Innovative Studie zur Staphylococcus-aureus-Bakteriämie auch in Deutschland gestartet

Achim Kaasch im Labor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene (Foto: ©S. Kossmann_UMMD)

Die internationale Plattformstudie SNAP untersucht neue medikamentöse Behandlungsstrategien, um die Morbidität und Mortalität der Staphylococcus-aureus-Bakteriämie (SAB) zu senken. Die Studie wurde nun auf Deutschland ausgeweitet.

Das Bakterium Staphylococcus aureus verursacht weltweit die meisten infektionsbedingten Todesfälle. Die SAB geht häufig mit einer Sepsis einher, an welcher innerhalb von drei Monaten etwa ein Drittel der Patienten versterben. Die Behandlung der Erkrankung ist kompliziert und erfordert in der Regel einen Krankenhausaufenthalt, die Gabe von Antibiotika und eine sorgfältige Untersuchung bezüglich Komplikationen.

Zurzeit werden weltweit die unterschiedlichsten Antibiotika-Therapien angewandt, ohne eindeutige Belege, welche davon die beste ist. So unterscheiden sich die Therapien in der Wahl des Antibiotikums, der Dosierung, der Therapiedauer und der Art der Verabreichung (Tabletten oder Infusionen). Es gibt wenige qualitativ hochwertige Studien, die Aufschluss über die Behandlung dieser Infektion geben. Bis zum Start der internationalen Plattformstudie SNAP (Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform) wurden weltweit weniger als 3000 Patienten in interventionellen Studien zur Behandlung der Erkrankung untersucht.

Universitätsmedizin Magdeburg übernimmt Studienkoordination in Deutschland

SNAP – die laut Universitätsmedizin Magdeburg weltweit größte klinische Studie zur SAB – wird unter der Führung der University of Melbourne (Australien) durchgeführt. Die Koordination in Europa übernimmt das Universitair Medisch Centrum Utrecht (Niederlande). Die deutschlandweite Studienkoordination liegt beim Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene (IMMB) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unter der Leitung von Institutsdirektor Prof. Achim Kaasch.

Die Universitätsmedizin Magdeburg ist laut eigenen Angaben das erste deutsche Studienzentrum, das Patienten in SNAP aufnimmt. Insgesamt sollten an 18 deutschen Studienzentren 500 Teilnehmer mit SAB in die Studie rekrutiert und über 360 Tage nachbeobachtet werden.

Ein wichtiger Baustein der Studie ist die Sammlung und Untersuchung der aus dem Blut der Studienteilnehmenden isolierten Bakterienstämme. Das IMMB wird den Aufbau der europäischen Stammsammlung eigenen Angaben zufolge übernehmen und neue Ansatzpunkte für die Bekämpfung der Bakterien untersuchen.

Innovatives Studiendesign

Die SNAP-Studie ist nicht nur aufgrund ihrer Größe sehr wertvoll – sie wird Kaasch zufolge mittlerweile in 131 Zentren in 9 Ländern durchgeführt und es wurden schon mehr als 4400 Patienten aufgenommen. „Andererseits zeichnet sich die SNAP-Studie durch ein innovatives Studiendesign aus“, erläutert Kaasch. Denn es handelt sich um eine randomisierte, in den Klinikalltag eingebettete, multifaktorielle, adaptive Plattformstudie (REMAP).

Das heißt, dass innerhalb der Studie verschiedene Interventionen (z.B. Gabe verschiedener Antibiotika) parallel oder nacheinander in mehreren Studienarmen untersucht werden. Studienteilnehmende können dabei in einen oder in mehrere Studienarme zufällig zugeteilt werden. Das adaptive Studiendesign ermöglicht zudem die fortlaufende Entwicklung neuer Studienarme, um relevante Fragestellungen zu beantworten. So ist es möglich, auch neue Behandlungen zeitnah zu untersuchen.

Für Personen, die nicht in die Plattformstudie aufgenommen werden können oder möchten, besteht außerdem die Möglichkeit, ihre Daten an ein prospektives Register zu spenden. Auch hier haben nach Angaben der Universitätsmedizin Magdeburg weltweit schon mehr als 4700 Patienten teilgenommen.

Die SNAP-Studie wird in Deutschland gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt (MWU) des Landes Sachsen-Anhalt sowie im Rahmen des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).