Historische Präparate zeigen menschlichen Einfluss auf das Fressverhalten von Seehunden14. Januar 2026 (Symbolbild) Foto: © madscinbca – stock.adobe.com Wissenschaftler haben Abnutzungsspuren auf Seehundzähnen untersucht. Mithilfe von Zahnproben aus historischen Präparaten naturkundlicher Sammlungen konnten sie zeigen, wie stark der Mensch das Fressverhalten von Seehunden beeinflussen kann. Anhand der Abnutzungsspuren der Zähne lassen sich deutliche Unterschiede in der Nahrungsnutzung zwischen verschiedenen Regionen und Zeiträumen nachweisen. Die Untersuchung führten die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) und die Universität Leipzig gemeinsam durch. Sie veröffentlichten die Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift „Frontiers in Marine Science“.Im Mittelpunkt der Studie standen historische Seehundpräparate aus wissenschaftlichen Sammlungen. Mithilfe der sogenannten dentalen Mikroverschleiß-Texturanalyse (DMTA, dental microwear texture analysis) analysierten die Forschenden feinste Abnutzungsspuren auf den Zahnoberflächen, die beim Fressen entstehen. Diese erlauben Rückschlüsse darauf, wie die Tiere ihre Nahrung nutzten.Verglichen wurden Seehunde aus dem deutschen Wattenmeer aus den späten 1980er-Jahren mit Tieren aus dem dänischen Kattegat aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede. Die Kattegat-Seehunde wiesen stärkere und komplexere Abnutzungsspuren auf den Zähnen auf als ihre Artgenossen aus dem Wattenmeer. Dies deutet darauf hin, dass sich sowohl ihre Nahrung als auch die Art der Nahrungsaufnahme voneinander unterschied. Lebensbedingungen prägen Fressverhalten Die Forschenden führen diese Unterschiede auf die sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen der Tiere in den jeweiligen Jahrzehnten und Regionen zurück. In den 1960er- und 1970er-Jahren standen Seehunde im Kattegat unter starkem Jagd- und Nutzungsdruck. Zudem veränderten sich Fischbestände durch intensive Fischerei. Im Wattenmeer hingegen griffen ab den 1980er-Jahren zunehmend Schutzmaßnahmen, wodurch sich Bestände und Lebensräume stabilisierten. Die Seehunde reagierten offenbar flexibel auf diese Bedingungen. Sie passten ihr Nahrungsspektrum an die jeweils verfügbaren Ressourcen an. Sammlungen als Archiv vergangener Lebensweisen Die Studie unterstreicht den hohen wissenschaftlichen Wert historischer zoologischer Sammlungen. Sie zeigen nicht nur, wie Tiere früher aussahen, sondern liefern – kombiniert mit modernen Analysemethoden – wichtige Hinweise darauf, wie sich Umweltbedingungen und menschliche Eingriffe langfristig auf marine Ökosysteme auswirken.
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