Hormonersatztherapie in der Menopause: Brustkrebsrisiko bleibt12. Dezember 2019 © Chinnapong – stock.adobe.com Immer wieder wird über das Brustkrebsrisiko in Zusammenhang mit Hormonersatztherapien (HRT) in der Menopause kontrovers diskutiert. In einer epidemiologischen Studie kommt die Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer mit Sitz an der University of Oxford zu dem Ergebnis, dass selbst nach Absetzen einer HRT das Brustkrebsrisiko bei menopausalen Frauen erhöht bleibt. Für ihre Auswertung schlossen sie prospektive Studien aus den Jahren 1992–2018 ein. Erhielten Studienteilnehmerinnen zum Zeitpunkt der Analyse noch immer eine HRT, wurden sie bis zu 5 Jahre nach der zuletzt bekannten HRT-Dokumentation nachbeobachtet. Um das Risikoverhältnis (RR) zu beurteilen, wendeten die Forscher logistische Regressionsanalysen an und verglichen verschiedene HRT-Nutzerinnen mit Niemals-Nutzerinnen. Während des prospektiven Follow-ups entwickelten 108.647 postmenopausale Frauen Brustkrebs in einem mittleren Alter von 65 Jahren. Von diesen hatte sich etwa die Hälfte (51%) einer HRT unterzogen. Werteten die Forscher jene Frauen mit vollständigen Informationen aus, waren die Frauen im Mittel 50 Jahre alt, als die Menopause eintrat. Im gleichen Alter begannen sie mit einer HRT. Jede Art von HRT, außer vaginale Östrogene, war mit einem erhöhten Risiko für ein Mammakarzinom assoziiert, schreiben die Forscher im „Lancet“. Dieses Risiko nahm stetig zu, je länger die HRT dauerte. Östrogen-Progestagen-Präparate verschlimmerten das Risiko im Vergleich zu Präparaten, die nur Östrogene enthielten. Bei postmenopausalen Frauen, die noch immer eine HRT erhielten, war das zusätzliche Risiko bereits in den Jahren 1–4 erhöht: Unter Östrogen-Progestagen betrug das RR 1,60 (95%-KI 1,52–1,69), unter Östrogen allein war das RR 1,17 (95%-KI 1,10–1,26). In den Jahren 5–14 verdoppelte sich das Risiko (Östrogen-Progestagen RR 2,08; 95%-KI 2,02–2,15 vs. Östrogen allein RR 1,33; 95%-KI 1,28–1,37). Dabei machte es einen Unterschied, ob die Frauen Progestagen täglich oder weniger häufig einnahmen (RR 2,30 [95%-KI 2,21–2,40] vs. RR 1,93 [95%-KI 1,84–2,01]; Heterogenität p<0,0001). In den Jahren 5–14 traten häufiger Östrogenrezeptor-positive Tumore auf als Östrogenrezeptor-negative, unabhängig von der HRT und Alter, in der die Therapie begonnen wurde (40–44, 45–49, 50–59 Jahre). Erst ab 60 Jahren oder bei Vorliegen von Adipositas war das Risiko leicht vermindert. Das Risiko war für adipöse Frauen am geringsten, wenn ihre HRT nur Östrogen enthielt. Selbst mehr als 10 Jahre nach dem Absetzen einer HRT blieb das Risiko teilweise erhöht, so die Forscher. Das Ausmaß hing dabei davon ab, wie lange die Frauen zuvor die Medikamente einnahmen. Das Risiko war nur geringfügig erhöht, wenn die HRT weniger als 1 Jahr dauerte. Fazit Die HRT ist mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs assoziiert, das bei menopausalen Frauen auch nach Absetzen der Therapie bestehen bleibt. (bs) Autoren: Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer Korrespondenz: Cancer Epidemiology Unit Oxford; [email protected] Studie: Type and timing of menopausal hormone therapy and breast cancer risk: individual participant meta-analysis of the worldwide epidemiological evidence Quelle: Lancet 2019;394(10204):1159–1168. Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31709-X