ICS/LABA: Unzureichende Asthmakontrolle trotz hoher Dosierung15. Juli 2020 © pathdoc – stock.adobe.com (Symbolbild) Bei vielen Patienten bleibt die Asthmakontrolle trotz einer ICS/LABA-Therapie in mittlerer oder gar hoher Dosierung außer Kontrolle. Das hat eine Untersuchung von Daten des britischen Clinical Practice Research Datalink aus dem Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2006 und dem 28. Februar 2016 ergeben. Dieses Ergebnis unterstreiche nochmals, dass eine zeitnahe Bewertung der Asthmakontrolle notwendig ist, um in evidenzbasierten Behandlungsschritten bei Bedarf die Behandlungsintensität zu erhöhen, schlussfolgern die Autoren der Studie, die kürzlich in der Zeitschrift „Respiratory Medicine“ publiziert wurde. GINA empfiehlt mittel- oder hochdosierte ICS/LABA als bevorzugte Therapie für Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Asthma. Es lägen nur begrenzte Daten darüber vor, wie Patienten der GINA-Stufe 4/5 auf ICS/LABA ansprechen und wie in der klinischen Praxis eine Eskalation und Deeskalation der Therapie erfolge, schreiben die Wissenschaftler zum Hintergrund ihrer Untersuchung. Die Forscher um Erstautor Prof. Roland Buhl von der Universität Mainz bewerteten daher in einer retrospektiven Kohortenstudie die Eigenschaften von Asthmapatienten, deren Status in Bezug auf die Asthmakontrolle, den Kontrollstatus, die Behandlungspfade und die Inanspruchnahme von Ressourcen des Gesundheitswesens im ersten Jahr einer mittel oder hochdosierten ICS/LABA-Therapie. Insgesamt starteten 29.229 Patienten eine Behandlung mit mittlerer Dosis und 16.575 Patienten eine hochdosierte ICS/LABA-Therapie. Eine fehlende Asthmakontrolle wurde in der Folge bei 35,1% bzw. 45,7% dieser Patienten verzeichnet. Der Anteil der Patienten, die sich therapieadhärent zeigten (Medication Possession Ratio ≥80%), betrug 37,8% in der Kohorte mit mittleren Dosierungen und 49,1% bei den Patienten mit hochdosierter ICS/LABA-Behandlung. Von diesen therapieadhärenten Patienten blieb dennoch bei 63,8% in der Kohorte mit mittlerer Dosierung und bei 70% derjenigen mit hochdosierter Behandlung eine Asthmakontrolle aus. Bei Patienten aus der Kohorte mit mittlerer Dosis, bei denen die Therapie intensiviert wurde (19%), waren die häufigsten Optionen für eine Eskalation der Behandlung mit Leukotrienrezeptorantagonisten (LTRA) (42,2%) und LAMA (23,3%) sowie eine Erhöhung der ICS-Dosis (22,9%). Bei Patienten aus der Hochdosis-Gruppe, bei denen eine Therapieeskalation notwendig war (26,1%), wurden zusätzlich LAMA (43,8%) und LTRA (42,1%) verordnet. Unabhängig von der ICS/LABA-Dosis nahmen Patienten mit nicht kontrolliertem Asthma ärztliche Dienste stärker in Anspruch. Fazit Viele Patienten bleiben sowohl mit mittel- als auch mit hochdosiertem ICS/LABA unkontrolliert, was die Notwendigkeit einer zeitnahen Bewertung der Asthmakontrolle zur Erhöhung der Behandlungsintensität nach evidenzbasierten Behandlungsschritten hervorhebt. (ac) Autoren: Buhl R et al. Korrespondenz: Roland Buhl; [email protected] Studie: One-year follow up of asthmatic patients newly initiated on treatment with medium- or high-dose inhaled corticosteroid-long-acting β2-agonist in UK primary care settings Quelle: Respir Med 2020;162:105859. Web: https://doi.org/10.1016/j.rmed.2019.105859