Internationale kardiologische Fachgesellschaften vereinen sich im Kampf gegen Umweltbelastungen26. Januar 2026 Zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen sprechen sich vier internationale kardiologische Fachgesellschaften in einem gemeinsamen Statement für einen verstärkten Kampf gegen Umweltgefahren aus. (Symbolfoto: ©Azeemud-Deen Jacobs/peopleimages.com/stock.adobe.com) Ob Lärm, Luft- und Umweltverschmutzung oder der Klimawandel: Sie alle bedrohen unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit. Um dem entgegenzutreten, haben sich weltweit führende kardiologische Fachgesellschaften zusammengeschlossen. Am 20. Januar haben die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC), das American College of Cardiology (ACC), die American Heart Association (AHA) und die World Heart Federation (WHF) eine erste gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin fordern sie dringende Maßnahmen gegen Umweltbelastungen als wichtige, aber vermeidbare Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu den umweltbedingten Risikofaktoren, die die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinträchtigen, zählen Luftverschmutzung, Verkehr, Flug- und Industrielärm, künstliches Licht, chemische Belastung, Plastik und die vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels, wie bspw. extreme Hitze. Nach Ansicht der internationalen kardiologischen Fachgesellschaften sind regulatorische und politische Maßnahmen erforderlich, um die gesundheitlichen Folgen zu minimieren, insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen, die oft am stärksten betroffen sind. Unterschätzter kardiovaskulärer Risikofaktor Weltweit sterben jährlich rund 20 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schätzungsweise vier bis sechs Millionen davon werden auf Umweltbelastungen wie Luft- und Lärmverschmutzung, chemische und Plastikkontamination sowie klimabedingte Gefahren zurückgeführt. Anders ausgedrückt: Etwa jeder fünfte Todesfall durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit ist auf Umwelteinflüsse zurückzuführen – und übertrifft damit die Wirkung vieler traditioneller Risikofaktoren. Die gemeinsame Erklärung der kardiologischen Fachgesellschaften stellt ein gemeinsames globales Bekenntnis dar, den Umweltschutz in den Mittelpunkt der Prävention und Politik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu stellen. Sie erschien zeitgleich im „European Heart Journal“, in „Circulation“ sowie im „Journal of the American College of Cardiology“. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache weltweit, und Umweltbelastungen haben sich zu ihren stillen Beschleunigern entwickelt“, sagt der Hauptautor Prof. Thomas Münzel vom Universitätsklinikum Mainz. „Unsere Botschaft ist klar: Saubere Luft, ruhigere Städte und ein stabiles Klima sind nicht nur Umweltziele, sondern unerlässlich für die Herzgesundheit und die weltweite Reduzierung der Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Prof. Thomas F. Lüscher, Präsident der ESC und Hauptautor, ergänzt: „Das Herz existiert nicht isoliert – es schlägt in einem Ökosystem. Umweltgefahren müssen in unseren Risikobewertungen und Präventionsstrategien neben Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes berücksichtigt werden.“ Politik, Medizin und Gesellschaft in der Verantwortung Laut den Fachgesellschaften bedürfe es sofortiger, koordinierter und mutiger Maßnahmen vonseiten der Politik, um die Belastung durch Umweltrisikofaktoren für Einzelpersonen und die Gesellschaft zu reduzieren – insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die unverhältnismäßig stark unter der globalen Umweltzerstörung leiden würden. „Studien haben die negativen Auswirkungen von Umweltverschmutzung, Lärm, steigenden Temperaturen und anderen Umweltbelastungen auf die Gesundheit belegt“, sagt Mitautor und ACC-Präsident Dr. Christopher Kramer. „Es ist höchste Zeit zu handeln, um die Auswirkungen der Umwelt auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit anzugehen. Dies ist unerlässlich, um die Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit zu verringern.