Hohe US-Auszeichnung für Berner und Genfer Forschende8. Juni 2022 Aufnahme von 3D-Organoid-Kulturen von Ovarialkarzinom-Zellen, die von Patientinnen stammen. Maßstabsbalken = 60mm. Bild: ©Universität Bern Ein prestigeträchtiger Grant aus den USA geht an den biomedizinischen Wissenschaftler Prof. Sven Rottenberg, Universität Bern, und die klinische Forscherin Dr. Intidhar Labidi-Galy, Universität Genf und Universitätsspital Genf. Sie erhalten einen gemeinsamen Förderbeitrag im Rahmen der “Congressionally Directed Medical Research Programs” für ihr Projekt zu Therapieresistenz beim Eierstockkrebs. Die amerikanischen “Congressionally Directed Medical Research Programs” (CDMRP) unterstützen im Auftrag des US Department of Defense mit Förderbeiträgen medizinische Forschungsprojekte in 18 biomedizinischen Programmen. Diese Programme zielen darauf ab, medizinische Behandlungen zu entwickeln und die Lebensqualität der Kranken zu verbessern. Forschende können sich mit ihren Projekten in einem hochkompetitiven Verfahren um Grants bewerben. Das US Department of Defense ist für die lebenslange medizinische Versorgung seiner Angestellten zuständig. Aus diesem Grund unterstützt es mit seinen medizinischen Forschungsprogrammen sowohl Grundlagen- wie angewandte Forschung auf zahlreichen Gebieten der Medizin, wie zum Beispiel die Forschung zu Eierstockkrebs im Rahmen des “Ovarian Cancer Research Program”. Die “Congressionally Directed Medical Research Programs” gibt es seit 1992. Das Gesamtbudget für 2021 betrug rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Großer Erfolg für gemeinsame Forschung zur Bekämpfung des Eierstockkrebs Das “Ovarian Cancer Research Program” ist das einzige US-Bundesforschungsprogramm, das sich dieser tödlichen Krankheit widmet. Es fördert innovative Ansätze in der translationalen Forschung, um die Entwicklung wirksamerer Behandlungsmethoden zu beschleunigen. Neben den beiden Grants, die in Bern und Genf vergeben wurden, wurde auch ein Team des Unispitals Lausanne ausgezeichnet. Somit stammen dieses Jahr drei der insgesamt vier ausgezeichneten europäischen Projekte aus der Schweiz. Dr. Intidhar Labidi-Galy, MD, PhD, Oberärztin, zuständig für gynäkologische Krebserkrankungen in der Abteilung für Onkologie, Universitätsspitäler Genf, und Gruppenleiterin am Zentrum für translationale Forschung in Onko-Hämatologie, Medizinische Fakultät, Universität Genf. Bild: © zvg, Quelle: Universität Bern “Dies ist ein außergewöhnlicher Erfolg, da in den letzten 10 Jahren nur ein einziger Preis des Eierstockkrebs-Forschungsprogramms an einen europäischen Wissenschaftler vergeben wurde”, sagt Prof. Brigitte Galliot, Vizerektorin Forschung an der Universität Genf. “Die Zusammenarbeit zwischen Bern und Genf in diesem Bereich ist seit einigen Jahren besonders fruchtbar”, fügt Prof. Hugues Abriel, Vizerektor für Forschung der Universität Bern, hinzu. “Ich freue mich sehr über die heutige Auszeichnung”. Das Projekt von Rottenberg und Labidi-Galy ist eines von nur 12, die innerhalb der Kategorie “Investigator-Initiated Research Awards” aus insgesamt 95 Bewerbungen ausgewählt wurden. Ihr Forschungsprojekt wird vier Jahre lang mit insgesamt rund 878.000 US-Dollar gefördert. Die Resistenz gegen PARP-Inhibitoren bei Eierstockkrebs überwinden Eierstockkrebs ist die häufigste Todesursache bei gynäkologischen Krebserkrankungen. Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt nicht mehr als 4 Jahre, vor allem weil sich die Krankheit bei der Diagnose meist schon in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Bei rund einem Drittel der aggressivsten Tumore sind Mutationen der BRCA1/BRCA2-Gene beteiligt. Seit ein paar Jahren werden in der Klinik Poly(ADP-Ribose)-Polymerase Inhibitoren (PARPi) eingesetzt, die spezifisch auf Tumore mit inaktiviertem BRCA1/BRCA2 abzielen. Die Einführung dieser neuen Behandlungsmethoden hat zu einer eindrücklichen Verbesserung der Überlebensrate von Patientinnen mit Eierstockkrebs geführt. Leider erleiden die meisten Frauen irgendwann ein Rezidiv und entwickeln eine Resistenz gegen PARPi. Die Überlebensrate dieser Patientinnen ist gering und beträgt nicht mehr als 18 Monate. “Deshalb ist es dringend notwendig, die biologischen Mechanismen zu identifizieren, die der Resistenz gegen PARPi zugrunde liegen, und darauf basierend neue zielgerichtete Therapien für unsere Patientinnen zu entwickeln”, sagt Labidi-Galy, leitende Oberärztin für gynäkologische Krebserkrankungen an der Abteilung für Onkologie der Genfer Universitätskliniken und Gruppenleiterin am Zentrum für translationale Forschung in Onko-Hämatologie an der Universität Genf. “Zusammen mit weiteren Forschungsgruppen weltweit haben wir bereits mehrere Mechanismen der Resistenz gegen PARPi in präklinischen Modellen gefunden, aber es ist noch wenig darüber bekannt, welche dieser Resistenzmechanismen in menschlichen Tumoren relevant sind”, erklärt Rottenberg, Direktor des Instituts für Tierpathologie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern und Gruppenleiter am Bern Center for Precision Medicine (BCPM). Prof. Dr. med. vet. Sven Rottenberg, Gruppenleiter am Bern Center for Precision Medicine (BCPM), und Direktor des Instituts für Tierpathologie an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern. Bild: ©zvg, Quelle: Universität Bern Um die Mechanismen der Resistenz gegen PARPi bei BRCA1/2-mutiertem Eierstockkrebs zu untersuchen, wird das Team moderne Hochdurchsatzverfahren anwenden. Dies beinhaltet unter anderem die digitale Pathologie und künstliche Intelligenz, Gensequenzierungen und räumliche Genexpression von einzelnen Zellen im PARPi-resistenten Tumorgewebe von Eierstockkrebspatientinnen. Die mutmaßlichen Mechanismen der PARPi-Resistenz werden mithilfe von Organoiden (3D-Kultursystemen) mit lebenden Tumorproben von Eierstockkrebspatientinnen validiert. Ziel des Projekts ist es, neue therapeutische Strategien zu entwickeln, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen zu verbessern, die von therapieresistentem Eierstockkrebs betroffen sind. Für die Universität Bern ist es das vierte Mal, dass ein CDMRP-Grant vergeben wird. Zuletzt wurden 2019 zwei Berner Forschende für ein Projekt zu Prostatakrebs und ein weiteres zur rekonstruktiven Chirurgie ausgezeichnet. Für die Universität Genf ist dies der erste CDMRP-Grant.
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