Hodenkrebs: Status zirkulierender Tumor-DNA mit hoher Aussagekraft für das Überleben nach Therapie

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US-Wissenschaftler haben den klinischen Nutzen von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) bei Patienten mit Hodenkrebs untersucht. Das Ergebnis: Der ctDNA-Status im Fenster minimaler Resterkrankung (minimal residual disease, MRD) nach der Therapie sagte das Über­leben nach Orchiektomie und retroperitonealer Lymphknotendissektion (RPLND) voraus.

War im MRD-Fenster nach der Therapie keine ctDNA nachweisbar, so hatte dieser Befund einen hohen negativ-prädiktiven Wert (NPV) im Vergleich zu bildgebenden Verfahren bei Erkrankungen im klinischen Stadium (CS) I.

Für ihre Forschungsarbeit erstellten der Urologe Reuben Ben-David und seine Kollegen von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York prospektiv longitudiunale tumorbezogene ctDNA-Analysen von konsekutiven Patienten im Zeitraum 2022–2023. Die Signatur für die ctDNA-Analyse wurde aus dem Orchiektomie- oder dem RPLND-Präparat bereitgestellt. Das MRD-Fenster definierten die Wissenschaftler als die ersten 90 Tage nach Orchiektomie oder RPLND. Mittels der Kaplan-Meier-Methode analysierten sie das ereignisfreie Überleben (EFS) und das rezidivfreie Überleben (RFS).

Insgesamt unterzogen sich 60 Patienten mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 18 Monaten (IQR 13–23 Monate) 287 ctDNA-Analysen; 45% wiesen ein Seminom auf. Bei der initialen Stadien­einteilung befanden sich 65% im CS I, 20% im CS II, 3,3% im CS III und 10% im CS IS. Nach der Orchiektomie war bei 80% der Patienten keine ctDNA nachweisbar.

Patienten ohne nachweisbare ctDNA im MRD-Fenster zeigten ein signifikant besseres EFS im Vergleich zu Patienten mit nachweisbarer ctDNA. Dies gilt für das EFS sowohl nach 3 Monaten (100% vs. 25% [95%-Konfidenzintervall {KI} 7,5–83]) als auch nach 12 Monaten (91% [95%-KI 79–100] vs. 13% [95%-KI 2–78]). Bei Patienten mit CS I war der Befund nicht nachweisbarer MRD-ctDNA mit einem RFS von 88% nach 18 Monaten assoziiert.

Negativ-prädiktiver Wert über 90 Prozent

Für die diagnostische Aussagekraft der ctDNA für CS I pro Patient errechneten die Wissenschaftler im Vergleich zu bildgebenden Verfahren folgende Werte: Sensitivität 33,3%, Spezifität 93,5%, positiv-prädiktiver Wert 33,3% und NPV 93,5%. Nachweisbare ctDNA vor der RPLND korrelierte vollständig mit dem Vorhandensein eines Tumors, während nicht nachweisbare ctDNA einer gutartigen Histologie oder einem Teratom in der pathologischen Befundung entsprach. War keine RPLND-ctDNA im MRD nachweisbar, so war dies mit einem besseren 9-Monats-RFS im Vergleich zu nachweisbarer ctDNA assoziiert (100% vs. 25% [95%-KI 5–100]).

(ms/BIERMANN)