Influenza: Impf-Erinnerung über Patientenportal nicht ausreichend

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Mit automatischen, von einem Patientenportal generierten Erinnerungen an eine Influenza-Impfung lassen sich die Teilnahmeraten einer neuen Untersuchung zufolge minimal erhöhen.

Es seien aber offenbar intensivere oder gezieltere Motivationsstrategien für Patienten erforderlich als die hier genannte, schreiben die Studienautoren in „JAMA Internal Medicine“.

Die pragmatische, 4-armige, randomisierte klinische Studie wurde im Gesundheitssystem der Universität von Kalifornien (USA) durchgeführt. Insgesamt schloss man 164.205 Patienten aus 52 Hausarztpraxen, die das Patientenportal des Gesundheitssystems innerhalb von 12 Monaten genutzt hatten, darin ein. Patienten, die gegen Grippe geimpft werden sollten, erhielten über das Patientenportal ein Schreiben, in dem sie an die Bedeutung der Influenza-Impfung, die Sicherheit des Impfstoffes und die mit Influenza verbundene Morbidität erinnert wurden.

Die Patienten wurden randomisiert in 4 Gruppen eingeteilt: kein Erinnerungsschreiben (n=41.070), 1 Erinnerungsschreiben (n=41.055), 2 Erinnerungsschreiben (n=41.046) oder 3 Erinnerungsschreiben (n=41.034 ). Primärer Endpunkt war der Erhalt einer oder mehrerer Influenzavakzine wie dokumentiert in der digitalen Patientenakte oder in ergänzenden Datenquellen wie z. B. von Apotheken.

Insgesamt 164.205 Patienten (Durchschnittsalter 46,2 [SD 19,6] Jahre; 95.779 [58,3%] Frauen) wurden auf die 4 Studienarme verteilt. In der primären Analyse über alle Altersgruppen hinweg und ohne von Patienten selbst angegebene Impfungen als Antwort auf Portalerinnerungen betrug die Influenza-Impfrate 37,5% für diejenigen, die keine Erinnerungen erhielten, 38% für diejenigen mit 1 Erinnerungsschreiben (p=0,008 vs. kein Schreiben) sowie 38,2% für diejenigen mit 2 Erinnerungsschreiben (p=0,03 vs. kein Schreiben) und 38,2% für diejenigen mit 3 Erinnerungsschreiben (p=0,02 vs. kein Schreiben).

In der Sekundäranalyse, ohne Berücksichtigung der von Patienten angegebenen Impfungen, waren die Vakzinierungsraten bei Erwachsenen im Alter von 18–64 Jahren, die Erinnerungsschreiben erhalten hatten, höher: 32,0% in der Kontrollgruppe vs. 32,8% in der Gruppe mit 1 Erinnerung; 32,8% in der Gruppe mit 2 Erinnerungen; 32,8% in der Gruppe mit 3 Erinnerungen (p=0,001).

Höher waren die Raten außerdem unter Männern (37,3% vs. 38,3%, 38,6% bzw. 38,8%; p=0,001), nicht hispanische Patienten (37,6% vs. 38,2%, 38,3% und 38,2%; p=0,004) und denjenigen, die in den vorangegangenen 2 Jahren nicht geimpft worden waren (15,3% vs. 15,9%, 16,3% bzw. 16,1%; p<0,001).

Wurden von den Patienten selbst angegebenen Impfungen berücksichtigt, waren die Influenza-Impfraten in den Gruppen mit Erinnerungsschreiben um 1,4–2,9 Prozentpunkte höher, wobei ein Dosis-Wirkungs-Effekt zu beobachten war (0 Erinnerungen: 15.537 [37,8%]; 1 Erinnerung: 16.097 [39,2%], 2 Erinnerungen: 16.426 [40,0%] und 3 Erinnerungen: 16.714 [40,7%]; p<0,001).

Fazit
Mit automatischen, von einem Patientenportal generierten Erinnerungen an eine Influenza-Impfung lassen sich die Teilnahmeraten minimal erhöhen. Es scheinen jedoch intensivere oder gezieltere Motivationsstrategien für Patienten erforderlich zu sein. (ac)

Autoren: Szilagyi PG et al.
Korrespondenz: Peter G. Szilagyi; [email protected]
Studie: Effect of Patient Portal Reminders Sent by a Health Care System on Influenza Vaccination Rates: A Randomized Clinical Trial
Quelle: JAMA Intern Med 2020;180(7):962–970.
Web: https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2020.1602