Internationale Konferenz zur Placebo-Forschung: Erwartungen wirken

Symbolbild. Quelle: k.A./ SFB TRR 289

Erwartungen und Erfahrungen beeinflussen erheblich, wie eine Behandlung oder Arznei wirkt. In Duisburg treffen sich vom 10. bis 13. Mai dieses Jahres Expertinnen und Experten zur 4. Internationalen Konferenz der Gesellschaft für Interdisziplinäre Placeboforschung (SIPS). Organisiert wird der fachliche Austausch vom Sonderforschungsbereich „Treatment Expectations“ der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Der Placebo-Effekt wird in der Medizin definiert als positive gesundheitliche Wirkung, die sich allein aus der Annahme ergibt, dass eine Behandlung helfen wird. In Zulassungsverfahren für Medikamente versucht man ihn auszuschließen, um allein die pharmakologische Wirkung eines Präparats zu ergründen. Ziel der SIPS-Mitglieder ist, Placebo-Effekte bewusst im klinischen Alltag zu nutzen: So belegen Studien, dass Erwartungen beispielsweise besonders einflussreich sind bei Erkrankten, die wegen Schmerzen oder Depressionen behandelt werden.

Das Motto der 4. Internationalen SIPS-Konferenz lautet „Treatment Expectation – from Bench to Bedside and back“. Es beschreibt den interdisziplinären Charakter dieses Gebiets, in dem Forschende aus klinischen und grundlagenwissenschaftlichen sowie aus angrenzenden therapeutischen Bereichen zusammenarbeiten.

In den ehemaligen Industrieanlagen des Landschaftsparks Nord in Duisburg erwartet das Organisationsteam um Prof. Ulrike Bingel, Sprecherin des gastgebenden Sonderforschungsbereichs und diesjährige Kongresspräsidentin, rund 300 internationale Teilnehmende. Themenschwerpunkte sind unter anderem soziale Aspekte von Behandlungserwartungen und Nocebo-Effekte – also Krankheitssymptome oder Nebenwirkungen, die sich pharmakologisch nicht erklären lassen und allein auf negative Erwartungen der Betroffenen zurückzuführen sind.

Ergänzt wird das Programm durch eine Summer School für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen sowie einen Science Slam. Die Teilnahme ist auch digital möglich.

Für interessierte Patientinnen und Patienten findet am 9. Mai 2023 ab 17.30 Uhr ein kostenloses Online-Forum statt, an dem darüber diskutiert wird, wie sich der Erwartungseffekte für den Therapieerfolg nutzen lässt.