Holiday-Heart-Syndrom: Fördert Alkohol ventrikuläre Arrhythmien und Plötzlichen Herztod?24. Dezember 2021 Foto: ©Gregory Lee – stock.adobe.com Das Holiday-Heart-Syndrom beschreibt das Auftreten von Vorhofflimmern in Zusammenhang mit dem Genuss von Alkohol. Eine umfangreiche Studie mit mehr als 400.000 Personen in „Heart Rhythm“ untersuchte nun, ob sich diese Alkohol-induzierten Arrhythmien auf den Ventrikel ausweiten können und vermehrt zu einem Plötzlichen Herztod führen. Die Ergebnisse sind überraschend. Eine australische Forschungsgruppe analysierte Daten aus der UK Biobank, einer groß angelegten Forschungsdatenbank mit Gesundheitsinformationen von einer halben Million britischer Freiwilliger. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerteten den von mehr als 408.000 Teilnehmern angegebenen Alkoholkonsum als Prädiktor für ventrikuläre Arrhythmien (VAs) und Plötzliche Herztode (SCDs) über einen mittleren Zeitraum von 11,5 Jahren. Sie untersuchten die Zusammenhänge zwischen dem gesamten und dem getränkespezifischen Alkoholkonsum und dem Auftreten von VA und SCD. „Dies ist eine der ersten Studien, die speziell den Zusammenhang zwischen langfristigem Alkoholkonsum und VA untersucht“, erklärt der Studienleiter Christopher X. Wong vom Zentrum für Herzrhythmusstörungen an der University of Adelaide und dem Royal Adelaide Hospital in Australien. „Wir wollten den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und zwei Arten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen klären: VAs, bei denen es sich häufig um lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen handelt, und SCDs, bei denen es sich um Todesfälle handelt, von denen man annimmt, dass sie durch einen Verlust der Herzfunktion verursacht werden und die häufig auf VAs zurückzuführen sind.“ Alkoholkonsum wirkt sich unterschiedliche auf das Risiko für VAs und SCDs aus Die Forschenden stellten fest, dass die Beziehungen zwischen Alkoholkonsum und VA und SCD recht unterschiedlich waren. So wurde in der überwiegend weißen britischen Kohorte kein Zusammenhang zwischen dem Gesamtalkohol-, Bier-, Apfelwein-, Rot- oder Weißweinkonsum und dem VA-Risiko festgestellt. Personen, die mindestens 14 Getränke pro Woche an hochprozentigen Spirituosen zu sich nahmen, aber keine anderen Alkoholarten konsumierten, wiesen jedoch ein etwa 20 Prozent höheres Risiko für VA auf. Weiterhin beobachteten sie einen U-förmigen Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum und dem Risiko eines SCD, was mit früheren Studien übereinstimmt. Dies war unerwartet, da häufig davon ausgegangen wird, dass SCD auf VA zurückzuführen sind. Obwohl VAs SCDs verursachen können, werden nicht alle SCDs durch VAs verursacht. Man geht sogar davon aus, dass einige SCDs auf Erkrankungen zurückzuführen sind, die nichts mit dem Herzen zu tun haben. Dies könnte den Forschenden zufolge erklären, weshalb Alkohol bei diesen ähnlichen Erkrankungen eine andere Wirkung zu haben scheint. Zusammenhang zwischen Gesamtalkoholkonsum und auftretenden ventrikulären Arrhythmien (links) und Plötzlichem Herztod (rechts). Quelle: Heart Rhythm Keine Empfehlung zum regelmäßigen Alkoholkonsum „Frühere Studien haben den Zusammenhang zwischen Alkohol und SCD untersucht und einen schützenden Zusammenhang bei geringerem Alkoholkonsum festgestellt. Wir wissen jedoch, dass die Diagnosen SCD und VA nicht gleichwertig sind und dass eine nicht unerhebliche Anzahl der vermeintlichen SCDs in Wirklichkeit auf nichtkardiale