Influenza: Jeder Fünfte im Gesundheitswesen war vergangenen Winter infiziert19. Oktober 2023 Foto: © drubig-photo/stock.adobe.com Würzburger Forschende haben erstmalig die reale Influenza-A-Infektionsrate ergänzend zur nationalen symptombasierten Surveillance untersucht. Daten der CoVacSer-Studie unterstreichen die Bedeutung, die Grippe-Impfungen für Beschäftigte in der Patientenversorgung besitzen. Neben Corona-Infektionen sind auch Grippeerkrankungen wieder auf dem Vormarsch. Um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) weiterhin vor allem Personen im Alter ab 60 Jahren, Schwangeren und chronisch Kranken sowie allen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können, Menschen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr und mit erhöhter Gefährdung, wie zum Beispiel medizinisches Personal, sich auch gegen Grippe impfen zu lassen. Die neuesten Daten zu „Determinanten der Influenza-A-Infektionsrate in der Post-COVID-19-Ära“ aus der CoVacSer-Studie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) bekräftigen diese Empfehlung. Denn die Auswertungen liefern erstmalig die reale Influenza-A-Infektionsrate ergänzend zur deutschlandweiten symptombasierten Surveillance. „Die Kenntnis der tatsächlichen Infektionsrate ist von großer Bedeutung für die Bewertung und Planung von Präventionsstrategien gegen Influenza, insbesondere von Impfstrategien, sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Allgemeinbevölkerung“, fasst PD Dr. Manual Krone, stellvertretender Leiter der Zentralen Einrichtung für Krankenhygiene und Antimicrobial Stewardship zusammen, der gemeinsam mit Dr. Nils Petri die CoVacSer-Studie leitet. „Nach unseren Auswertungen hat sich ein hoher Teil der Beschäftigten im Gesundheitswesen, insbesondere in der Patientenversorgung, nach der COVID-19-Pandemie mit Influenza A infiziert und wird sich auch potenziell in der gerade beginnenden Saison mit Influenza A infizieren.“ Influenza-A-Infektionsrate in Wintersaison 2022/23 unter Mitarbeitenden im Gesundheitswesen Das CoVacSer-Studienteam am UKW (v.l.n.r.): Alexander Gabel, Julia Reusch, Juliane Mees, Manuel Krone, Nils Petri, Isabell Wagenhäuser. (Foto: © Daniel Peter/UKW) Das Team der CoVacSer-Studie untersucht seit September 2021 die Impfantwort sowie die Lebens- und Arbeitsqualität nach einer COVID-19-Impfung und/oder -Infektion in einer Kohorte von mehr als 1700 Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Da es in der vergangenen Saison zu einer ausgeprägten Influenza-A-Welle kam – die Influenza-A-Saison dauerte laut Arbeitsgemeinschaft Influenza vom Robert Koch Institut vom 24. Oktober bis zum 8. Januar – haben die Forschenden ausgehend von den gesammelten Daten und Serumproben die Influenza-A-Infektionsrate unter den Beschäftigten bestimmt. Ferner wurden die Faktoren, die die Influenza-Infektion beeinflussen und die Wirksamkeit der Influenza-Impfung auf die Infektionsrate untersucht. Hierfür hat die Arbeitsgruppe bei 402 Studienteilnehmenden vor und nach der Grippesaison die Influenza-Antikörper-Titer analysiert. Valide Methode, damit Impfung den Grippe-Nachweis nicht verfälscht Ergebnis: 20,6 Prozent der Studienteilnehmenden wiesen eine Serokonversion auf. Das heißt, nach der Grippesaison waren im Blut mindestens doppelt so viele Influenza-A Antikörper nachweisbar. Damit konnte eine Influenza A Infektion detektiert werden. Um sicher zu stellen, dass sich die Antikörper nach einer Infektion und nicht nach einer Impfung gebildet haben, hat das Team einen speziellen Assay eingesetzt. Der Anti-Influenza-A-Nukleoprotein/Matrix-IgG Titer wird aufgrund der anderen Antigen-Struktur der saisonalen Impfung nicht beeinflusst, sodass ein Antikörperanstieg allein auf eine Influenza-A-Infektion zurückzuführen ist. Es konnte als Teil der Publikation validiert werden, dass das eingesetzte immunologische Nachweisverfahren ELISA (Enzyme-linked Immuno Sorbent Assay) zur Bestimmung der Antikörper nicht durch die saisonale Influenza-Impfung verfälscht wurde. Risiko für krankenhausinterne Übertragungsketten Das heißt: Jeder fünfte Beschäftigte im Gesundheitswesen hatte im vergangenen Winter eine Influenza durchgemacht, spürbar mit Symptomen oder komplett symptomfrei. „Dies zeigt ein potenzielles Risiko und eine signifikante asymptomatische oder symptomatische Infektionsrate, die ein Risiko für krankenhausinterne Übertragungsketten und nosokomiale Infektionen darstellt,“ erklärt Isabell Wagenhäuser, Erstautorin der Publikation. Je älter die Teilnehmenden und je regelmäßiger der Kontakt zu Patienten, desto signifikanter war der Einfluss auf die Serokonversion. Faktoren wie männliches Geschlecht, Body-Mass-Index, Rauchen, Haushaltsgröße und SARS-CoV-2-Infektion während der Influenza-A-Saison waren nicht signifikant mit der Serokonversion verbunden. Im Vergleich der Teilnehmenden mit und ohne saisonale Influenza-Impfung traten in der geimpften Gruppe ein Fünftel weniger serologisch identifizierte Infektionen auf, was einer Impfeffektivität auf die serologische Infektionsrate von 22,6 Prozent entspricht. „Dennoch gehen wir davon aus, dass eine Impfung neben der Reduktion der Ansteckungsrate zusätzlich vor schweren Verläufen schützt und auch das Übertragungsrisiko minimiert“, resümiert Krone. Mit seinem Team möchte er in Folgestudien untersuchen, inwieweit Personen mit asymptomatischer Influenza-Infektion zur Virusverbreitung beitragen.
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