Hoffnung auf schonendere Therapie von Hautlymphomen5. Juni 2023 Hautschnitte eines Studienpatienten vor und nach Therapie mit Dimethylfumarat. Die Fluoreszenzfärbung zeigt die typischen, durch die Behandlung hervorgerufenen Veränderungen auf Zellebene. NF-kB-Aktivität (hellblau) und T-Zellen (weiß) nehmen ab, Makrophagen (rosa) zu. Foto: © Universitätsmedizin Mannheim Kutane T-Zell-Lymphome (CTCL) sind eine seltene Form von Hautkrebs, bei der T-Zellen entarten und gegenüber Zelltod resistent werden. Forschende der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg haben nun in einer Phase-II-Studie den Wirkstoff Dimethylfumarat als wirksames Mittel zur Behandlung kutaner T-Zell-Lymphome nachgewiesen, insbesondere für Patienten mit Sézary-Syndrom, einer besonders aggressiven Form der CTCL. Bedingt durch genetische Mutationen wird bei CTCL eine krankhafte Überaktivität des Transkriptionsfaktors NF-κB verursacht. Der Defekt erlaubt es den Krebszellen, sich den Kontrollmechanismen gesunder Zellen zu entziehen und sich unkontrolliert zu vermehren, und macht sie resistent gegen Apoptose. NF-κB stellt somit ein vielversprechendes therapeutisches Ziel bei kutanen T-Zell-Lymphomen dar. „Dimethylfumarat wird üblicherweise zur Therapie der Psoriasis und Multiplen Sklerose eingesetzt. In einer präklinischen Studie konnten wir zeigen, dass der Wirkstoff das Potenzial hat, NF-κB zu blockieren und CTCL-Zellen gezielt abzutöten“, erläutert Prof. Jan Nicolay, Leiter der Studie und Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Mannheim. Diese Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler 2016 im Fachjournal Blood. Die aktuelle Studie hatte nun zum Ziel, die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung am Patienten zu überprüfen. Dazu wurden 25 Patienten mit unterschiedlichen Stadien (Ib–IV) dieser seltenen Erkrankung über 24 Wochen kontrolliert mit Dimethylfumarat behandelt und bezüglich der Kriterien von Hautveränderungen (mSWAT-Score), Juckreiz, der daraus resultierenden Lebensqualität sowie einer Beteiligung des Blutes und anhand von Labordaten untersucht. Knapp ein Drittel der Patienten sprach auf die Therapie an, mit einer Verbesserung der Hautveränderungen um mehr als 50 Prozent. Ein besonders gutes Ansprechen zeigten dabei Patienten mit einer hohen Tumorlast in Haut und Blut. Bei einigen Patienten verbesserte sich auch der Juckreiz, wenn auch nicht signifikant. Sehr günstig war hingegen die Gesamtverträglichkeit der Therapie mit Dimethylfumarat, mit meist nur leichten Nebenwirkungen. Das Ansprechen im Blut der Patienten war uneinheitlich, bestätigte aber den Mechanismus der Hemmung von NF-κB durch Dimethylfumarat. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass die Behandlung mit Dimethylfumarat eine wirksame und hervorragend verträgliche Therapieoption bei CTCL-Patienten darstellt und weiter in der Patientenversorgung, gegebenenfalls auch als Kombinationstherapie, untersucht werden sollte“, so das Fazit von Nicolay.
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