Immunologische Parallelen zwischen Depression und Hautentzündungen3. März 2026 Die Forschenden verglichen die Serumprofile von Patienten, die entweder Atopische Dermatisis oder Depressionen hatten (© 24K-Production – stock.adobe.com; Symbolbild) US-amerikanische Dermatologen und Psychiater konnten nachweisen, dass das Serum von Patienten mit Major Depression immunologische Auffälligkeiten aufweist, die mit denen bei entzündlichen Dermatosen vergleichbar sind. Zahlreiche Studien haben immunologische Veränderungen im Zusammenhang mit einer Depression beschrieben, jedoch haben bislang nur wenige klinische Untersuchungen die Wirksamkeit antiinflammatorischer Therapien auf depressive Symptome untersucht. Im Gegensatz dazu haben gezielte immunmodulatorische Therapeutika die Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen wie Atopischer Dermatitis und Psoriasis grundlegend verändert. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang Dupilumab, ein monoklonaler Antikörper, der an die Interleukin(IL)‑4‑Rezeptor‑α‑Untereinheit (IL‑4Rα) bindet und dadurch die Th2‑Achse hemmt. Interdisziplinäres Team untersucht Serumprofile „Angesichts des erfolgreichen translationalen Ansatzes in der Dermatologie, bei dem die immunologische Charakterisierung von Erkrankungen zu einem besseren Verständnis der Pathogenese und zu einer erheblichen Erweiterung des therapeutischen Spektrums geführt hat, haben wir ein interdisziplinäres Team führender Forschender aus Psychiatrie, Dermatologie und Neurowissenschaften zusammengestellt, um die Tragfähigkeit eines zielgerichteten Behandlungsansatzes bei Major Depression zu prüfen“, sagt Prof. James Murrough von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York (USA). Zunächst verglich das Team die proteomischen Serumprofile von Patienten mit Major Depression mit denen von Patientengruppen mit Atopischer Dermatitis, Psoriasis sowie gesunden Kontrollen. Dabei zeigte sich, dass die proteomischen Profile von Patienten mit Major Depression eine Dysbalance im Th2‑Signalweg und eine Dysregulation weiterer immun- und neurovaskulär assoziierter Proteine aufweisen, die sich mit Befunden bei Atopischer Dermatitis überschneiden. Im nächsten Schritt führten die Forschenden eine In-silico‑Analyse zur Wirkstoffrepositionierung durch, um zu prüfen, ob etablierte Biologika aus der Dermatologie auch die bei Patienten mit Depressionen beobachtete dysregulierte proteomische Signatur beeinflussen können. Neue Behandlungsoption gegen Depression? „Dieser computergestützte Ansatz identifizierte Dupilumab, das die IL‑4‑Rezeptor‑α‑Untereinheit blockiert und damit die Th2‑Achse hemmt, als Wirkstoff mit einem signifikanten Effekt auf die Signatur der Major Depression, indem es die Dysregulation mehrerer Th2‑assoziierter inflammatorischer Proteine aufhebt“, so Murrough. „Auf der Grundlage dieser Befunde wird unser Team in Kürze eine neue klinische Studie starten, um zu untersuchen, ob die gezielte Blockade der Th2‑Achse mit Dupilumab depressive Symptome bei Patienten mit Major Depression verbessern kann.“ Abschließend zeigte das Team, dass die Neutralisierung von IL‑4Rα durch einen monoklonalen Antikörper bei stressanfälligen Mäusen ein stressinduziertes sozialvermeidendes Verhalten nach chronischem Stress verhindern konnte. „Wir sind begeistert, dass der erfolgreiche translationale Ansatz in der Dermatologie – bei dem die immunologische Charakterisierung von Erkrankungen zu einem tieferen Verständnis der Pathogenese und zu einer massiven Erweiterung des therapeutischen Arsenals geführt hat, wodurch sich das Behandlungskonzept entzündlicher Dermatosen grundlegend gewandelt hat – auch eine effektive Strategie für Patienten mit Major Depression und anderen psychiatrischen Erkrankungen sein könnte“, sagt Prof. Emma Guttman‑Yassky, New York. „Diese Studienergebnisse liefern eine solide Grundlage und Rechtfertigung für Humanstudien und klinische Prüfungen, die dieses neue therapeutische Ziel direkt adressieren, und wir freuen uns darauf, diese Forschung mit unserer gebündelten Expertise weiter voranzutreiben.“ Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal „Molecular Psychiatry“. (ins)
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