Hirnvenenthrombosen nach Vektor-Impfung gegen SARS-CoV-2: Zweite Impfung ist möglich10. September 2021 Andreas Greinacher und sein Team forschen weiter unter Hochdruck an Impfnebenwirkungen. Foto: Manuela Janke/UMG Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald haben jüngst im „New England Journal of Medicine“ neue Erkenntnisse zu seltenen Hirnvenenthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung veröffentlicht. „Die gefährlichen Anti-PF4-Antikörper, die zu Hirnvenenthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung gegen COVID-19 führen können, verschwinden bei den meisten Patienten innerhalb von drei Monaten wieder. Die Betroffenen können ohne Risiko ein zweites Mal geimpft werden, ohne dass die Antikörper wieder gebildet werden“, informiert der Leiter der Abteilung für Transfusionsmedizin, Prof. Andreas Greinacher. „Daher ist ein Abstand zur Zweitimpfung von drei Monaten klar zu empfehlen.“ Die Ursache für die schwere Impfnebenwirkung Vakzin-induzierte Immunthrombozytopenie und Thrombosen (VITT) sind Antikörper gegen das Thrombozytenprotein Plättchenfaktor 4 (PF4), die die Blutgerinnung stark aktivieren. Die Antikörper werden durch Bestandteile im Impfstoff, die sich an PF4 binden, ausgelöst. Bereits im Frühjahr dieses Jahres hat die Arbeitsgruppe um Greinacher dies als Ursache für die Entstehung von Hirnvenenthrombosen nach einer COVID-19-Impfung aufgeklärt. Die Ergebnisse wurden mittlerweile von mehreren Arbeitsgruppen international bestätigt. Zudem hat die Greifswalder Forschungsgruppe einen Labortest zum Nachweis der Anti-PF4-Antikörper sowie eine Behandlungsmöglichkeit entwickelt. In dem nun publizierten „Letter to the Editor“ beschreibt die Gruppe um Greinacher die Nachuntersuchung von 35 Patienten mit VITT über einen Zeitraum von im Schnitt elf Wochen (Spanne 4–19) nach Diagnose. Bei zwei Drittel der Patienten (23/35) wurden die Ergebnisse des PF4-abhängigen Thrombozyten-Aktivierungstests in diesem Zeitraum negativ. Darüber hinaus sank die mittlere optische Dichte im Anti-PF4-Heparin-IgG-ELISA zwischen der ersten und der letzten verfügbaren Blutprobe um 53 Prozent. „Betroffene sind nicht langfristig gefährdet, immer wieder neue Thrombosen zu bekommen. Die Antikörper aktivieren die Blutgerinnung nur eine kurze Zeit nach der Impfung. Dies ist eine unglaublich gute Nachricht für alle Betroffenen und ihre Familien“, betont die Erstautorin Dr. Linda Schönborn die Bedeutung dieser Ergebnisse. Zehn bis 18 Wochen nach ihrer ersten Impfung wurden zudem fünf der VITT-Patienten, während sie noch eine Antikoagulation erhielten, mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer als Zweitimpfung immunisiert. Mit einer Ausnahme hatten alle Patienten vor der zweiten Impfung einen negativen Thrombozyten-Aktivierungstest. Bei keinem dieser doppelt geimpften Patienten traten klinisch symptomatische neue thrombotische Komplikationen oder ein Anstieg der optischen Dichte um mehr als 0,5 im Anti-PF4-Heparin-IgG-ELISA auf, wie die Autorinnen und Autoren in ihrem Letter mitteilen. „Menschen, die nach der ersten Impfung die schwere Nebenwirkung VITT entwickelt haben, können ein zweites Mal geimpft und so vor COVID-19 geschützt werden“, erklärt Schönborn. „Diese Ergebnisse sind weltweit von größter Bedeutung. In den meisten Ländern stehen nur die Adenovirus-basierte Impfstoffe, wie die Impfstoffe von AstraZeneca oder Johnson&Johnson, zur Verfügung“, ergänzt Greinacher. Das Greifswalder Wissenschaftsteam arbeitet weiter mit Hochdruck an der Erforschung der Impfnebenwirkungen und wird zeitnah über neue Ergebnisse berichten. (ah)
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