Hoffnungsschimmer in der Hirntumorforschung10. Mai 2018 Human brain problems light grey glowing background, beautiful bright illustration detailed anatomy Neue Strategien bei unheilbaren Hirntumoren: Die photodynamische Therapie oder die Impfung mit im Labor programmierten körpereigenen Abwehrzellen könnten Patienten wertvolle Lebenszeit schenken. Beide Ansätze werden aktuell in Studien getestet und bei der 69. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie diskutiert. Die Therapie bösartiger Hirntumore hat in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte gemacht, wenn sie auch bis heute nicht heilbar sind und den Patienten viele Lebensjahre rauben. Als Hoffnungsschimmer gilt derzeit die dendritische Zelltherapie – nicht nur in der Hirntumorforschung. Die Impfung als Strategie gegen den Krebs wird derzeit intensiv erforscht. Nun ist hierzu im Bereich Neurochirurgie eine Studie gestartet (GlioVax), welche untersucht, ob eine Impfung mit sogenannten dendritischen Zellen zusätzlich zur Standardtherapie mit OP und Radiochemotherapie die Überlebenszeit für Glioblastom-Patienten verlängern kann. Bei der 69. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie dürften dazu interessante Diskussionen zu erwarten sein. Verlängerte Überlebenszeit für Patienten „Beim Glioblastom, einer der schlimmsten Erkrankungen, geht die Überlebenszeit von ein paar Monaten hin zu wenigen Jahren“, sagte DGNC- und Tagungspräsident Prof. Walter Stummer (Münster). An den durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierten Tumorzentren, wo die komplexe Therapie auf neuestem Stand und fächerübergreifend abgestimmt ist, werden heute auch die bei den aggressiven Tumoren unausweichlichen Rezidive behandelt, die noch vor wenigen Jahren an etlichen Kliniken als hoffnungslose Fälle nach Hause geschickt worden wären. „Die Forschung ist auf einem guten Weg“, sagte Stummer. Die Impfung mit dendritischen Zellen ist ein Beispiel. Dafür werden körpereigene Abwehrzellen aus dem Blut des Patienten mit Zellen des entnommenen Tumorgewebes gewissermaßen umprogrammiert. Sie präsentieren dann dem Immunsystem Eiweiße der Tumorzellen und können so andere körpereigene Immunzellen, welche gegen diese Eiweiße gerichtet sind, aktivieren. Diese Abwehrzellen, so die Hoffnung, würden dann die nach der Operation verbliebenen Tumorreste zerstören beziehungsweise am Wachsen hemmen – und damit die Überlebenszeit des Patienten verlängern. Einen Aufschwung erleben derzeit auch die sogenannten lokalen Verfahren, welche nur die Neurochirurgie bieten kann, weil ihr der Zugang zum Gehirn vorbehalten ist. „Diesen besonderen Umstand machen wir uns zunutze, zum Beispiel, indem wir bestimmte Medikamente in die Tumorhöhle einbringen, die nur dort wirksam werden können“, erklärte Stummer. „Weil viele der Tumore, mit denen wir es zu tun haben, keine klare Grenze aufweisen, sondern ins funktionstragende Gewebe übergehen, brauchen wir selektive Methoden, welche die Tumorzellen zerstören, die normal funktionierenden aber erhalten.“ Alternative zur OP: Photodynamische Therapie Zu den lokalen Ansätzen gehört auch die photodynamische Therapie, ein physikalisches Verfahren, bei dem ein lichtempfindlicher Farbstoff in den Tumorzellen angereichert wird. Über Lasersonden wird anschließend Licht einer bestimmten Wellenlänge zu den Tumorzellen geführt und so reaktiver Sauerstoff erzeugt, der die Tumorzellen schädigt. Mit der photodynamischen Therapie können kleinere Tumore und Rezidive bis zu einer Größe von etwa drei Zentimetern zerstört werden. Bei primären nicht operablen Tumoren konnten mit der Therapie bereits gute Ergebnisse erreicht werden. Aktuell wird im Rahmen einer vom Universitätsklinikum Münster geleiteten, multizentrischen Studie geprüft, wie sich die photodynamische Therapie auf die Überlebenszeit und Lebensqualität von Patienten mit dem ersten Rezidiv auswirkt.
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