Humboldt Wissenschaftszentrum für Kindesentwicklung nimmt Arbeit auf25. April 2024 Prof. Tina Malti (Quelle: © Antje Gildemeister | Universität Leipzig) Vor wenigen Tagen hat das Humboldt Wissenschaftszentrum für Kindesentwicklung (HumanKind) seine Arbeit aufgenommen. Als dessen Direktorin hat sich Prof. Tina Malti vor allem vorgenommen, die positive kindliche Entwicklung zu fördern. „Jedes Kind braucht besondere Fürsorge, um seine besonderen Eigenschaften voll zu entfalten“, ist die Entwicklungs- und klinische Psychologin überzeugt. Anfang 2023 ist Malti als Alexander von Humboldt-Professorin an die Universität Leipzig gekommen. HumanKind, das aus dem Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung hervorgegangen ist, geht neue Wege. Malti und ihr Team aus Forschern, Doktoranden, Therapeuten sowie technischen und administrativen Angestellten möchte die seelische Gesundheit von Kindern stärken, damit Probleme gar nicht erst entstehen. Was zunächst recht einfach klingt, ist in der Praxis mitunter herausfordernd. „Wir wollen mit Kitas und Schulen zusammenarbeiten und beispielsweise Präventivkonzepte entwickeln, um Aggression und Gewalt vorzubeugen oder zu reduzieren.“ Malti weiß aus Erfahrung, dass sich Kinder, die zu Aggression neigen, schlechter in andere Kinder hineinversetzen können. „Kinder mit viel Empathie können diesen Kindern helfen. Wir suchen uns für diese Rollenmodelle auch Kinder mit positivem Potenzial aus“, erläutert die Entwicklungspsychologin. Traumatisierte Kinder möchten wir emotional stärken“, berichtet Malti. Wichtig sei, dass Kinder mit traumatischen Erfahrungen Mitgefühl mit sich selbst und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Das Potenzial jedes Kindes müsse genutzt werden, um seine seelische Gesundheit und Mitmenschlichkeit zu unterstützen, beschreibt Malti ihre Vision. Das Humboldt Forschungszentrum auf dem Campus Jahnallee solle zu einem weltweit sichtbaren Leuchtturm für die Grundlagen- und angewandte Forschung auf dem Gebiet werden. Im Fokus stehen dabei vor allem Kinder von der Geburt bis zum Jugendalter, sowie Auswirkungen der frühen Entwicklung auf die gesamte Lebensspanne. „Die Kindesentwicklung ist das Faszinierendste, Magischste und Komplexeste, was es gibt“, bringt die Professorin die Aufgaben, vor denen das neue Humboldt Wissenschaftszentrum steht, auf den Punkt. Malti will ihr Zentrum in die Gesellschaft öffnen und setzt dabei auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Universität, aber auch mit Studierenden, Lehrkräften und Eltern. Menschen aus dem Umfeld der Kinder sollen bei Bedarf Aus- und Weiterbildungsangebote unterbreitet werden. Mit Übungen beispielsweise aus der Meditation oder der psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen könnten sie Kindern mit einem erhöhten Aggressionspotenzial beim Herunterregulieren helfen. Malti möchte die „Herzensbildung der Kinder“ durch ihre soziale und emotionale Entwicklung stärken, damit sie die vielseitigen Anforderungen der Gesellschaft meistern können. Erfahrungen mit dieser Strategie hat Malti bereits durch ihre Forschungsarbeit an der University of Toronto in Kanada gesammelt, wo sie zuvor tätig war. Hier hat sie unter anderem die positive Entwicklung von Kindern und Familien mit Kriegs- oder anderen traumatischen Erfahrungen unterstützt. „Eine gezielte Förderung in der Kindheit ist die beste Strategie, um Kosten zu sparen“, ist Malti überzeigt und verweist darauf, dass Therapien und Behandlungen eines gewaltbereiten Menschen oder eines Menschen, der massiver Gewalt und Missbrauch ausgesetzt war, während seines Lebens den Staat mindestens drei Millionen Euro kosten können. Deshalb sei die Arbeit von HumanKind so wichtig, weil sie und ihr Team bei den Stärken jedes Kindes und auch bei Kindern ansetzten, „die noch keine Gewalttat begangen haben oder vermehrter Gewalt ausgesetzt waren, aber gefährdet sind, diese Schwellen zu übertreten“. Im Oktober dieses Jahres sollen die Studien am Humboldt Wissenschaftszentrum für Kindesentwicklung beginnen. Bis dahin gibt es für Malti und ihre derzeit 20 Mitarbeitenden noch eine Menge zu tun: Für die Studien müssen Kinder und Familien gefunden und Kooperationen angestoßen werden. Zudem möchte Malti ihr Team perspektivisch auf zunächst 50 Mitarbeitende im ersten Jahr aufstocken. „Die Eröffnung des HumanKind-Zentrums markiert einen bedeutenden Schritt für unsere Fakultät und die gesamte Universität Leipzig. Das Engagement unserer Humboldt-Professorin Frau Tina Malti und ihres Teams für die Erforschung der Psychodiversität und die Förderung der seelischen Gesundheit von Kindern ist von unschätzbarem Wert“, sagt Prof. Brigitte Latzko, Dekanin der Erziehungswissenschaftliche Fakultät. „Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir ihre seelische Gesundheit und Mitmenschlichkeit unterstützen, um eine positive Entwicklung zu gewährleisten. HumanKind wird eine wichtige Rolle dabei spielen, innovative Ansätze zur Prävention von Problemen wie Aggression und Gewalt zu entwickeln und umzusetzen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Zentrum wird zudem dazu beitragen, die Grundlagen- und angewandte Forschung auf dem Gebiet der Kindesentwicklung voranzutreiben und neue Lösungen für drängende gesellschaftliche Herausforderungen zu finden.“
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