HIV: Neu identifizierter Antikörper könnte die Behandlung verbessern6. Oktober 2025 Foto: © ronstik/stock.adobe.com Ein Forschungsteam unter Kölner Leitung hat den Antikörper 04_A06 entdeckt, der das HI-Virus in fast allen getesteten Varianten in vitro neutralisiert und sogar klassische Resistenzmechanismen überwindet. Der neu identifizierte Antikörper mit dem Kürzel 04_A06 erwies sich in Labortests als besonders wirksam: Er konnte 98,5 Prozent von mehr als 300 verschiedenen HIV-Stämmen neutralisieren, berichten die Autoren. Damit gehört er zu den breit wirksamsten HIV-1 Antikörpern. In Versuchen mit humanisierten Mäusen senkte 04_A06 die HI-Viruslast dauerhaft auf nicht mehr nachweisbare Werte. Die meisten anderen HIV-1 Antikörper erzielen in diesem Tiermodell dagegen nur kurzfristige Effekte, da sich schnell Resistenzen entwickeln, heißt es weiter. Die neuen Forschungsergebnisse wurden im Fachjournal „Nature Immunology“ veröffentlicht. Klassische Resistenzmechanismen überwunden Für die aktuelle Studie untersuchten die Forschenden Blutproben sogenannter „Elite-Neutralisierer“, deren Immunsystem das Virus besonders effektiv bekämpft. Aus über 5000 einzelnen B-Lymphozyten wurden mehr als 800 Antikörper hergestellt und auf ihre Wirksamkeit getestet. Der Antikörper 04_A06 übertraf dabei alle anderen in Potenz und Breite der Wirkung in Neutralisationstests. „Mit 04_A06 haben wir einen Antikörper entdeckt, der nicht nur außergewöhnlich breit wirkt, sondern auch klassische Resistenzmechanismen des Virus überwindet“, erläutert Erstautor Dr. Lutz Gieselmann. Ungewöhnlich lange Aminosäure-Kette Eine wichtige Besonderheit von 04_A06 zeigte sich bei der Untersuchung seiner Struktur. Der Antikörper besitzt eine ungewöhnlich lange Aminosäure-Kette. Damit erreicht er Epitope am Virus, die normalerweise schwer zugänglich sind. Diese Regionen sind stark konserviert und für das Virus vermutlich schwer veränderbar, ohne die eigene Funktionsfähigkeit zu verlieren. Dies könnte erklären, warum 04_A06 seine antiviralen Eigenschaften auch gegenüber Fluchtmutationen in der CD4 Bindestelle beibehält, die bei anderen Antikörpern dieser Klasse zu einem Wirkungsverlust führen, so die Autoren. Neben den Labortests nutzten die Wissenschaftler auch Computermodelle, um die Schutzwirkung von 04_A06 einzuschätzen. Die Modelle sagten voraus, dass eine einmalige Gabe in klinischen Anwendungen über 93 Prozent Schutzwirkung bieten könnte. Möglicher therapeutischer Nutzen Insgesamt bieten die antiviralen Eigenschaften von 04_A06 laut den Forschern der Studie einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung von Menschen, die mit HIV leben, als auch für die Prävention bei Risikogruppen. „Der nächste Schritt ist, die Sicherheit und Wirksamkeit des Antikörpers in klinischen Studien weiter zu prüfen und so den Weg in die Patientenversorgung vorzubereiten“, kommentiert der Studienleiter Prof. Florian Klein. Die Studie wurde unterstützt von der Gates Foundation im Rahmen ihrer gemeinnützigen Ziele, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung sowie dem European Research Council. Der Antikörper 04_A06 wurde exklusiv an Vir Biotechnology, Inc. lizensiert.
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