Historische Moulagen als 3D-Scans online verfügbar

Original Wachsmoulage und 3D-Digitalscan eines Herpes zoster (© Collezione delle Cere Anatomiche „Luigi Cattaneo“, Bolgona. Prof. Stefano Ratti)

Das Virtuelle Internationale Moulagen-Archiv macht historische Wachsmoulagen der Dermatologie online nutzbar. Die 3D-Scans können für Lehre und Forschung eingesehen werden.

Wachsmoulagen waren über Jahrhunderte das „plastische Gedächtnis“ der Dermatologie und essenziell für Lehre und Forschung. Verdrängt durch die Farbfotografie gerieten diese Schätze fast in Vergessenheit. Mit der Digitalisierung historischer Moulagen und durch die Gründung des Virtuellen Internationalen Moulagen-Archivs (VIMA), werden diese Sammlungen nun vor dem Verfall gerettet. Mitglieder der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) können auf rund 500 hochauflösende 3D-Moulagen zugreifen und sie für ihre Fortbildung und für die Lehre nutzen.

Mit Wachs und Stoff Hautbefunde nachgebildet

„Schon vor dem digitalen Zeitalter waren 3D-Technologien in der Dermatologie Alltag. Moulagen sind exakte Kopien von Hautbefunden in Farbe und Form. Sie können etwas, was Fotos nicht leisten: Hautbefunde haptisch erfahrbar machen“, sagt Alexander Schneller, Gründer des Virtuellen Internationalen Moulagen-Archivs und Arzt an der Universitätshautklinik Augsburg. Betrachten, anfassen und sich das Erscheinungsbild einprägen – mit Moulagen können Hautkrankheiten und ihren Effloreszenzen realitätsgetreu gelehrt und gelernt werden.

Aus Wachs, Holz, Haaren und Stoff hergestellt, ist die Konservierung der sorgsam gesammelten und gehüteten Objekte allerdings eine Herausforderung für Archive und ihre Mitarbeitenden. Daher kam Alexander Schneller der Gedanke, dieses Erbe mit modernster Technologie für die heutige Aus- und Weiterbildung nutzbar zu machen. „Die digitale Rettungsaktion startete 2024. Möglich wurde sie durch die Kooperation mit den Sammlungen und vor allem durch die Unterstützung der Augsburger Klinikleiterin Prof. Julia Welzel“, betont Schneller, wodurch das Virtuelle Internationale Moulagen-Archiv Wirklichkeit werden konnte und nun allen DDG-Mitgliedern offen steht.

Sammlung online zum Lehren und Lernen nutzen

Das VIMA ist in die Webseite der DDG eingebettet und kann von Mitgliedern im Mitgliederbereich genutzt werden. Die 3D-Scans stammen von Modellen aus bedeutenden historischen Sammlungen (Bologna, Paris, Erlangen, Frankfurt und Zürich). Exponate können gezielt nach Diagnose, Lokalisation, Entstehungsjahr oder Sammlung gefiltert und so zum Selbststudium oder für Lehrveranstaltungen genutzt werden.

„Krankheitsbilder können durch die digitalen Moulagen in einer Detailtreue erlebt werden, die Fotos oft nicht leisten können und das bequem vom Bildschirm aus“, sagt Prof. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal. „Das ist eine Bereicherung für die Lehre, aber dient auch der persönlichen Weiterbildung oder Auffrischung von vorhandenem Wissen“, so Hofmann.

Die Nutzung der Modelle in Ausbildung und Lehre ist ausdrücklich erwünscht. Es gibt in Bezug auf die Verwendung allerdings zu beachtende Vorgaben der Sammlungen, was die Nutzung von Abbildungen bzw. Screenshots ihrer Modelle betrifft. Die Einbindung weiterer Sammlungen ist bereits in Arbeit.