Heute geborene Kinder werden doppelt so lange extremem Brandwetter ausgesetzt sein wie ihre Großeltern

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Wird die derzeitige Klimapolitik fortgesetzt, wird ein im Jahr 2025 in Europa geborenes Kind mehr als drei zusätzlichen Jahren extremen Brandwetters ausgesetzt sein als eine im Jahr 1950 geborene Person. Zu diesem Fazit kommt neue Studie, die in den „Environmental Research Letters“ veröffentlicht wurde. Das entspricht einem Anstieg von 84 Prozent.

Wiederholte Hitzewellen haben in diesem Jahr zu verheerenden Bränden in Frankreich, Spanien und Belgien geführt, die Experten zufolge ohne den Klimawandel praktisch unmöglich gewesen wären. Auch im Jahr 2025 brannten in Europa mehr als 1 Million Hektar Land und Wald, wobei Spanien und Portugal am stärksten betroffen waren.

Portugal ist das europäische Land, in dem in den vergangenen Jahrzehnten der höchste Anteil
der Landesfläche abgebrannt ist. Nachdem sie verheerende Waldbrände und intensive Hitzewellen erlebt hatten, reichten im Jahr 2020 sechs portugiesische Jugendliche beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Beschwerde gegen europäische Länder ein, weil diese keine ausreichenden Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen hatten.

Mehr als sechs Lebensjahre unter extremen Wetterbedingungen

Wissenschaftliche Rückendeckung erhalten die klagenden Jugendlichen nun durch die Ergebnisse der aktuellen Studie, der zufolge sich die Zahl der Tage mit extremem Brandwetter in Portugal unter der derzeitigen Klimapolitik voraussichtlich mehr als verdoppeln wird – von 14 Tagen pro Jahr im Zeitraum 1950–1970 auf 32 Tage pro Jahr bis 2100. Damit wird ein 2025 in Portugal geborenes Kind etwa 6,5 Jahre seines Lebens unter extremen Brandwetterbedingungen verbringen. Dies gilt für ein Szenario, in dem die Erderwärmung bis 2100 2,6 °C erreicht, wie auf Grundlage der derzeitigen Klimapolitik prognostiziert.

Doch auch für andere europäische Länder prognostizieren die Forschenden eine starke Zunahme der lebenslangen Exposition. Danach führt jedes zusätzliche Grad Erwärmung zu Hunderten von Tagen extremen Brandwetters im Laufe des Lebens der 2025 Geborenen.

Eine rasche Verringerung der Nutzung fossiler Brennstoffe würde die Exposition gegenüber
gefährlichen Brandwetterbedingungen hingegen in allen Regionen verringern und die lebenslange Exposition der 2025 Geborenen in Europa im Durchschnitt um 1,3 Jahre reduzieren, in den am stärksten betroffenen Regionen Südeuropas sogr um mehr als zwei Jahre.

Ungerechte Verteilung der Lasten

Die Forschenden weisen darauf hin, dass der weitaus größte Teil (86 %) des prognostizierten Anstiegs auf den Klimawandel und nicht auf die höhere Lebenserwartung der Kinder zurückzuführen ist.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Ausmaß der Brandgefahr, der die heutigen Kinder im Laufe ihres Lebens ausgesetzt sein werden, sich grundlegend von dem unterscheidet, was ihre Großeltern erlebt haben. Ein heute in Europa geborenes Kind wird mehrere Jahre seines Lebens unter extremen Feuerwetterbedingungen verbringen, und im Mittelmeerraum ist diese Belastung besonders groß. Junge Menschen haben am wenigsten zum Klimawandel beigetragen, werden aber am längsten mit seinen Folgen leben. Deshalb sind ehrgeizigere Klimaschutzmaßnahmen erforderlich, um die schlimmsten Auswirkungen künftiger klimabedingter Gefahren zu vermieden“, erklärte Rosa Pietroiusti, Hauptautorin der Studie und Doktorandin an der Vrije Universität Brüssel (Belgien).