Im Schulterschluss die Pflege stärken17. Juni 2021 Foto: ©BillionPhotos.com – stock.adobe.com Bessere Arbeitsbedingungen und mehr Wertschätzung fordert der „Stern“ in der im Januar gestarteten Bundestagspetition „Pflege in Würde“. Nun erhält die Petition Unterstützung durch eine gemeinsame Initiative von Intensivmedizin und Krankenpflege zur Stärkung der Intensivpflege. Bereits im April 2020 hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und wiederum im März 2021 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) sehr konkrete Forderungen zur „Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ veröffentlicht. Im Januar startete die Zeitschrift „Stern“ die Bundestagspetition „Pflege in Würde“, die von Anfang an von zahlreichen medizinischen Fachgesellschaften unterstützt wurde. Die Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestags fand vor dreieinhalb Monaten statt, seitdem steht eine Entscheidung aus. „Jetzt erhöhen neue Unterstützer-Organisationen den Druck“, freut sich der „Stern“. Demnach stieg ihre Zahl schlagartig von 29 auf 38. Anlass dafür sei die gemeinsame Initiative der DIVI und der DGF zur Stärkung der Intensivpflege. Der DIVI zufolge hängt es nun jedoch noch an der konkreten politischen Umsetzung. Es braucht ein „Zeichen des politischen Zupackens“ „Die Vorschläge sind bekannt und kommuniziert“, mahnt Prof. Felix Walcher, Präsident elect der DIVI und Klinikdirektor der Unfallchirurgie der Uniklinik in Magdeburg, in einer Stellungnahme der DIVI. „Aber selbst die in wenigen Wochen umsetzbaren Vorschläge, die ein klares Signal an die Pflegenden senden würden, wurden noch nicht konkret umgesetzt.“ Es sei dringend notwendig, den Pflegenden auf den Intensivstationen und Notaufnahmen jetzt endlich ein Zeichen des politischen Zupackens und politischen Willens zur Änderung der Situation zu senden, sagt Lothar Ullrich, Vorsitzender der DGF: „Die Arbeitsbedingungen in der Intensiv- und Notfallpflege müssen dringend verbessert werden!“ Gemeinsamer Schulterschluss für ein hohes Votum im Bundestag In der Intensivpflege und den an der Intensivmedizin beteiligten Fächern ist man sich einig: Alle stehen geschlossen hinter der Stellungnahme zur „Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ sowie der „Stern“-Petition. Es ist ein Novum, dass sich teils rein ärztliche Organisationen im Schulterschluss mit einer großen Öffentlichkeit, Pflegeverbänden, Patientenschützern und Patientenselbsthilfeorganisationen so stark für die Belange der Pflegekräfte einsetzen. „Wir tun dies, weil die Pandemie die bereits seit Jahrzehnten kritische Situation und Perspektive der Intensivpflege in dramatischer Weise verschärft hat“, erklärt Walcher. „So wollen wir zusammen und mit aller Kraft dazu beitragen, dass unsere gemeinsame Stellungnahme und die ‚Stern‘-Petition im Petitionsausschuss des Bundestages ein hohes Votum erhalten, da eine Reihe der aufgestellten Forderungen in ganz besonderem Maße für Intensivpflegefachkräfte von Belang sind.“ Politisch Verantwortliche müssen konkrete Maßnahmen umsetzten „Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht erkennbar, dass die Politik weitergehend speziell für die Intensivpflege tätig geworden ist oder dies in Kürze anpacken wird“, heißt es in einer Stellungnahme der DIVI. So weisen alle Unterzeichnenden erneut und gemeinsam auf die potenziell dramatischen Folgen durch das Ignorieren der Situation der Intensivpflegekräfte hin und rufen die Politik unmissverständlich zum sofortigen Handeln auf. „Es drohen existentielle Probleme in der Intensivmedizin“ Die IntensivmedizinerInnen weisen auf die bestehenden Probleme in Fachpflege hin. Demnach seien die Teams – insbesondere das Pflegepersonal der Intensivstationen – nach mehr als einem Jahr der Pandemie erschöpft und ausgebrannt. Mit den abnehmenden Zahlen an COVID-Patienten werde die Routinearbeit wieder aufgenommen bzw. würden ausstehende Operationen – mit häufig anschließend notwendiger Intensivbehandlung – zügig nachgeholt. Weiterhin gebe es nur eine mangelnde Perspektive für die Fachpflegenden. Die Politik mache Versprechungen ohne konkret umgesetzte Maßnahmen. Und schließlich gebe es keine Gestaltungsmöglichkeiten und politische Einflussnahme im Gesundheitswesen. Einer aktuellen Umfrage der DGIIN aus April 2021 zufolge tragen sich mehr als 30 Prozent der Pflegenden mit dem Gedanken, in den kommenden 12 Monaten aus ihrem Beruf auszusteigen. „Dieser anhaltende Trend unterstreicht die Notwendigkeit einer nachhaltigen, aber vor allem schnellen, Verbesserung der Situation“, appellieren die DIVI und DGF daher. Anders sei eine durch Personalmangel bedingte Reduktion von Intensivbetten nicht mehr zu verhindern und die Versorgung aller lebensbedrohlich erkrankten Patienten in den kommenden Jahren deutlich infrage gestellt. „Es drohen existenzielle Probleme in der Intensivmedizin, wenn die Intensivpflege nicht maßgeblich unterstützt wird und Zukunftsperspektiven geschaffen werden“, sagen Walcher wie auch Ullrich. Lösungsmöglichkeiten kurz- und langfristig gestaltet Konkrete Vorschläge zur kurzfristigen Entlastung und Unterstützung sowie zur dauerhaften Verbesserung der Situation auf Intensivstationen sind in der gemeinsamen Stellungnahme von DGF und DIVI vom 09.03.2021 unter folgenden Schwerpunkten formuliert: Attraktive Arbeitsbedingungen schaffen Psychosoziale Unterstützung der Mitarbeitenden und Mitarbeiterfürsorge Optimierung der interprofessionellen Teamarbeit Handlungskompetenzen in der Intensivpflege erweitern Berufliche Perspektiven sicherstellen Politischen Einfluss der Pflege stärken
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