“ „Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu behandeln und vorzubeugen, müssen wir die Ursachen und den zunehmenden Druck durch Umweltrisiken angehen. Intensive Belastung durch Luftverschmutzung und andere Schadstoffe rächt sich insbesondere an den Schwächsten. Es ist unerlässlich, dass alle Sektoren jetzt handeln und ihren Beitrag zur Reduzierung und Minderung von Risiken leisten, damit Herz-Kreislauf-Gesundheit für alle Realität wird“, verdeutlicht Prof. Amam Mbakwem. Er ist Mitautor des Statements und Vizepräsident der WHF. Die gemeinsame Erklärung fordert politische Entscheidungsträger auf, strengere Luftqualitäts- und Lärmschutzstandards einzuführen, fossile Brennstoffe schrittweise abzuschaffen und giftige Chemikalien zu regulieren. Politischer Wille und internationale Zusammenarbeit seien unerlässlich, um Vorschriften zu erlassen und durchzusetzen sowie harmonisierte Standards zu schaffen. „Diese gemeinsame Initiative spiegelt unser gemeinsames Verständnis der Notwendigkeit wider, Umweltfaktoren anzugehen, die die Herzgesundheit beeinträchtigen. Die Zusammenarbeit über Gesellschafts- und Sektorgrenzen hinweg ist unerlässlich, um weltweit einen echten Wandel für das Herz-Kreislauf-Wohlbefinden zu bewirken“, sagt Mitautor und ehemaliger Präsident der AHA, Dr. Keith Churchwell. Sechs Prioritäten für herzgesunde und nachhaltige Lebenswelten Die gemeinsame Erklärung umreißt sechs übergeordnete Prioritätsbereiche: globale Interessenvertretung und politische Abstimmung, die den Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit Priorität einräumt Investitionen in die Forschung zu den Auswirkungen von Umweltrisikofaktoren, um gezielte Maßnahmen zu ermöglichen Aufklärung und Sensibilisierung von medizinischem Fachpersonal und der Öffentlichkeit für Umweltrisikofaktoren Stadtplanung und -politik zur Förderung sauberer Verkehrsmittel, Grünflächen und Lärmschutz nachhaltige Gesundheitsversorgung zur Reduzierung von Emissionen und Umweltverschmutzung im Gesundheitswesen klimaresiliente Gesundheitssysteme zum Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen. Die Erklärung schließt mit den Worten: „Durch die Bekämpfung der Ursachen von Umweltbelastungen ist es möglich, die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren und gesündere, gerechtere und nachhaltigere Gesellschaften zu fördern.“ DGIM unterstützt internationalen Appell Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) unterstützt die Initiative von ESC, ACC, AHA und WHF ausdrücklich. Aus Sicht der Inneren Medizin seien Luftverschmutzung, Hitze, Lärm und weitere Umweltaspekte längst zentrale gesundheitliche Risikofaktoren im gesamten Spektrum internistischer Erkrankungen, erläutert die DGIM. Die Fachgesellschaft fordert daher, Umweltbelastungen systemisch in Prävention, Krankenversorgung und politische Entscheidungen stärker einzubeziehen – wissenschaftsbasiert, patientenorientiert und mit Blick auf besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen. Die DGIM-Vorsitzende Prof. Dagmar Führer-Sakel sagt: „Gesundheit ist ein Zusammenspiel aus inneren und äußeren Faktoren. Umweltstressoren erhöhen das Risiko nicht nur für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch für Krebs, Diabetes und Adipositas sowie viele weitere internistische Erkrankungen. Daher müssen wir die Bedingungen, unter denen Krankheiten entstehen und sich verschärfen, stärker in den Blick nehmen und auf gesunde Lebensbedingungen hinarbeiten. Umweltfaktoren sind daher kein rein gesellschaftliches oder politisches Thema, sondern müssen auch als fester Bestandteil moderner Prävention und Public Health verstanden und in die Versorgung einbezogen werden.“ Der Internist und Kardiologe Prof. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM, sagt: „Als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften haben wir den Auftrag, dort Stellung zu beziehen, wo gesicherte Evidenz gesundheitliche Risiken klar benennt. Umweltstressoren treffen vor allem ältere, chronisch kranke und sozial benachteiligte Menschen – genau jene Gruppen, die internistisch ohnehin besonders vulnerabel sind. Umwelt- und Klimaschutz sind deshalb integrale Bestandteile moderner Gesundheitsvorsorge und eine Voraussetzung für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem.“ (ah/BIERMANN)
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