Hohe Wirksamkeit von kombinierten Medikamenten bei Krebs nachgewiesen15. Februar 2019 Grafik: © freshidea/Fotolia Neue Krebsmedikamente müssen bei der Zulassung oft nur gegen ein anderes Medikament bestehen, aber nicht gegen mehrere. Dies führt zu ungenügenden Vergleichsmöglichkeiten und erschwert die bestmögliche Therapie für Krebspatienten. Forschende unter Beteiligung der Universität Bern und des Inselspitals publizieren nun einen großangelegten Vergleich von Medikamenten gegen eine bestimmte Art von Tumoren. Neuroendokrine Tumore können überall im Körper aus hormonproduzierenden Zellen entstehen. Sie treten immer häufiger auf, und entsprechend erscheinen zahlreiche neue Medikamente auf dem Markt. “Die zunehmende Anzahl neuer Therapiemöglichkeiten ist natürlich erfreulich”, sagt Martin A. Walter von der Universität Genf und den Universitätsspitälern Genf, der die Studie entwickelt und koordiniert hat. Da jedoch nur wenige Vergleichsstudien zwischen diesen Medikamenten durchgeführt würden, stelle dies die behandelnden Ärzte vor Probleme, wenn es darum geht, die bestmögliche Behandlung für jeden Patienten zu finden. “Tatsächlich ist es ausreichend, die Überlegenheit eines neuen Medikaments über ein bisheriges Medikament oder sogar nur Placebo nachzuweisen, um von den Behörden zugelassen zu werden und auf den Markt zu gelangen”, sagt Walter. “In einer solchen Situation ist eine Metaanalyse von großem Wert, um indirekt Vergleiche zwischen Medikamenten anzustellen, die bisher in keinem direkten Vergleich standen”, sagt Reto Kaderli von der Universität Bern und dem Inselspital, Erstautor der Studie. “Dies ermöglicht es uns auch, alle verfügbaren Daten einzusetzen, um die bestmöglichen Therapien zu ermitteln.” Die internationale Forschergruppe um Kaderli und Walter präsentiert die bisher umfassendste Metaanalyse von klinischen Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten bei neuroendokrinen Tumoren. Die Ergebnisse zeigen, dass Medikamente in Kombination besser wirken als einzeln. Unabhängige Studien werden weniger berücksichtigt Die Metaanalyse umfasste 30 randomisierte kontrollierte klinische Studien mit 3895 Patienten, denen insgesamt 22 Medikamente zugeteilt waren. “Eines der überraschendsten Resultate unserer Studie ist die hohe – und oft unterschätzte – Wirksamkeit von kombinierten Medikamenten”, sagt Kaderli. “Genauso überrascht waren wir zu sehen, dass diese kombinierten Therapien in internationalen Empfehlungen von medizinischen Verbänden untervertreten sind.” Tatsächlich zeigt die Metanalyse, dass Studien, in denen Medikamente verschiedener Hersteller kombiniert wurden, hauptsächlich von unabhängigen Forschenden stammen, und dass deren Resultate in den offiziellen Behandlungsempfehlungen weniger berücksichtigt werden als Studien, die im Auftrag von Pharmafirmen durchgeführt werden. Erfolg der Nuklearmedizin Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass radioaktive Therapien wirksam und relativ sicher sind. “Als Spezialist auf dem Gebiet der Nuklearmedizin bin ich sehr erfreut über die vielversprechenden Resultate unserer radioaktiven Therapien”, sagt Walter. Ein entsprechender Nachweis stehe bei chirurgischen Optionen noch aus, bei denen randomisierte kontrollierte Tests in Kombination mit anderen Therapien noch fehlen. “Unsere Arbeit ist ein wichtiger Schritt auf der Suche nach der bestmöglichen Behandlung für Patientinnen und Patienten mit endokrinen Tumoren, und zeigt die Bedeutung von weiteren unabhängigen, evidenzbasierten Studien”, sagt Kaderli. Die Studie ist eine Zusammenarbeit der Unispitäler Bern, Genf und Basel sowie der Universitäten Genf und Bern mit der Cochrane Stiftung, einer globalen Organisation mit dem Ziel, klinische Entscheidungsfindungen durch eine systematische Zusammenstellung von medizinischen Behandlungen zu erleichtern, und mit der McMaster University in Hamilton, Kanada, wo die wichtigsten Grundlagen für die Analyse von evidenzbasierter Medizin entwickelt wurden.
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