Hormonersatztherapie und Menopause: Alzheimer-Risiko in Studie erhöht

© Leonid – fotolia.com

Eine große finnische Populationsstudie unter Leitung von Prof. Tomi Mikkola, Universität Turku, legt nahe, dass eine lange systemische Hormonersatztherapie in der Menopause das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung erhöht. Mikkola und seine Kollegen haben hierzu Daten aus den finnischen Populations- und Medikamenten-Registern entnommen.

Eingeschlossen waren postmenopausale Frauen zwischen den Jahren 1999 und 2013. Die Studienautoren verglichen dabei Alzheimer-Patientinnen (Diagnose erfolgte durch einen Neurologen oder geriatrischen Facharzt; n=84.739) aus dem Medikamenten-Register mit altersangepassten Kontrollen aus dem gleichen Krankenhausbezirk (n=84.739), die im Populationsregister eingetragen waren. Angaben zu etwaigen Hormonersatztherapien entnahmen die Forscher aus einem Medikamentenrückerstattungs-Register.

Bei fast allen Frauen (98,8%) wurde die Alzheimer-Diagnose ab dem 60. Lebensjahr gestellt, wobei mehr als die Hälfte (55,7%) sogar älter als 80 Jahre alt war. Die systemische Hormonersatztherapie war mit einem um 9–17% erhöhten Risiko für Alzheimer verbunden. Dabei fanden die Forscher keinen signifikanten Unterschied zwischen Präparaten, die nur Estradiol erhielten (Odds Ratio [OR] 1,09; 95%-KI 1,05–1,14) und jenen mit einer Kombination aus Östrogen und Progesteron (OR 1,17; 95%-KI 1,13–1,21).

Ebenfalls schien es keine Rolle zu spielen, welches Gestagen das Kombinationspräparat enthielt – das erhöhte Risiko war in allen Varianten vorhanden. Die Forscher um Mikkola stellten darüber hinaus fest, dass Frauen, die zu Beginn ihrer Hormonersatztherapie jünger als 60 Jahre alt waren, ein erhöhtes Erkrankungsrisiko aufwiesen, wenn sie mehr als 10 Jahre lang Hormonpräparate einnahmen.

Demnach ist das Alter der Patientin bei Therapiebeginn nicht ausschlaggebend, so die Studienautoren. Vielmehr sei die Dauer der Exposition für das erhöhte Risiko verantwortlich. Interessanterweise schienen Östrogenpräparate, die ausschließlich vaginal appliziert wurden, keinen Einfluss auf das Alzheimer-Risiko auszuüben (OR 0,99; 95%-KI 0,96–1,01).

Fazit
Die langfristige Anwendung einer systemischen Hormontherapie kann mit einem insgesamt erhöhten Alzheimer-Risiko einhergehen, das nicht mit der Art des Gestagens oder dem Alter zu Beginn der systemischen Hormontherapie zusammenhängt. Obwohl der absolute Risikoanstieg für die Alzheimer-Krankheit gering ist, sollten die Daten in Informationen für gegenwärtige und zukünftige Anwender der Hormontherapie umgesetzt werden, so das Fazit der Studienautoren. (bs)

Autoren: Savolainen-Peltonen H et al.
Korrespondenz: Prof. Tomi S. Mikkola; [email protected]
Studie: Use of postmenopausal hormone therapy and risk of Alzheimer’s disease in Finland: nationwide case-control study
Quelle: BMJ 2019;364:l665.
Web: https://doi.org/10.1136/bmj.l665