Immunprotein hemmt SARS-CoV-228. Juli 2020 Stephanie Pfänder sucht nach Genen, die Coronaviren hemmen. (Foto: © RUB, Marquard) Die Bilder dürfen nur im Kontext der Ruhr-Universität Bochum (RUB) unter Angabe des Copyrights © RUB, Marquard verwendet werden, zum Beispiel für Webseiten der RUB sowie für Texte oder Webseiten, die sich speziell mit Ereignissen an der RUB oder Leistungen von RUB-Mitgliedern beschäftigen. Die Bilder dürfen nicht in Kontexten verwendet werden, in denen die RUB nur stellvertretend für Hochschulen im Allgemeinen steht. Ein internationales Team hat zeigen können, dass ein körpereigenes Protein SARS-CoV-2 an der Fusion mit Wirtszellen hindert. Das weckt Hoffnungen auf neue Therapieansätze. Ein Protein, das vom menschlichen Immunsystem produziert wird, kann Coronaviren stark hemmen, darunter auch SARS-CoV-2. Ein internationales Team aus Deutschland, der Schweiz und den USA konnte zeigen, dass das LY6E-Protein Coronaviren daran hindert, eine Infektion auszulösen. „Daraus lassen sich Hinweise auf mögliche Behandlungsstrategien ableiten“, so Prof. Stephanie Pfänder von der Abteilung Molekulare und Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB), Erstautorin der Studie. Verstärkend für Grippeerreger, hemmend für Coronaviren Das LY6E-Protein spielt bei verschiedenen Erkrankungen eine Rolle: Schon vor einiger Zeit entdeckten die US-Forscher Prof. John Schoggins und Prof. Charles Rice, dass das Protein die Infektiosität von Grippe auslösenden Influenzaviren verstärkt. 2017 besuchte Pfänder, die damals noch im Institut für Virologie und Immunologie in der Schweiz arbeitete, mit einer Förderung durch ein Marie Curie Individual Fellowship der Europäischen Union das Labor von Charles Rice an der Rockefeller University in New York, um dort ihre Suche nach Genen fortzusetzen, die Coronaviren hemmen. „Das hat zu der Entdeckung geführt, dass LY6E auf Coronaviren im Vergleich zu Grippeviren den gegenteiligen Effekt hat: Es wirkt auf sie stark hemmend“, berichtet die Forscherin. Weitere Untersuchungen belegten, dass das Protein diese hemmende Wirkung auf alle getesteten Coronaviren ausübte, darunter auch die Erreger von SARS und MERS sowie SARS-CoV-2. Viren können nicht fusionieren Tests mit verschiedenen Zellkulturen zeigten, dass LY6E die Fähigkeit des Virus beeinträchtigt, mit den Wirtszellen zu fusionieren. „Wenn das Virus nicht mit diesen Zellen fusionieren kann, kann es keine Infektion auslösen“, erklärt Letztautor Prof. Volker Thiel von der Universität Bern. Der Nachweis im Tiermodell gelang dank einer Kooperation mit dem Labor von John Schoggins am Southwestern Medical Center der University of Texas. Die dortigen Experimente führten zu der Erkenntnis, dass die Mausvariante des Proteins namens Ly6e für den Schutz von Immunzellen vor Infektionen entscheidend ist. In Abwesenheit von Ly6e werden Immunzellen wie dendritische Zellen und B-Zellen anfälliger für Infektionen, und ihre Anzahl nimmt drastisch ab. Mäuse, denen Ly6e in Immunzellen fehlt, sind sehr anfällig für ein normalerweise nicht tödliches Maus-Coronavirus und sterben daran. Grundlegende Konzepte verstehen Zwar betonen die Forscher, dass sich das im Experiment verwendete Maus-Coronavirus deutlich von dem Erreger des aktuellen COVID-19-Ausbruch unterscheidet – so löst es zum Beispiel keine Atemwegserkrankung, sondern Hepatitis aus. Dennoch ist es weithin als Modell für das Verständnis der grundlegenden Konzepte der Coronavirus-Replikation und der Immunreaktionen in einem lebenden Tier anerkannt. „Unsere Studie bringt neue Erkenntnisse darüber, wie wichtig diese antiviralen Gene für die Kontrolle der Virusinfektion und für eine angemessene Immunantwort gegen das Virus sind“, so die Autoren. „Da LY6E ein natürlich vorkommendes Protein des Menschen ist, hoffen wir, dass dieses Wissen bei der Entwicklung von Therapien helfen kann, die eines Tages zur Behandlung von Coronavirus-Infektionen eingesetzt werden könnten.“ Ein therapeutischer Ansatz, der den Wirkmechanismus von LY6E nachahmt, könne eine erste Verteidigungslinie gegen neuartige Coronavirus-Infektionen darstellen. Pfänder wurde gefördert von der Europäischen Kommision im Rahmen eines Marie-Sklodowska-Curie-Fellowships (Fördernummer 748627).
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