Integriertes Versorgungsmodell für Menschen mit Demenz und Hörminderung

Gregor Hohenberg leitet das Projekt H3O, das die Versorgung von Menschen mit Demenz und Hörminderung verbessern will. Foto: Helen Sobiralski/HSHL

Ihm Rahmen des Forschungsprojektes „Herz, Hand, Hirn und Ohr“ kurz H3O der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) soll ein integriertes Versorgungsmodell für Menschen mit Demenz und Hörminderung geschaffen werden.

Prof. Gregor Hohenberg leitet das Projekt. Ziel ist es, eine strukturierte Hörtherapie und kognitive Stimulation zu einem systematischen, praxisnahen Versorgungskonzept verbinden. So sollen Kommunikationsfähigkeit und geistige Ressourcen nachhaltig stabilisiert werden.

Hörversorgung bei Menschen mit Demenz und Hörminderung nicht ausgeschöpft

Zahlreiche Studien belegen: Unbehandelte oder unzureichend behandelte Hörstörungen verschärfen kognitive Beeinträchtigungen. Trotz vorhandener Technologie wird Hörversorgung im Alltag vieler Menschen mit Demenz und Hörminderung nicht ausgeschöpft, etwa durch geringe Nutzung von Hörgeräten oder fehlende Begleitung und Nachsorge. Hier setzt H3O an. „Auf der Agenda steht deshalb die Entwicklung eines integrierten Interventionsprogramms“, erklärt Hohenberg.

Dieses Programm soll strukturierte Hörtherapie mit gezielten Verfahren zur kognitiven Stimulation kombinieren, zentrale Hör- und Verarbeitungsprozesse aktivieren und kommunikative Kompetenzen stärken. Zudem sollen Hörakustiker systematisch in die Nachsorge nach Hörgeräteanpassungen eingebunden werden, um die nachhaltige Nutzung der Hörversorgung zu verbessern. Dabei rückt das Projekt die besonders vulnerable Gruppe von Patienten mit Demenz und Hörminderung in den Fokus.

Verzahnung mit Regelversorgung bei Demenz und Hörminderung

„Die neue Versorgungsform soll die Regelversorgung allerdings nicht ersetzen, sondern sie sinnvoll ergänzen“, so Hohenberg. Im Fokus stehen die Entwicklung klar definierter Versorgungsabläufe, tragfähiger Kooperationsstrukturen sowie praktikabler Auswertungskonzepte. So soll die Intervention in bestehende Versorgungsstrukturen integrierbar sein. Hohenberg: „Verbesserte Hör- und Kommunikationsfähigkeiten sollen zudem den Zugang und die Wirksamkeit weiterer therapeutischer Maßnahmen, beispielsweise Ergotherapie erleichtern.“

Ein wichtiger Teil des Projekts ist die wissenschaftliche Begleitung: Forschende untersuchen, inwieweit die kombinierte audio-kognitive Therapie belastbare Ergebnisse bei Betroffenen mit Demenz und Hörminderung liefert, zum Beispiel im Hinblick auf die Verbesserung der geistigen Fähigkeiten. Außerdem planen die Projektpartner Kosten und praktische Voraussetzungen zu untersuchen. So wollen sie beurteilen kann, ob die Gesetzliche Krankenversicherung das Angebot später dauerhaft übernehmen kann.

Kompetenzen gezielt bündeln

Für die erfolgreiche Umsetzung des Forschungsprojekts H3O setzt die HSHL auf starke Projektpartnerschaften mit der AOK NordWest, der Universität Witten-Herdecke, der LiKe Healthcare Research GmbH und dem Fachverband Deutscher Hörakustiker. Als Konsortialführung fungieren die Bansbach Econum Unternehmensberatung GmbH und die K&L Schwedler uG. „Durch das gezielte Zusammenführen unterschiedlicher Fachkompetenzen können wir praktische Lösungen entwickeln, die wissenschaftlich fundiert, wirtschaftlich tragfähig und für Betroffene wirklich wirksam sind“, sagt Hohenberg.