Hidradenitis suppurativa: Hormonwirksame Chemikalien als Treiber identifiziert5. Januar 2026 © Yurii Kibalnik – stock.adobe.com (Symbolbild) Eine neue Studie der Johns Hopkins Medicine in Baltimore (USA) zeigt, dass molekulare Abbauprodukte hormonell wirksamer Substanzen aus Kunststoffen in der Haut von Patienten mit Hidradenitis suppurativa nachweisbar sind. Die Studie mit zwölf Teilnehmenden mit Hidradenitis suppurativa (HS) gilt als die erste, die einen Zusammenhang zwischen in Kunststoffen vorkommenden hormonaktiven Substanzen und der Erkrankung belegt. Diese Chemikalien werden häufig in ultraverarbeiteten Nahrungsmitteln und Einweg-Kunststoffflaschen gefunden und können laut den Ergebnissen zur Krankheitsentstehung beitragen oder bestehende Symptome verschlechtern. Die vom National Institutes of Health geförderte Studie wurde in „Nature Communications“ veröffentlicht und beschreibt auch molekulare Krankheitsmechanismen. Nach Einschätzung der Forschenden könnten Maßnahmen zur Verringerung der Exposition die Symptomschwere bei HS mildern und einen neuen Ansatz für eine Erkrankung eröffnen, für die bislang nur wenige zugelassene Therapieoptionen bestehen. Fibroblasten im Fokus Zur Identifikation zugrundeliegender Krankheitswege verglichen die Forschenden Hautproben von 12 HS-Betroffenen im Alter von 22–67 Jahren und mit unterschiedlicher ethnischer Herkunft mit solchen von acht Kontrollpersonen ohne HS. Dabei zeigten sich in allen HS-Proben erniedrigte Spiegel des Gens NCSTN (Nicastrin), das häufig bei HS mutiert ist. Besonders niedrig war NCSTN in Fibroblasten, jener Zellpopulation mit immunmodulatorischer Funktion, die für die Aufrechterhaltung des Bindegewebes essenziell ist. Da Mutationen in NCSTN mit entzündlichen Hauterkrankungen assoziiert sind, vermuten die Forschenden, dass der Verlust dieses Gens Fibroblasten empfindlicher gegenüber proinflammatorischen Signalen macht. Dies führt zu einer überschießenden Produktion entzündungsfördernder Mediatoren. „Bisher standen Keratinozyten im Mittelpunkt der HS-Forschung“, erläutert Dr. Kaitlin Williams vom Garza-Labor der Johns Hopkins University School of Medicine. „Wir konnten jedoch zeigen, dass das gezielte Ausschalten von NCSTN in gesunden Fibroblasten genügt, um ein proinflammatorisches Milieu zu erzeugen. Das deutet darauf hin, dass Fibroblasten für die Pathogenese von HS ebenso bedeutsam sind wie Keratinozyten.“ Zusammenhang mit hormonwirksamen Umwelteinflüssen Da bereits ein Zusammenhang zwischen HS und dem Konsum stark verarbeiteter Nahrungsmittel beschrieben wurde, prüften die Forschenden, ob Konzentrationen plastikassoziierter endokriner Disruptoren (p‑EDs), insbesondere Bisphenole und Phthalate, bei HS-Patienten erhöht sind und wie sie mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen. Mittels molekularer Bildgebung konnten in den Hautproben von HS-Betroffenen deutlich erhöhte Konzentrationen von p‑ED-Metaboliten nachgewiesen werden – im Vergleich zu den Kontrollproben ohne HS. Daraufhin wurde ein Cocktail aus acht gängigen Bisphenolen und Phthalaten auf normale Fibroblasten aufgetragen. Dabei zeigte sich ein dosisabhängiger Rückgang der NCSTN-Expression, was die Befunde an HS-Gewebeproben reproduzierte. Diese Ergebnisse stützen die Annahme einer möglichen pathogenetischen Rolle von p‑EDs bei HS. Die Forschenden wollen nun untersuchen, weshalb sich p‑EDs in der Haut von HS-Betroffenen vermehrt anreichern und ob eine gezielte Erhöhung der NCSTN-Expression therapeutisches Potenzial hat. (ins)
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