Immunsignatur als neuer Therapieansatz bei affektiven Störungen30. Oktober 2023 Dreidimensionale Illustration von T-Zellen. (Foto: © Dr_Microbe – stock.adobe.com) Die Bestimmung und eventuelle Modulation des Immunprofils könnte ein neuer Ansatz zur Behandlung depressiver Störungen sein. Darauf deuten die Ergebnisse der Moodstratification-Studie hin, die im Rahmen der europäischen Horizon2020-Programme finanziert wurde. Die Studie, bei der zwölf europäische Forschungsteams zwischen 2018 und 2023 zusammengearbeitet hatten, zielt auf Immunanomalien, die zur Entwicklung schwerer affektiver Störungen beitragen, und eine bessere Patientenversorgung durch Behandlungen ab, die diese Anomalien modulieren. Biologische Signaturen für depressive Störungen Um die den Stimmungsstörungen zugrunde liegenden Immunmechanismen besser zu verstehen, identifizierten die Forschenden klinisch-biologische Signaturen, die homogene Untergruppen von Patienten mit unipolarer und bipolarer Depression definierten. Die Studie konzentrierte sich dabei auf Veränderungen, die insbesondere regulatorische T-Zellen und T-Helferzellen betreffen. Beide Zelltypen spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Entzündungsprozessen. Die identifizierten Immunsignaturen ermöglichen die Forschenden zufolge die Unterscheidung von Immunanomalien, die bei Patienten mit schwerer depressiver Störung (MDD) oder bipolarer Depression (BD) beobachtet werden. Dies ebne den Weg für eine Präzisionspsychiatrie, ähnlich wie in der Onkologie oder Kardiologie, die künftig maßgeschneiderte Behandlungen für jeden Patienten ermöglicht, sind die Forscher überzeugt. Neue personalisierte Therapien Im Rahmen des Projektes untersuchten französische Forschungsteams die Wirksamkeit niedriger Dosen des Zytokins Interleukin-2 (IL-2), die parallel zur Standardbehandlung mit Antidepressiva bei bipolarer Depression verabreicht wurden. Aufgrund der entzündungshemmenden Eigenschaften von IL-2 in niedrigen Dosen erhöhte diese therapeutische Strategie die Anzahl einer nützlichen Untergruppe von Immunzellen (TH17-Zellen) und reduzierte die depressiven Symptome. In einer offenen Studie ohne Placebokontrolle verlangsamte diese Therapie bei einer kleinen Gruppe von fünf Patienten die für diese Erkrankung charakteristische vorzeitige Alterung der T-Zellen und verbesserte die depressiven Symptome. Insgesamt zeigten die Daten der Studie, dass Behandlungen (unabhängig davon, ob sie auf einen Immunmechanismus abzielen oder nicht) nicht für alle Patienten in gleicher Weise geeignet sind, und dass depressive Patienten in Zukunft möglicherweise Immuntests benötigen, um eine personalisierte Behandlung auf der Grundlage der ihrer Erkrankung zugrunde liegenden Mechanismen zu erhalten. „Die Ergebnisse der Moodstratification-Studie markieren einen Wendepunkt im Verständnis und in der Behandlung affektiver Störungen. Indem wir die diesen Störungen zugrunde liegenden immunologischen Ursachen ermitteln, kommen wir der Identifizierung homogener Patientenuntergruppen näher, um jedem Einzelnen eine maßgeschneiderte Behandlung anbieten zu können. Diese Fortschritte haben das Potenzial, die Patientenversorgung zu verändern und Betroffenen Hoffnung zu geben. Damit diese Entdeckungen ihr volles Potenzial entfalten können, ist es jedoch unerlässlich, auf allen Ebenen – von den Patienten über die Ärzte bis hin zu den politischen Entscheidungsträgern – das Bewusstsein für die Bedeutung der Immunpsychiatrie zu schärfen und die notwendigen Mittel zur Unterstützung künftiger Forschung, Ausbildung und klinischer Versuche bereitzustellen“, erklärte Marion Leboyer, CEO der FondaMental Foundation, einer Stiftung für wissenschaftliche Zusammenarbeit, die sich für die Verbesserung der Diagnose, des Verständnisses und der Behandlung von psychischen Erkrankungen einsetzt.
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