Intensiv-Symposium: Umweltsünden im Medizinbetrieb?

Das Bremer Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege bietet ein vielfältiges Programm mit praxisnahen Workshops. Foto: ©M3B GmbH/Jan Rathke

Vom 15. bis 17. Februar 2023 findet nach zweijähriger Pause das Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege in der Messe Bremen und im Congress Centrum Bremen wieder als Präsenzveranstaltung statt. Zentrale Themen sind unter anderem der „Pflexit“ sowie Nachhaltigkeit im Medizinbetrieb. 

Zu hohe Arbeitsbelastung und ‑verdichtung, unattraktive Bezahlung und ein schlechter Pflegeschlüssel: Pflexit. Die Flucht der Beschäftigten aus der Pflegebranche ist in aller Munde. Laut Meinung diverser Expertinnen und Experten ist die Frustration bei vielen so hoch, dass sie das Handtuch schmeißen und der Branche den Rücken kehren wollen. Doch nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Mai 2022) stimmt das so nicht: Die Zahl der Pflegekräfte sei zwischen 2010 und 2020 in Deutschland um 18 Prozent gestiegen. Was ist dran am Pflexit? Gibt es ihn oder handelt es sich hier um eine gefühlte Wahrheit? Das und mehr sind die Themen der 33. Ausgabe des Symposiums Intensivmedizin + Intensivpflege in Bremen.

Präsenzveranstaltung mit digitalem Angebot

„Wir freuen uns sehr, nach langer Zeit und Corona-Bedingungen endlich wieder eine Präsenzveranstaltung anzubieten“, sagt Kordula Grimm, Leiterin des Bereiches Congress Bremen und Gastveranstaltungen bei der M3B GmbH. Claudia Burgess, Projektleiterin von Congress Bremen, ergänzt: „Viele Teilnehmende freuen sich auf das Wiedersehen hier in Bremen. Sie wollen sich austauschen, netzwerken und weiterbilden und nehmen sich extra die Zeit, um auf das Symposium zu kommen.“ Für die, die es nicht nach Bremen schaffen, gibt es erstmalig ein digitales Angebot: An allen drei Tagen wird ein ausgewählter Teil des Programms live gesendet.

Aktuelle Themen, neue Erkenntnisse

Das umfangreiche interdisziplinäre und interprofessionelle Programm des Fachkongresses ist wie gewohnt vielfältig und beschäftigt sich erneut mit hochaktuellen Themen, die den Klinikalltag beeinflussen. So ist eines der Schwerpunktthemen die Nachhaltigkeit im Medizinbetrieb. Sterile Einmalprodukte erfüllen die höchsten Qualitätsstandards im Klinikalltag und bieten ein Höchstmaß an Sicherheit und Hygiene, aber produzieren auch Müll. Ob die Medizinbranche Umweltsünden begeht und mehr für die Nachhaltigkeit getan werden muss, ist das Thema der Runde „Medizinethik und Klimaethik – eine gemeinsame Standortbestimmung“.

Um ein weiteres, viel diskutiertes Thema geht es in der Sitzung „Neuerungen der respiratorischen Therapie“: Obwohl in Deutschland ca. 270 Kliniken ECMO-Therapien anbieten (zum Vergleich: In Großbritannien sind es acht Kliniken), überleben hierzulande rund drei Viertel der über 60-Jährigen die Behandlung mit der künstlichen Lunge nicht – deutlich mehr als im internationalen Vergleich. Woran es hapert und was sich ändern muss, beleuchten die Expert:innen am zweiten Veranstaltungstag.

Das „Hot Topic“-Thema 2023 ist das DRG-System. Eine Regierungskommission arbeitet an Eckpunkten einer Krankenhausreform, die für die Kinderheilkunde, die Geburtshilfe und die tagesklinische Behandlung schon gesetzliche Umrisse erkennen lässt. Expert:innen erwarten bereits erste Auswirkungen auf die Intensivmedizin, um die es in der „Hot Topic“-Sitzung gehen wird.

Vielfältiges Programm mit praxisnahen Workshops

Natürlich geht es beim 33. Symposium auch wieder um aktuelle Entwicklungen bei COVID-19 und neue Erkenntnisse zur Vorbeugung, Entstehung und Therapie der Sepsis. Aber auch Managementthemen bekommen Raum, wie beispielsweise die Frage, was die Erfolgsfaktoren einer erfolgreichen Teamarbeit sind und was man dafür von Olympioniken lernen kann. „Olympiasieger wird man nur, wenn man seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen kennt und diese berücksichtigt“, sagt Prof. Rolf Dembinski, Mitglied des Programmkomitees und Leiter des WIVIM e. V. „Kurzzeitig hohe Belastungsphasen sind nur dann möglich, wenn man auch Entlastungsphasen plant und beherzigt.“ Darüber sprechen die Expert:innen am letzten Veranstaltungstag in der Sitzung „Optimale Leistungsfähigkeit in der Klinik – ein Geheimnis?“

Neben aktuellen Themen gibt es auch interaktive Sitzungen mit TED-Umfragen, Podiumsdiskussionen, praxisnahe Workshops, die BISS-Seminare, das Master Class Symposium und vieles mehr. Dabei sein lohnt sich in vielfacher Hinsicht:  Von der Registrierung beruflich Pflegender (RbP) werden sechs Punkte pro Tag, zehn Punkte für zwei Tage und zwölf Punkte für drei Tage vergeben. Die Ärztekammer Bremen vergibt voraussichtlich 18 CME-Punkte (sechs Punkte pro Tag) zur Anrechnung auf das Fortbildungszertifikat.