Hochschule Hannover entwickelt Virtual Reality Lernumgebung für medizinische Notfälle

Das Projektkonsortium fokussiert: Mit VR/AR lernen, wie man Leben rettet. Foto: © Lukas Lehmann, Bearbeitung Leonard Flock

An der Hochschule Hannover wird derzeit das Projekt ViTAWiN – Virtuell-augmentiertes Training für die Aus- und Weiterbildung in der interprofessionellen Notfallversorgung – entwickelt, erprobt und umfassend evaluiert. Ziel ist die bessere Ausbildung aller an der Notfallversorgung beteiligten Kräfte.


Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sind für beinahe jeden zweiten Todesfall in Deutschland verantwortlich. Auch im Rettungsdienst und in Notaufnahmen von Kliniken bewirken Patienten mit diesen Erkrankungsgruppen die häufigsten Anlässe für Einsätze. Die notwendige frühzeitige Diagnostik und Versorgung schwerer Verläufe kann bisher nur ausschnittsweise, starkabstrahiert und separat in den einzelnen Ausbildungsberufen entlang der Notfallversorgungskette trainiert werden.

Ein nationaler Zusammenschluss von Fachkräften aus den Bereichen Medien, Technologie sowie Rettungsdienst und Notfallpflege erforscht innovative Lösungen für die berufliche Bildung. Bis zum Ende des Projekts (2022) werden in einer kollaborativen Lern- und Trainingsumgebung komplexe, realitätsnahe Entscheidungssituationen geschaffen. Dazu werden haptische Trainingspuppen mit einer dynamisch-veränderlichen Darstellung aller Leitsymptome durch Virtual Reality (VR) genutzt. Notfallpflegekräfte und Rettungsfachpersonal trainieren gemeinsam durch interprofessionelle Lernarrangements.

Die Versorgung schwerer Notfallsituationen erfordert eine umfassende berufliche Handlungskompetenz und interprofessionelle Zusammenarbeit, beispielsweise zwischen Rettungsdienst und Notfallpflege. Traditionelles Simulationstraining unter Nutzung von Simulationspuppen bildet Symptome nicht hinreichend ab. Zudem lässt sich das interprofessionelle Training nicht praktikabel umsetzen. Umgekehrt erlauben bestehende, nicht-haptische VR-Simulationen es nicht, wichtige manuelle Fertigkeiten zu trainieren.

Im Projekt ViTAWiN wird durch einen interdisziplinären Zusammenschluss eine Mehrbenutzer-Virtual Reality/Augmented Reality (AR)-Simulationsumgebung entwickelt, erprobt und umfassend evaluiert. Dies geschieht auf der Basis eines auf die Bildungsbedarfe der Zielgruppen und auf die Bildungsgänge ausgerichteten didaktischen Designs und einer Strategie zur Integration neuer Medien in die Bildungspraxis.

Durch die Symbiose von VR- und AR-Technologien wird eine hoch interaktive, immersive, kollaborative, multisensorische und dreidimensional-navigierbare Trainings- und Lernumgebung realisiert. Die realitätsnahen und verräumlichten 3D-Darstellungen in VR-/AR-Umgebungen knüpfen unmittelbar an berufliche Alltagserfahrungen an. Dadurch sind sie in hohem Maße authentisch und kontextbezogen.

Projektpartner
• Hochschule Hannover, Fak. IV – Wirtschaft und Informatik, Abt. Informatik (Koordination, Technologieforschung)
• Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, Kaiserslautern (Medien-/Medizindidaktik)
• TriCAT GmbH, Ulm (Technologieumsetzung)
• Malteser Hilfsdienst gGmbH, Bildungszentrum der Region Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland, Wetzlar (Bildungspraxis NotfallsanitäterInnen)
• Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Johanniter-Akademie, Bildungsinstitut Niedersachsen/Bremen, Hannover (Bildungspraxis NotfallsanitäterInnen)
• Hanse Institut Oldenburg – Bildung und Gesundheit gGmbH, Oldenburg (Bildungspraxis Notfallpflege)