegen, begleitete sie bei Eingriffen und gab seine Erfahrung weiter. „Prof. Kostelka hat die Kinderherzchirurgie am Herzzentrum Leipzig über Jahrzehnte maßgeblich geprägt und weiterentwickelt. Dafür danke ich ihm und wünsche ihm alles Gute für den neuen Lebensabschnitt“, sagt Matthias Hirsekorn, Klinikgeschäftsführer am Herzzentrum Leipzig. Ende September übergibt Prof. Kostelka die Verantwortung an seinen langjährigen Kollegen und Nachfolger PD Dr. Marcel Vollroth. Von Prag über London und San Francisco nach Leipzig Martin Kostelka studierte Medizin an der Universität in Prag. In Prag und Dresden absolvierte er seine fachärztliche Weiterbildung in der Allgemeinen Chirurgie sowie der Herz- und Thoraxchirurgie und spezialisierte sich anschließend auf die Herzchirurgie. Berufliche Stationen führten ihn unter anderem auch nach London. Darüber hinaus absolvierte er Trainings im Bereich der Kinderherzchirurgie an der Harvard Medical School in Boston sowie an Universitäten in San Francisco und Los Angeles. Der Entschluss, Medizin zu studieren, geht auf ein prägendes Erlebnis in seiner Jugend zurück. „Als ich 16 Jahre alt war, erlebte ich auf der Hochzeit meines Onkels, wie der Vater der Braut plötzlich zusammenbrach und vor unseren Augen starb. Ich fühlte mich unglaublich hilflos und wollte dieses Gefühl nie wieder erleben. Mir wurde klar: Ich möchte Menschen helfen, die akut Hilfe benötigen. Für die Herzchirurgie habe ich mich entschieden, aufgrund der Möglichkeit, etwas zu rekonstruieren“, schildert Kostelka. Wir reparieren nicht nur – wir ermöglichen Leben Eben diese Rekonstruktion macht die Operation am Herzen eines Säuglings oder Kindes so besonders: „Wir reparieren nicht nur – wir ermöglichen Leben. Die Verantwortung ist enorm. Wenn das Herz als Motor des Körpers nicht richtig funktioniert, hat das unmittelbare Auswirkungen auf das gesamte Leben der Kinder und ihrer Familien. Deshalb kommt es auf maximale Präzision an. Angeborene Herzfehler sind zudem außerordentlich vielfältig. Manche Kinder haben mehrere Diagnosen gleichzeitig, und nicht jede Situation lässt sich nach einem festen Schema behandeln. Genau das hat meine Arbeit über all die Jahre so anspruchsvoll, aber auch so faszinierend gemacht“, so Kostelka weiter. Die langjährige Erfahrung sowie das dadurch erlangte Selbstbewusstsein und Vertrauen in sein Können seien dabei entscheidend gewesen: „Am OP-Tisch darf man nicht zweifeln – weder an sich selbst noch gegenüber dem Team. Natürlich gibt es eine gewisse Anspannung. Aber man vertraut auf sein Handwerk und auf seine Erfahrung. Im Laufe der Jahre habe ich viele schwierige Situationen und Komplikationen erlebt und lösen können. Auf diese Erfahrungen kann man zurückgreifen. Man geht im Kopf die möglichen Lösungen durch, entscheidet sich für die beste – und dann muss jeder Handgriff sitzen.“ Chirurgische Schule lebt durch die nächste Generation weiter „Am meisten freue ich mich über die herausragenden jungen Kolleginnen und Kollegen, die ich ausbilden durfte. Bei 1762 Operationen habe ich Nachwuchskräfte begleitet: Sie haben operiert, ich stand an ihrer Seite, habe sie unterstützt und meine Erfahrung weitergegeben. Es war für mich eine große Freude zu sehen, wie sie sich entwickelt haben und mit der Zeit immer mehr Verantwortung übernehmen konnten. Meine chirurgische Schule lebt durch sie weiter. Schon in den vergangenen Jahren konnte ich die Verantwortung zunehmend mit ihnen teilen. Deshalb lege ich die Kinderherzchirurgie nun voller Überzeugung in die Hände von Marcel Vollroth. Ich weiß, dass die Abteilung bei ihm und dem Team bestens aufgehoben ist.