Hoffnung für Familien mit erblichem Krebsrisiko3. Mai 2019 Prof. Dr. Christian Kratz mit zwei Mitarbeiterinnen Christina Dutzmann (links) und Dr. Beate Dörgeloh Foto: © MHH/Kaiser Konsortium forscht für Menschen, die aufgrund einer seltenen Erkrankung ein erhöhtes Krebsrisiko haben / BMBF fördert Forschungsverbund mit zwei Millionen Euro Ein Unglück kommt selten allein – diese Erfahrung müssen Menschen machen, deren Körper aufgrund einer genetischen Veränderung Schäden am Erbgut nicht ausreichend reparieren kann. Diese Schäden treten häufig auf und werden normalerweise unbemerkt korrigiert. Die Betroffenen haben somit ein drastisch erhöhtes Krebsrisiko – oft erkranken sie sogar mehrfach hintereinander an Krebs. „Besonders dramatisch ist dies, weil gängige Krebstherapien oft viele lebensbedrohliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Diese Patientinnen und Patienten mit Erbgut-Reparatur-Defekten benötigen daher spezifische Krebstherapien“, sagt Prof. Christian Kratz, Leiter der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Um bessere Behandlungsstrategien für Personen mit gestörter Erbgut-Reparatur zu entwickeln, haben Patientenvertreter, Psychosomatiker, Frauen- und Kinderärzte, Internisten, Krebsforscher, Radiologen, Pathologen und Genetiker aus Düsseldorf, Hannover, Heidelberg und Würzburg das Konsortium „Translationale Forschung für Personen mit abnormer DNA-Reparatur“ gegründet. Der Verbund wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als zwei Millionen Euro für drei Jahre gefördert und besteht aus neun Einzelprojekten. Aus Hannover sind neben dem Team von Kratz auch Prof. Gudrun Göhring, MHH-Institut für Humangenetik, und Prof. Felicitas Thol, MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, an dem Verbund beteiligt. „Wir beleuchten gemeinsam die zahlreichen Aspekte, die mit dem erhöhten Krebsrisiko in Zusammenhang stehen, das diese Betroffenen haben“, erläutert Kratz. Ziele des Verbundes sind unter anderem, den betroffenen Familien, betreuenden Ärzten sowie forschenden Wissenschaftlern eine Internet-basierte Plattform zu bieten, über die Informationen verbreitet, Daten eingegeben und Beratungen angeboten werden können. Das Konsortium arbeitet darüber hinaus daran, die psychosoziale Unterstützung für die Patienten und deren Familien zu verbessern und die Mechanismen der Syndrom- und der Krebsentstehung weiter zu erforschen. Ziel ist es, Krebserkrankungen mittels verschiedener Verfahren früher, sicherer und schonender zu erkennen. Für eine bessere Krebsdiagnose und zur Entwicklung neuer Therapiestrategien werden Tumore auf der Basis genetischer Profile charakterisiert und Tiermodelle etabliert sowie Betroffenen gezielte Hilfsangebote bereitgestellt. Betroffene können sich aktiv im Rahmen des Konsortiums einbringen und sich hierfür registrieren unter [email protected] . Syndrome mit abnormer Erbgut-Reparatur sind eine Gruppe von seltenen Erkrankungen, bei denen alle Betroffenen ein erhöhtes Risiko haben, an Krebs zu erkranken. Das Konsortium widmet sich elf dieser Erkrankungen: Ataxia-telangiectasia, Bloom Syndrom, konstitutionelle Mismatch Reparatur Defizienz, DNA Ligase IV Syndrom, Dyskeratosis congenita, Fanconi Anämie, Li Fraumeni Syndrom, Nijmegen Breakage Syndrom, Rothmund-Thomson Syndrom, Werner Syndrom und Xeroderma pigmentosum.
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