Hin zu einer uneingeschränkten Nutzung öffentlicher genomischer Daten31. Januar 2019 Foto: © Dan Race – Fotolia.com Ein Plädoyer von 50 internationalen WissenschaftlerInnen, darunter der Direktor des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie Prof. Dr. Rudolf Amann, in der Fachzeitschrift Science: Wer seine Daten anderen Forschern uneingeschränkt zur Verfügung stellt, muss dafür die angemessene Anerkennung erfahren. Wie wir die mikrobiellen Bewohner unserer Umwelt und unseres Körpers erforschen, hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Moderne Methoden der Genomanalyse – also der Analyse des Erbguts der Mikroben oder ganzer Mikrobengemeinschaften – ermöglichen immer umfassendere und detailliertere Untersuchungen. Dabei entstehen riesige Datenmengen. Deren Auswertung erlaubt beispielsweise Rückschlüsse auf die Funktion von Mikroorganismen und ihre Wechselwirkungen untereinander sowie mit höheren Lebewesen. Die genomischen Daten zu erheben ist aufwändig. Und auch die anschließende Auswertung dieses Datenschatzes ist sehr anspruchsvoll. Immer wieder werden Erhebung und Auswertung der Genomdaten von unterschiedlichen Forschungsgruppen geleistet. Daher braucht es dringend klare Regeln für die Rechte an selbst erhobenen Daten und dafür, wie diese Daten von anderen ForscherInnen genutzt werden können. In der nun erscheinenden Veröffentlichung in Science plädiert eine große Gruppe von WissenschaftlerInnen aus aller Welt dafür, dass öffentlich zugängliche Genomdaten auch tatsächlich als offene Daten behandelt werden. Je mehr Untersuchungen und Veröffentlichungen aus vorhandenen Daten hervorgingen, desto besser, so die WissenschlaftlerInnen. Aktuell seien die Genomdaten zwar schnell einsehbar, da riesige Datensätze oft gleich nach der Sequenzierung online verfügbar sind. Ihre Verwertung bleibt aber eingeschränkt – denn jene ForscherInnen, die die Daten erzeugt haben, dürfen auch als erste die daraus entstehenden Erkenntnisse veröffentlichen. Andere Forschungsgruppen müssen warten. So kommt es, dass manchmal Jahre zwischen der Freigabe der Genomdaten und der Publikation erster Datenanalysen vergehen. Die AutorInnen beklagen in der aktuellen Veröffentlichung einen Mangel an Richtlinien zur Datennutzung. Dies schade nicht nur dem wissenschaftlichen Fortschritt. Häufig widerspräche es auch den Vorgaben der Förderinstitutionen. Nur durch klare Regeln könne der Konflikt zwischen freier Nutzung und privilegierter Erstveröffentlichung gelöst werden. Vor allem eines fordern Amann und seine KollegInnen: Mechanismen zur Dokumentation und Wertschätzung, wenn genomische Daten öffentlich gemacht werden. Wer seine Daten anderen Forschern uneingeschränkt zur Verfügung stellt, muss dafür die angemessene Anerkennung erfahren. „Der Wegfall des Erstveröffentlichungsrechts mag im Einzelfall unfair erscheinen“, erläutert Amann. „Für die Weiterentwicklung der Lebenswissenschaften ist es aber essenziell, dass frei verfügbare Sequenzdaten auch sofort von allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihre Analysen und Veröffentlichungen genutzt werden können.“ Originalveröffentlichung: Rudolf I. Amann, Shakuntala Baichoo, Benjamin J. Blencowe, Peer Bork, Mark Borodovsky, Cath Brooksbank, Patrick S. G. Chain, Rita R. Colwell, Daniele G. Daffonchio, Antoine Danchin, Victor de Lorenzo, Pieter C. Dorrestein, Robert D. Finn, Claire M. Fraser, Jack A. Gilbert, Steven J. Hallam, Philip Hugenholtz, John P.A. Ioannidis, Janet K. Jansson, Jihyun F. Kim, Hans-Peter Klenk, Martin G. Klotz, Rob Knight, Konstantinos T. Konstantinidis, Nikos C. Kyrpides, Christopher E. Mason, Alice C. McHardy, Folker Meyer, Christos A. Ouzounis, Aristides A. N. Patrinos, Mircea Podar, Katherine S. Pollard, Jacques Ravel, Alejandro Reyes Muñoz, Richard J. Roberts, Ramon Rosselló-Móra, Susanna-Assunta Sansone, Patrick D. Schloss, Lynn M. Schriml, João C. Setubal, Rotem Sorek, Rick L. Stevens, James M. Tiedje, Adrian Turjanski, Gene W. Tyson, David W. Ussery, George M. Weinstock, Owen White, William B. Whitman, Ioannis Xenarios (2019): Towards unrestricted use of public genomic data. Science. DOI: 10.1126/science.aaw1280 Link: http://science.sciencemag.org/content/363/6425/350
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