“ Ein zweijähriger Patient, der in Erinnerung blieb Rückblickend erinnert sich Kostelka an viele Patientinnen und Patienten, deren Geschichten ihn bis heute begleiten, aber besonders hat ihn ein zweijähriger Junge berührt: „Als er zu uns kam, war er stark unterkühlt und hatte eine Körpertemperatur von nur 21 Grad. Er war zuvor leblos in einem Bach gefunden und von Ersthelfern und Rettungskräften über lange Zeit reanimiert worden. Die Situation erschien nahezu aussichtslos. Aber nach allem, was die Ersthelfer und Rettungskräfte bereits geleistet hatten, wollten auch wir alles versuchen. Mithilfe der Herz-Lungen-Maschine konnten wir ihn schrittweise erwärmen und seinen Kreislauf wiederherstellen. Dass der Junge das unbeschadet überlebt hat, grenzt an ein Wunder. Die starke Unterkühlung hatte seinen Körper und insbesondere sein Gehirn offenbar geschützt.“ Erfolgsgeschichten: Wiedersehen nach vielen Jahren Auf die Frage, wie es ihm ergehe, wenn er junge Patient:innen als Erwachsene wieder trifft, antwortet der 68-Jährige sehr berührt: „Vor kurzem besuchte mich ein junger Mann, den ich vor 16 Jahren als kleines Kind mit einem Gewicht von gerade einmal drei Kilogramm operiert hatte. Es war damals eine sehr komplexe und schwierige Operation. Nun stand er vor mir, größer als ich, vollkommen fit und kurz vor dem Abitur. Er bat mich, ihm mein Buch zu signieren. Das hat mich sehr berührt. Zu sehen, dass ein Kind, das einmal so schwer krank war, heute ein ganz normales Leben führen kann – solche Momente waren für mich immer unglaublich wichtig. Sie haben mir Mut und Kraft gegeben, auch schwierige Situationen zu bewältigen und Rückschläge zu verkraften.“ Ein Kind steht nie allein Wichtig sei aber vor allem für ihn die Erkenntnis, dass hinter jedem behandelten Kind eine Familie steht, die hofft und mitleidet: „Die Perspektive ist entscheidend: Ein Kind steht nie allein. Es ist immer Teil einer Familie. Wenn ein Kind einen schweren Herzfehler hat, betrifft das nicht nur das Kind selbst. Häufig richtet sich das gesamte Leben der Familie danach aus. Wir als Ärztinnen und Ärzte können diesen Familien Hoffnung geben, indem wir das Leben der Kinder zum Guten verändern. Genau darum ging es für mich.“ Zeit für die Familie und Hobbies Nach über einer Million gependelter Kilometer zwischen Leipzig und Prag möchte sich der renommierte Kinderherzchirurg in seinem Ruhestand nun vollkommen seinem privaten Umfeld widmen: „Ich habe meinen Beruf über all die Jahre zu 101 Prozent gelebt. Die Patientinnen und Patienten und die Klinik standen für mich immer an erster Stelle. Das bedeutete auch, dass der Beruf einen sehr großen Teil meines Lebens bestimmt hat. Jetzt freue ich mich darauf, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ich möchte reisen, mich meinen Hobbys widmen und wieder mehr kulturelle Veranstaltungen besuchen“, so Kostelka. Das Herzzentrum resümiert feierlich: „Nach 28 Jahren am Herzzentrum Leipzig endet damit ein prägendes Kapitel der Kinderherzchirurgie. Was bleibt, sind nicht nur mehr als 10.000 Operationen, sondern vor allem die zahlreichen Patient:innen, deren Leben Kostelka mit seiner Arbeit verändert hat – und eine neue Generation von Herzchirurg:innen, an die er sein Wissen und seine Erfahrung weitergegeben hat.“ Kostelkas Wirken wurde am 4. September in einem Festakt mit Kolleg:innen und Wegbegleiter:innen am Herzzentrum Leipzig geehrt.
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