Ursachen zurückzuführen ist“, fügt Wong hinzu. Auch betont er, dass sie den Menschen nicht empfehlen, für ihre Herzgesundheit zu trinken. „Unserer Meinung nach gibt es keine ausreichenden Beweise, um zu empfehlen, dass Nichttrinker Alkohol konsumieren sollten, um gesundheitliche Vorteile zu erzielen. Wir wissen auch, dass Alkoholkonsum das Risiko von Darm- und Brustkrebs erhöht und die Leber schädigt. Daher sollte die Wirkung von Alkohol auf die Gesundheit in ihrer Gesamtheit betrachtet werden, wenn wir Empfehlungen für einen sicheren Alkoholkonsum abgeben“. Schließlich betont Wongs Forschungsgruppe, dass diese Ergebnisse in weiteren epidemiologischen und experimentellen Studien mit genau definierten VA- und SCD-Ereignissen geklärt werden müssen. Beim Holiday-Heart-Syndrom keine Ausweitung auf den Ventrikel In einem begleitenden Editorial kommentieren Stacey J. Howell und Gregory M. Marcus von der Sektion für Elektrophysiologie, Abteilung für Kardiologie, Universität von Kalifornien, San Francisco, USA: „Die aktuelle Studie scheint keine zwingenden Beweise dafür zu liefern, dass sich das Holiday-Heart-Syndrom auf die Herzkammern ausdehnt, und zeigt in der Tat, dass moderater Alkoholkonsum vor SCD schützen kann. Es ist erwähnenswert, dass ein übermäßiger Alkoholkonsum im Allgemeinen das Risiko eines SCD erhöht. Entgegen der landläufigen Meinung, dass Alkohol im Allgemeinen herzgesund ist, deckt sich dies mit früheren Erkenntnissen, dass übermäßiger Alkoholkonsum sogar das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht, was zeigt, dass ‚mehr nicht besser ist‘.“ Allgemeine Auswirkungen übermäßigen Alkoholkonsums Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) führte übermäßiger Alkoholkonsum zwischen 2011 und 2015 in den Vereinigten Staaten jährlich zu etwa 95.000 Todesfällen und 2,8 Millionen verlorenen Lebensjahren, was das Leben der Verstorbenen um durchschnittlich 29 Jahre verkürzte. Die wirtschaftlichen Kosten des übermäßigen Alkoholkonsums wurden im Jahr 2010 auf 249 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im Laufe der Zeit kann übermäßiger Alkoholkonsum zur Entwicklung von chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Schlaganfall, Lebererkrankungen und Verdauungsproblemen sowie zu verschiedenen Krebsarten führen. Das Wissen um die Rolle des Alkohols bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Gesundheitsproblemen kann dazu beitragen, Leitlinien für einen sicheren Alkoholkonsum zu erstellen. Jedes Land hat seine eigenen Empfehlungen für den Alkoholkonsum, und auch die Größe eines Standardgetränks ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland enthält ein Standardgetränk zehn bis zwölf Gramm Alkohol und es wird empfohlen, dass Frauen nicht mehr als ein und Männer nicht mehr als zwei Standardgläser pro Tag trinken sowie an mindestens zwei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol, damit das Trinken nicht zur Gewohnheit wird. In den USA hingegen enthält ein Standardgetränk 14 Gramm Alkohol; die CDC empfiehlt, dass Frauen nicht mehr als sieben Standardgetränke (98 g Alkohol) pro Woche und Männer nicht mehr als 14 Standardgetränke (196 g Alkohol) pro Woche konsumieren. Im Vereinigten Königreich enthält ein Standardgetränk acht Gramm Alkohol, und der National Health Service (NHS) empfiehlt sowohl für Frauen als auch für Männer nicht mehr als 14 Standardgetränke in britischer Größe (98 g Alkohol) pro Woche.
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