HIV: Fibrosen im Fettgewebe könnten höheres Risiko für Typ-2-Diabetes erklären

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Eine aktuelle US-Studie liefert neue Erklärungen dafür, warum Menschen mit HIV auch bei erfolgreicher antiretroviraler Therapie und supprimierter Viruslast ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes aufweisen. Grund könnten mehr Fibrosen im Fettgewebe sein, die zu einer Insulinresistenz beitragen.

Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) kann unbehandelt zu einer AIDS-Erkrankung führen. Heutzutage lässt sich die Infektion jedoch so gut therapieren, dass viele Betroffene keine nachweisbare Viruslast haben. Dennoch weisen diese Patientinnen und Patienten ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes auf. Eine aktuelle Studie liefert nun neue Einblicke.

Fibrosen im Fettgewebe als Treiber der Insulinresistenz

Um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen, analysierten die Forschenden der University of California – San Francisco (USA) Blutproben und Fettgewebebiopsien von 46 Personen mit gut kontrolliertem HIV sowie von 74 Kontrollpersonen ohne HIV. Keine der teilnehmenden Personen war adipös oder an Diabetes erkrankt.

Die Analysen zeigten, dass HIV-positive Studienteilnehmende deutlich mehr Fibrosen im Fettgewebe aufwiesen. Dieses Narbengewebe war stark mit einer Insulinresistenz assoziiert – einem zentralen Prädiktor für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes. Die Gewebeveränderungen zeigten sich unabhängig vom Körpergewicht der Patient:innen und unabhängig von der spezifischen antiretroviralen Medikation.

Um die Ursachen der Fettgewebsfibrose zu ergründen, untersuchten die Forschenden die Genexpression in den Fettbiopsien. Während Gene, die an der Remodellierung der extrazellulären Matrix sowie an Immunreaktionen beteiligt sind, aktiver waren, zeigten Signalwege, die die Insulinsignalkaskade und den Lipidstoffwechsel steuern, eine reduzierte Aktivität.

Endotrophin als potenzieller Blutbiomarker

Diese molekularen Veränderungen unterschieden sich grundlegend von den Prozessen, die bei einer adipositasbedingten Fibrose zu beobachten sind. Darüber hinaus zeigte sich, dass sowohl die Fettfibrose als auch die Insulinresistenz bei Menschen mit HIV mit erhöhten Blutspiegeln eines Proteins namens Endotrophin einhergingen.

Da es sich um eine Querschnittsstudie handelte, bei der die Teilnehmenden nur einmalig untersucht wurden, lässt sich noch nicht kausal belegen, ob die Vernarbung des Fettes direkt zu Insulinresistenz oder Diabetes führt. Dennoch werten die Autoren die Ergebnisse als wichtigen Meilenstein, um metabolische Folgeerkrankungen bei HIV besser zu verstehen und künftig gezielt zu behandeln.

Denn die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Diabetesrisiko bei Menschen mit HIV nicht allein anhand des Körpergewichts eingeschätzt werden kann. „Wir gehen davon aus, dass die Fettgewebsfibrose – nachweisbar über Endotrophin – uns eines Tages Aufschluss darüber geben könnte, wie sich die Stoffwechselgesundheit von Menschen mit HIV künftig entwickeln wird“, so Dr. Diana Alba, Assistenzprofessorin für Innere Medizin im Fachbereich Endokrinologie an der UCSF und Erstautorin der Studie.

Dr. Suneil Koliwad, Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel bei UCSF Health und Seniorautor der Studie, ergänzt: „Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich die Infektion mit HIV in ein beherrschbares, chronisches Leiden verwandelt. Diese Ergebnisse bringen uns der Prävention der spezifischen und neu auftretenden stoffwechselbedingten Gesundheitsprobleme bei dieser wachsenden Patientengruppe einen Schritt näher.“

(mkl/BIERMANN)