Intensivmedizinisches Studienprojekt aus Jena ausgezeichnet7. Oktober 2021 Julia Leonhardt vom Universitätsklinikum Jena erhält den diesjährigen Levi-Montalcini Biomedical Science Award der Europäischen Gesellschaft für Intensivmedizin (ESICM). Foto: Michael Szabó/Universitätsklinikum Jena Die Europäische Gesellschaft für Intensivmedizin (ESICM) vergibt ihren diesjährigen Levi-Montalcini Biomedical Science Award an Dr. Julia Leonhardt. Die junge Assistenzärztin der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena kann damit ihr Studienprojekt zur Untersuchung des Gallensäureprofils beim Leberversagen umsetzen. Sie können weit mehr als Fett verdauen: Gallensäuren werden von der Leber in den Darm abgegeben, um hier Nahrungsfette zu emulgieren. Seit einigen Jahren weiß man jedoch, dass Gallensäuren auch als Botenstoffe wirken, über die Körperzellen miteinander kommunizieren können. Zum Beispiel binden Gallensäuren bei Abwehrzellen an einem speziellen Rezeptor, der die Immunzellen in ihrer Funktion abschaltet. Wahrscheinlich sorgen die Gallensäuren so dafür, dass sich die Abwehrzellen nicht gegen nützliche Darmbakterien richten. Was geschieht jedoch, wenn sich durch ein Versagen der Leberfunktion die Gallensäuren ins Blut zurückstauen? Das Jenaer Forscherteam um Dr. Julia Leonhardt konnte in diesem Jahr erstmals zeigen, dass Gallensäuren im Blut von Patientinnen und Patienten mit Leberversagen Blutimmunzellen abschalten und so die körpereigene Abwehrreaktion bei Infektionen schwächen. Dieser Mechanismus ist mit einer deutlich erhöhten Sterblichkeit verbunden. Zur Fortführung dieses Forschungsprojektes hat die Preisjury der ESICM Leonhardt nun mit dem mit 20.000 Euro dortierten Levi-Montalcini Biomedical Science Award ausgezeichnet. „Wir möchten die Gallensäureprofile im Blut und ihren Einfluss auf das Immunsystem, Infektionen und die Sterblichkeit bei Intensivpatienten mit Leberversagen im Rahmen einer größeren multinationalen Studie systematisch untersuchen“, so die Preisträgerin. Der Preis ermöglicht es der Nachwuchswissenschaftlerin, Blutserumproben und Daten von Intensivpatientinnen und -patienten mehrerer europäischer Kliniken auszuwerten, um die Rolle der Gallensäuren und deren Potential für neue Behandlungsansätze gegen Immundysfunktionen bei Leberversagen weiter aufzuklären. Bereits während ihres Medizinstudiums an der Charité Berlin forschte Julia Leonhardt erfolgreich an G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. In ihrer Dissertation analysierte sie die Funktion von Rezeptoren der Immun- und Blutdruckregulation. Für ihre Facharztweiterbildung wechselte sie an die Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin nach Jena und bearbeitete unter der Leitung von Prof. Michael Bauer und Prof. Regine Heller eigene Projekte in der Grundlagenforschung am Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen CSCC. Sie nimmt am Mentoring-Programm der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin teil. Der Förderpreis der ESICM ist nach der italienischen Medizinerin Rita Levi-Montalcini benannt, die für die Entdeckung körpereigener Faktoren für das Zellwachstum mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.
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