Immuntherapie: Studien belegen Nutzen bei Magen- und Speiseröhrenkrebs23. September 2020 Grafik: © magicmine/Adobe Stock Neue Daten, die gerade beim ESMO Virtual Congress 2020 vorgestellt wurden, haben gezeigt, dass eine Immuntherapie für Patienten mit Magen- und Speiseröhrenkrebs von Vorteil ist. Personen mit diesen Erkrankungen weisen derzeit ein schlechtes Überleben auf.1-3 Die Immuntherapie würde eine große Veränderung in der Therapie dieser Patienten bedeuten, da Immun-Checkpoint-Inhibitoren in westlichen Ländern noch nicht für eine frühzeitige Therapie zugelassen sind. Drei Studien liefern Belege, die auf unterschiedlichen Patientenpopulationen und unterschiedlichen Immun-Checkpoint-Inhibitoren basieren, die als Erstlinientherapie eingesetzt werden. CheckMate 649 In der CheckMate 649-Studie1 wurde Nivolumab plus Chemotherapie im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie als Erstbehandlung bei Patienten mit nicht HER-2-positivem fortgeschrittenem Magenkrebs, einem Kardia- oder Ösophaguskarzinom – alle mit Adenokarzinom-Histologie – beurteilt. Die Ergebnisse zeigen, dass Nivolumab und Chemotherapie das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben bei Patienten verbesserten, deren Tumoren PD-L1 mit einem Combined Positive Score (CPS) >5 exprimierten. Verbesserungen wurden auch bei Patienten mit Tumoren mit einer PD-L1-Expression mit einem CPS >1 und in der gesamten Patientenpopulation beobachtet. Eine zusätzliche Analyse von Untergruppen und Biomarkern (z. B. Mikrosatelliten[MSI]-High) ist geplant, um den Wirksamkeitsvorteil bei Patienten über alle CPS-Grenzwerte hinweg besser zu charakterisieren. Prof. Salah-EddinAl-Batran, Ärztlicher Direktor des Institutes für Klinisch-Onkologische Forschung am Krankenhaus Nordwest, Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen (UCT), Frankfurt und Leiter des Zentrums gastrointestinale Tumoren am Interdisziplinären Krebszentrum (DKG) sowie Leiter des Programmkomitees für den Bereich oberer Gastrointestinaltrakt des ESMO Virtual Congress 2020, sagte zu den neuen Daten: „Die Ergebnisse sind klinisch sehr relevant. Basierend auf dieser Studie wird bei Patienten mit HER2-negativem Adenokarzinom des Magens, einem Adenokarzinom des Ösophagus oder Adenokarzinom des gastroösophagealen Überganges, die PD-L1 mit einem CPS >5 exprimieren, die Zugabe von Nivolumab zur Chemotherapie zum Standard für die Erstbehandlung werden. Unbeantwortet ist noch die Frage nach der Wirkung bei Patienten mit einer PD-L1-Expression mit einem CPS <5.“ ATTRACTION 4 Die ATTRACTION 4-Studie2 ähnelte CheckMate 649 mit Ausnahme von zwei wichtigen Unterschieden: Sie wurde nur bei asiatischen Patienten durchgeführt, und die primären Endpunkte galten für alle Teilnehmer und nicht für solche mit einem bestimmten CPS-Wert. Die Erstbehandlung mit Nivolumab plus Chemotherapie verbesserte den koprimären Endpunkt des progressionsfreien Überlebens, jedoch nicht das Gesamtüberleben. „Die Verbesserung des progressionsfreien Überlebens war klinisch relevant und die Studie unterstützt nachdrücklich die Ergebnisse von CheckMate 649“, kommentierte Al-Batran. „Das Gesamtüberleben wurde nicht verbessert, möglicherweise weil alle Teilnehmer behandelt wurden oder weil Patienten in Asien mehr nachfolgende Therapien erhalten als westliche Populationen.“ KEYNOTE 590 In der KEYNOTE 590-Studie3 wurde die Erstlinien-Chemotherapie mit oder ohne Pembrolizumab bei Patienten mit Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre, Adenokarzinomen der Speiseröhre oder Siewert-Typ-1-Adenokarzinom des gastroösophagealen Überganges untersucht. Es zeigte sich, dass Pembrolizumab plus Chemotherapie das Gesamtüberleben bei Patienten mit Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre mit einer PD-L1-Expression mit CPS >10 sowie allen Plattenepithelkarzinomen, allen Patienten mit einem CPS >10 und der gesamten Studienpopulation verbesserte. Auch beim progressionsfreien Überleben kam es zu einer Verbesserung. Die meisten Patienten mit Speiseröhrenkrebs in der Studie hatten ein Plattenepithelkarzinom (73%); Patienten mit Adenokarzinom bildeten eine kleine Untergruppe. Bei den Ergebnissen in der Untergruppe der Patienten mit Adenokarzinom handelt es sich um eine experimentelle Analyse. In dieser Adenokarzinom-Subgruppe betrug das mediane Gesamtüberleben 11,6 Monate bzw. 9,9 Monate (Hazard Ratio [HR] 0,74) und das mediane progressionsfreie Überleben 6,3 Monate bzw. 5,7 Monate (HR 0,63) unter Chemotherapie plus Pembrolizumab bzw. Chemotherapie allein. Der in der Adenokarzinom-Subgruppe beobachtete Nutzen bezüglich des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens stimmte mit dem in der gesamten Patientenpopulation beobachteten Nutzen überein. Al-Batran kommentierte die Ergebnisse wie folgt: „Ich gehe davon aus, dass KEYNOTE-590 die Praxis bei Patienten mit metastasiertem Plattenepithelkarzinom oder Adenokarzinom der Speiseröhre mit PD-L1-CPS >10 verändern wird; hier wird die Ergänzung der Chemotherapie um Pembrolizumab zur Standard-Erstlinientherapie werden.“ Al-Batran schloss: „Die Ergebnisse dieser Studien bieten Onkologen neue Behandlungsmöglichkeiten. In der First-Line-Situation gibt es eine deutliche Änderung unseres Versorgungsstandards, bei der Patienten mit hoher PD-L1-Expression Kandidaten für Immun-Checkpoint-Inhibitoren plus Chemotherapie sind. Es werden jedoch mehr Daten zu den Untergruppen benötigt, die von der Behandlung profitieren (z. B. PD-L1-CPS-Gruppen und MSI).“
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