Anzeige Inflammation Resolution bei Sportverletzungen, Teil 2 – Update aus der Praxis: Kontrollierte Entzündungen: essenziell für die Regeneration6. November 2026 Prof. Dr. med. Götz H. Welsch ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat er die Professur für Orthopädische Sportmedizin inne und ist Ärztlicher Leiter des Athleticums. Seit September 2025 ist er Klinikdirektor des Athleticum am Volkspark. Darüber hinaus betreut er seit mehr als zehn Jahren als Leitender Mannschaftsarzt die Profifußballmannschaften des HSV. Bei welchen Indikationsbereichen gehen Sie von entzündlichen Prozessen als Auslöser der Beschwerden aus?Welsch: Generell muss man hier zwischen akuten und chronischen Entzündungen unterscheiden. Zu den Indikationen mit chronischer Entzündungskomponente zählen unter anderem chronische Rückenschmerzen, Arthrose oder Überlastungsreaktionen wie die Schambeinentzündung (Osteitis pubis) oder Tendinopathien.Während chronische Entzündungen auf Dauer das Gewebe schädigen und die Gesundheit beeinträchtigen können, sind akute Entzündungsreaktionen ein wichtiger Teil des natürlichenRegenerationsprozesses. Man kann davon ausgehen, dass bei so gut wie jeder strukturellen Verletzung eine Entzündung vorliegt. Die Außenbandverletzung des Sprunggelenks ist nur einBeispiel von vielen. Sie ist die häufigste Verletzung im Profi- und Breitensport. Gibt es Sportarten beziehungsweise Bewegungsmuster, die das Risiko von Entzündungen erhöhen? Welsch: Grundsätzlich bergen alle Sportarten ein gewisses Verletzungsrisiko. Vergleichsweise hoch ist es bei Mannschafts- und Kontaktsportarten wie Fußball. Neben Zweikämpfen beziehungsweise dem gegnerischen Einfluss liegt das vor allen Dingen an den schnellen Richtungswechseln und Stoppbewegungen. Weitere Risikofaktoren sind gleichförmigeBewegungsabläufe, einseitiges Training und asymmetrische Belastungsmuster, die zu muskulären Dysbalancen führen können. Darüber hinaus hängt das Verletzungsrisiko sowohl von den äußeren Umständen (z. B. Bodenbelag, Schuhwerk) als auch von individuellen Faktoren (z. B. Alter, Fitness, Vorverletzungen) ab. Welche Hinweise auf eine Entzündung lassen sich im Rahmen der Diagnostik finden?Welsch: Am Anfang der Diagnostik von Sportverletzungen steht immer die ausführliche Anamnese, bei der sowohl die Symptome als auch der Ablauf der Verletzung und die Begleitumstände (z. B. Vorverletzungen, Infektionen) erfragt werden. Darüber hinaus wird eine körperliche Untersuchung inklusive Beweglichkeitsprüfungen durchgeführt. Typische Anzeichen für eine Entzündung sind Schwellung, Schmerzen, Rötung und Überwärmung des betroffenen Bereichs. Weiteren Aufschluss liefern bildgebende Verfahren wie der Ultraschall oder die Magnetresonanztomografie (MRT), welche unter anderem eine Beurteilung der umliegenden Weichteile erlauben. Einblutungen, Ödeme oder eine Mehrdurchblutung können dabei auf entzündliche Prozesse hinweisen. Inwiefern beeinflussen Entzündungsprozesse die Regeneration?Welsch: Eine Entzündung ist per se nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil: Entzündungsprozesse sind eine Voraussetzung dafür, dass Regeneration stattfinden kann. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass „Gewebeschrott“ sowie altes Blut oder Flüssigkeit abgebaut beziehungsweise abtransportiert werden. Dabei ist es jedoch wichtig, dass Entzündungen in geregelten Bahnen ablaufen und nicht chronifizieren. Abb. 1: Ruptur LFTA und Teilruptur LCF nach einem Tag (links) und in der Verlaufskontrolle nach fünf Tagen (rechts). Abb. 2: Salbenverband mit Traumeel® S Creme. OSG-Supinationstrauma: Multimodale TherapieAnamnese: Ein 21-jähriger Profifußballer wurde bei einem Zweikampf im Training seitlich weggestoßen und knickte um. Der Spieler beendete das Training sofort und wurde noch auf dem Platz mit einer elastischen Binde, die in Eiswasser gekühlt wurde, versorgt. Am gleichen Tag wurde er bei Prof. Welsch vorstellig, wobei er über Schmerzen im rechten Sprunggelenk klagte.Klinische Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung zeigte sich ein Druckschmerz im Sprunggelenk. Dank der zeitnahen Kompression und Kühlung war das Gelenk kaum geschwollen (s. Abb. 1). Bei der Ultraschalluntersuchung wurde eine Einblutung im Bereich des vorderen Außenbandes (Ligamentum fibulotalare anterius; LFTA) festgestellt. Diagnose: Im Rahmen eines MRT am Folgetag konnte die Verdachtsdiagnose einer Ruptur des LFTA bestätigt werden. Zudem zeigte sich eine Teilruptur des mittleren Außenbandes (Ligamentum fibulocalcaneare; LFC). Die Syndesmose und das Innenband waren intakt. Auch eine Knorpelschädigung konnte ausgeschlossen werden, sodass von einer isolierten Bandverletzungauszugehen war.Behandlung: Der Patient erhielt von Anfang an Lymphdrainagen und unterstützend Traumeel® S als Salbenverband (s. Abb. 2) und in oraler Applikation. Verlauf: Bereits nach zwei Tagen konnte der Patient das Sprunggelenk mithilfe einer Orthese zur Stabilisierung wieder leicht belasten. Die Belastung wurde anhand eines spezifischen Rehabilitationsalgorithmus („Low-X-Konzept“)1 kontrolliert gesteigert. Dabei wurde der Verlauf der Regeneration mittels Fragebögen und Ultraschall bewertet. Nach zwei Wochen war ein fußballspezifisches Training möglich. Nach drei Wochen konnte der Patient wieder voll am Mannschaftstraining und Spielbetrieb teilnehmen. Welche Bedeutung hat die Auflösung der Entzündung für die Therapie von Sportverletzungen?Welsch: Nach einer Verletzung werden im Körper Prozesse angestoßen, die in teilweise überlappenden und sich gegenseitig beeinflussenden Phasen ablaufen. Nach der akuten (oderchronischen) Verletzung folgt die eigentliche Entzündungsphase, die dann in die Regenerationsphase übergeht. Dabei kommt es unter anderem zum sogenannten Lipidmediator-Klassenwechsel“, also der Umstellung von proinflammatorischen zu antiinflammatorischen Botenstoffen. Für den Heilungsverlauf hat die physiologische Auflösung der Entzündung eine ausschlaggebende Bedeutung. Es ergibt aber keinen Sinn, die Entzündung einfach mit Cortison oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zu unterdrücken, da dies die Regeneration verzögern kann. Vielmehr ist es das Ziel, die Entzündungsprozesse so zu modulieren, dass sie in einem gesunden Rahmen bleiben. Gibt es Therapieoptionen, welche die Entzündungsauflösung fördern?Welsch: Direkt nach der Verletzung ist eine unmittelbare und konsequente Kompression und moderate Kühlung entscheidend für den weiteren Verlauf. NSAR sollten, falls nötig, nur über einen kurzen Zeitraum hinweg eingesetzt werden. Nach Diagnosestellung trägt ein interdisziplinäres, multimodales Behandlungskonzept zur Regeneration bei. Eine Lymphdrainage ist vor allem dann sinnvoll, wenn sich ein Ödem gebildet hat. Weitere physiotherapeutische Behandlungsoptionen umfassen Kinesio-Taping, Akupunktur beziehungsweise „Dry Needling“ und Stoßwellen-beziehungsweise Magnetfeldtherapie. Grundsätzlich ist eine frühe physiotherapeutische Behandlung immer sinnvoll.Mittlerweile ist man davon abgekommen, dass ein Gewebe nur Ruhe braucht, um zu heilen. Vielmehr weiß man heute, dass sich eine adäquate, leichte Bewegung positiv auf die Auflösungder Entzündung und somit die Regeneration auswirkt. Dabei sollte die Intensität schrittweise gesteigert und an die individuelle Belastbarkeit angepasst werden. Begleitend können einegezielte Supplementation von Mikronährstoffen (z. B. Omega-3, Vitamin D) und der Einsatz von natürlichen Arzneimitteln wie Traumeel® S den Therapieerfolg fördern. Welche Erfahrungen haben Sie mit Traumeel® S gemacht?Welsch: Im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzeptes nehmen für mich natürliche Arzneimittel wie Traumeel® S einen hohen Stellenwert ein, da sie Entzündungen modulieren, statt komplett zu unterdrücken. Dass Traumeel® S die Entzündungsauflösung beschleunigt, konnte auch in Studien belegt werden.2 Was können die Patientinnen und Patienten selbst tun, um Entzündungen vorzubeugen beziehungsweise die Auflösung zu beschleunigen?Welsch: Bei der Prävention nehmen Lebensstilinterventionen einen hohen Stellenwert ein. Entscheidend sind beispielsweise ein gutes Gewichtsmanagement, regelmäßige Bewegung sowie ausreichend Regeneration und Schlaf. Darüber hinaus kann eine antientzündlicheErnährungsweise Entzündungen vorbeugen beziehungsweise die Auflösung von Entzündungen beschleunigen. Hierzu muss man den Patienten in der Regel allerdings sehrausführlich aufklären. 1. Flore Z et al. Int J Sports Phys Ther 2024;19(7):910–922.2. Jordan PM et al. Pharmaceuticals (Basel, Switzerland) 2021;14(11):1123. Mehr Wissen für Ihre Praxis: Im Fachportal heelmed.de finden Sie weiterführende Informationen zur Behandlung häufiger Verletzungen – wie Live-Webinare, CME-Fortbildungen, Therapieschemata und Videotutorials. Klicken Sie hier und gelangen Sie direkt zum Themenbereich Sprunggelenksverletzungen mit praxisnahen Materialien für Diagnose und Therapie. Pflichttexte Traumeel® S
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