Hirntumorforschung mit Humangewebe statt Tierversuchen5. November 2024 Winzige Proben der Hirnrinde, die bei Routineoperationen ohnehin anfallen, werden im Labor kultiviert. So eignen sie für komplexe Experimente besonders gut. (Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg) Ein Forschungsprojekt der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Freiburg widmet sich der Erforschung von Meningeomen. Ziel der am 1. November 2024 angelaufenen Studie ist es, das Zusammenspiel zwischen diesen Tumoren und Gliazellen besser zu verstehen. Das Projekt nutzt auf menschlichen Gewebemodellen basierende Methoden, um den Einsatz von Tierversuchen zu reduzieren. „Diese Studie kann uns einen entscheidenden Schritt näher zu einem tieferen Verständnis von Meningeomen und ihrer Umgebung im Gehirn bringen“, erklärt Dr. Vidhya Madapusi Ravi, Leiterin des Projekts und der Forschungsgruppe für 3D-Gehirnmodelle an der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg. „Indem wir menschliche Gewebeproben statt tierischer Modelle verwenden, können wir präzisere Ergebnisse erzielen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz leisten.“ Gliazellen als Schlüssel zur Tumorentwicklung Die Behandlung von Meningeomen, meist eine operative Entfernung oder Bestrahlung, hängt von Größe, Lage und Wachstumsverhalten ab. Daher interessiert die Forscher um Ravi und Prof. Dr. Jürgen Beck, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg, insbesondere die Rolle der Gliazellen, die zahlreiche Funktionen im Gehirn haben, unter anderem die Versorgung der Nervenzellen mit Nährstoffen. Sie interagieren auch mit Tumorzellen und könnten so einen Einfluss auf das Tumorwachstum und die Ausbreitung haben. Ziel ist es, herauszufinden, wie diese Zellen miteinander kommunizieren und ob dies zur Entwicklung neuer Therapien beitragen könnte. Forschungsansatz ohne Tierversuche Im Zentrum der Studie steht der Einsatz von humanem Gewebe, das bei chirurgischen Eingriffen ohnehin entnommen wird, zum Beispiel bei Epilepsie- oder Glioblastomoperationen. „Unsere Forschung beschäftigt sich mit der Züchtung von langlebigen Gewebekulturen außerhalb des Körpers, um neurodegenerative Krankheiten und Hirntumore besser zu verstehen“, erklärt Ravi. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, Modelle zu entwickeln, die näher als tierische Modelle an der menschlichen Biologie sind und gleichzeitig den Einsatz von Tierversuchen reduzieren. Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch“ vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz gefördert.
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