Hightech fürs Handgelenk

Eine solche Handgelenkendoprothese wurde im Bergmannsheil zum 100. Mal implantiert. (Foto: BG Universitätsklinikum Bergmannsheil)

Am Bochumer Klinikum Bergmannsheil wurde zum 100. Mal eine Handgelenkprothese eingesetzt.

Starker Verschleiß, rheumatische Erkrankunen oder schwere Verletzungen des Handgelenkes ziehen oft langjährige Schmerzen und Bewegungseinschränkungen nach sich. Diese beeinträchtigen die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit von Betroffenen erheblich. Wenn alle anderen Therapien ausgeschöpft sind, kann der Ersatz des Handgelenkes durch eine Prothese Abhilfe schaffen. Die Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am BG Universitätsklinikum Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Marcus Lehnhardt) hat im Januar den 100. Patienten mit diesem innovativen Verfahren behandelt, berichtet das Bergmannheil. Damit zähle die Klinik in Deutschland zu den Vorreitern dieser Prozedur.

Patienten erreichen im Regelfall wieder circa zwei Drittel der Kraft und Beweglichkeit der gesunden Gegenseite

Die Prothesen bestehen aus hochwertigen, biokompatiblen Materialien wie Titanlegierungen und kohlefaserverstärkten Spezialkunststoffen (Polyether-Ether-Keton), die eine stabile Verankerung im Knochen ermöglichen und gleichzeitig eine annähernd natürliche Gelenkbewegung nachbilden, so die Klinik weiter. Der operative Eingriff dauere in der Regel rund 1,5 Stunden. Zwei Wochen nach der Operation beginne eine gezielte physiotherapeutische Nachbehandlung, die darauf abzielt, Beweglichkeit, Kraft und Koordination schrittweise wiederherzustellen. Patientinnen und Patienten erreichten im weiteren Verlauf im Regelfall wieder circa zwei Drittel der Kraft und Beweglichkeit der gesunden Gegenseite.

„Bei fortgeschrittenen Erkrankungen des Handgelenks galt lange Zeit die Versteifung als Standardtherapie“, erklärt Dr. Patrick Harenberg, Oberarzt der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie. „Die Versteifung beseitigt zwar zuverlässig Schmerzen, nimmt dem Handgelenk jedoch dauerhaft seine Beweglichkeit. Eine Prothese erlaubt es, Schmerzen zu reduzieren und gleichzeitig einen funktionellen Bewegungsumfang zu erhalten.“

100. Patient plant baldige Rückkehr in den Beruf

Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigt dem Bermannsheil zufolge der 100. Fall besonders eindrücklich: Der Patient litt über Jahre hinweg unter massiven Schmerzen und zunehmender Bewegungseinschränkung. Konservative Behandlungsversuche brachten nur kurzfristige Linderung. Die fortschreitende Arthrose behinderte ihn selbst bei alltäglichen Handgriffen. Nach der Implantation der Handgelenkprothese hab sich sein Zustand deutlich verbessert. Das Gelenk sei bereits wieder sehr gut belastbar, die Beweglichkeit stabil, und der Patient plane, in Kürze wieder in seinen Beruf zurückzukehren. „Unsere Patientinnen und Patienten haben bisher sehr gute Erfahrungen mit ihrer Handgelenksprothese gemacht“, erklärt Dr. Harenberg. Er ist zuversichtlich, dass sich das Verfahren auch in Zukunft weiter durchsetzen wird.

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Quellen Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil