IgA-Nephropathie: BCMA als neues therapeutisches Ziel identifiziert

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Eine aktuelle Studie aus China hat bestätigt, dass der Darm der Produktionsort von pathogenem Immunglobulin A (IgA) ist, und das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) als den entscheidenden Schalter identifiziert, der diese schädlichen Zellen aufrechterhält. Das macht BCMA zu einem geeigneten Ziel von Therapien gegen IgA-Nephropathie.

Die IgA-Nephropathie (IgAN) ist die weltweit häufigste primäre Glomerulonephritis. Jahrzehntelang ging man aufgrund der „Darm-Nieren-Achsen“-Hypothese davon aus, dass die Erkrankung nicht in den Nieren, sondern in der Darmschleimhaut beginnt, wo eine abnorme Immunantwort pathogenes, Galaktose-defizientes IgA1 (Gd-IgA1) produziert, erklären die Autoren.

Die derzeitigen Therapien konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf die Unterdrückung der Entzündung in der Niere und können die Produktion schädlicher Antikörper nicht an ihrem Ursprung stoppen. Die genauen zellulären Mechanismen im Darm von IgAN-Patienten sind aufgrund der Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Analyse von Darmgewebe bisher weitgehend unerforscht geblieben, heißt es weiter.

Um hier zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, erstellte ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Hong Zhang und Prof. Yuemiao Zhang von der Universität Peking (China) eine hochauflösende Karte der Immunmikroumgebung im terminalen Ileum von IgAN-Patienten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „hLife“ veröffentlicht.

Hochauflösende Karte der Immunmikroumgebung

Die Forscher verglichen Biopsieproben von Patienten und gesunden Kontrollpersonen. Dabei deckten sie eine deutliche Umstrukturierung des Darmimmunsystems auf. Sie stellten eine signifikante Vermehrung von Plasmazellen in der Lamina propria des Darms von IgAN-Patienten fest. Noch wichtiger ist, dass sie identifizierten, dass es sich bei diesen vermehrten Zellen primär um IgA-produzierende Plasmazellen handelt, die bevorzugt das BCMA exprimieren, einen für das Zellüberleben und die Antikörperproduktion entscheidenden Rezeptor.

„Durch die Kombination von Einzelzell-Transkriptomik mit klinischer Validierung konnten wir nicht nur bestätigen, dass der Darm der Produktionsort von pathogenem IgA ist, sondern auch BCMA als den entscheidenden Schalter identifizieren, der diese schädlichen Zellen aufrechterhält. Dies gibt uns ein präzises Ziel, um die Krankheit frühzeitig zu bekämpfen“, erläutert Co-Autor Prof. Hong Zhang.

Therapeutisches Potenzial im Fokus

Die Studie ging über die reine Beobachtung hinaus und untersuchte das therapeutische Potenzial dieses Zielmoleküls. Die Forscher stellten fest, dass die Anzahl BCMA-positiver Plasmazellen bei Patienten mit dem klinischen Schweregrad, einschließlich Proteinurie und Nierenfunktionsverlust, korrelierte.

In einer Proof-of-Concept-Studie mit Javaneraffen testete das Team zudem einen bispezifischen Antikörper gegen BCMA (Cizutamig). Die Behandlung führte zu einer effektiven Reduktion der B-Zellen und einem deutlichen, anhaltenden Abfall des Serum-IgA-Spiegels, wobei die Wirkung auf andere Immunglobulintypen signifikant übertroffen wurde.

Diese Ergebnisse liefern laut den Autoren somit eine solide wissenschaftliche Grundlage für die Anwendung von BCMA-gerichteten Therapien bei IgA-Nephropathie. Die Studie unterstütze die laufende klinische Prüfung von BCMA-gerichteten Behandlungen und nähre die Hoffnung auf eine neue Generation von Präzisionsmedikamenten, die den zugrunde liegenden Krankheitsprozess der IgA-Nephropathie beeinflussen können, betonen die Wissenschaftler.

(ri/BIERMANN)