Immunologischer Teufelskreis bei COVID-19 beschrieben6. Oktober 2022 Bild: ©GoodIdeas – stock.adobe.com Eine SARS-CoV-2-Infektion führt zu Entzündungsprozessen im Körper. Verlaufen diese Immunreaktionen zu stark, kann es zu Gewebeschäden, Organversagen und zum Tod kommen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg zeigen nun, wie es zu dieser Überreaktion kommt. Die Forschenden um die beiden Studienleiter Prof. Hartmut Hengel, Ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg, und Dr. Valeria Falcone, Leiterin des Labors für Virusisolierung des Instituts für Virologie, wiesen nach, dass Immunkomplexe hierbei eine zentrale Rolle spielen. Die Immunkomplexe entstehen aus der Verbindung körpereigener Moleküle, die eine Immunantwort ausgelöst haben, und Antikörpern. Die gebildeten Immunkomplexe aktivieren Immunzellen über spezifische Oberflächenrezeptoren übermäßig stark, wodurch das Immunsystem unkontrolliert angetrieben wird. Da die Immunkomplexe im Blut auftreten, verteilen sich die Entzündung im gesamten Körper. Die Ergebnisse liefern eine Erklärung dafür, wie eine starke antivirale Immunreaktion und eine Fehlregulation des Immunsystems bei schwerer COVID-19-Erkrankung zusammenhängen. Damit eröffnet die Studie, die am 26. September 2022 im renommierten Fachmagazin „Nature Communications“ erschienen ist, Ansatzpunkte für neue Behandlungsmöglichkeiten, die auf die Vermeidung oder Beseitigung der pathologischen Immunkomplexe abzielen. „Unsere Studie deutet auf einen immunpathologischen Teufelskreis hin. Er wird angetrieben durch eine frühe Bildung von Immunkomplexen im Blut der Patientinnen und Patienten“, sagt Hengel. „Manche Menschen neigen stärker zur Bildung solcher Immunkomplexe. Sie dürften darum auch anfälliger für einen schweren COVID-19-Verlauf sein“, so Hengel weiter. „Wir konnten lösliche Immunkomplexe als entscheidenden Akteure identifizieren, die an der Hyperaktivierung des Immunsystems beteiligt sind. Wenn es gelingt, die Immunkomplexe aus dem Blut zu entfernen, könnte dieser Kreislauf möglicherweise gestoppt werden“, erklärt Falcone. Ein ähnliches Aktivierungsmuster ist bereits von Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis und dem systemischen Lupus erythematodes bekannt.
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