Internationale Studie zu Radiochirurgie bei Hirnmetastasen: Erste Patienten in Kiel behandelt

Moderne strahlentherapeutische Verfahren wie die Radiochirurgie ermöglichen die Entfernung von Hirnmetastasen. (Foto: © Danish Khan – stock.adobe.com)

In einer internationalen randomisierten zweiarmigen PREOP-2 Studie wollen Ärzte herausfinden, ob das Rezidivrisiko durch eine einmalige hochpräzise Strahlentherapie von Hirnmetastasen vor Operation im Vergleich zur postoperativen Strahlentherapie in fünf Sitzungen gesenkt werden kann. Nun wurden am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, die ersten deutschen Studienteilnehmer behandelt. 

Bei symptomatischen Hirnmetastasen ist ab einer bestimmten Größe und bei bestimmten Lagen der Hirnmetastase eine Operation zur schnellen Senkung der Symptomlast meist unumgänglich. In solchen Fällen wird zuerst die Hirnmetastase operiert und anschließend die Region, in der die Metastase lag, bestrahlt. Die Bestrahlung reduziert das Risiko für einen lokalen Tumorrückfall (Rezidiv) deutlich. Bislang wird das Tumorbett daher in mehreren Sitzungen mit unterschiedlich großen Einzeldosen (abhängig von der verwendeten Bestrahlungstechnik) nachbehandelt. Die Abgrenzung des zu bestrahlenden Tumorbetts vom gesunden Hirngewebe ist jedoch aufgrund von postoperativen Veränderungen schwierig, so dass die postoperative Bestrahlung in der Regel ein Gebiet umfasst, das erheblich größer als die ursprünglich entfernte Hirnmetastase ist. Trotz dieser relativ großvolumigen Strahlentherapie ist das Wiederauftreten von Hirnmetastasen, teilweise auch im Bereich der Hirnhäute und der operativen Zugangswege, keine Seltenheit.

In der internationalen randomisierten zweiarmigen PREOP-2 Studie, die aus Aarau (Schweiz) von Dr. Susanne Rogers geleitet wird, soll nun untersucht werden, ob das Rezidivrisiko durch eine einmalige hochpräzise Strahlentherapie (Radiochirurgie) der Hirnmetastasen vor Operation im Vergleich zur postoperativen Strahlentherapie in fünf Sitzungen gesenkt werden kann. Für kleinere, zumeist asymptomatische Hirnmetastasen wird die alleinige Radiochirurgie bereits seit Jahren erfolgreich in der klinischen Routine angewandt.

Ablaufschema der PREOP-2 Studie (Quelle: UKSH)

Nun wurden am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, die ersten deutschen Patienten in der internationalen PREOP-2 Studie behandelt. Bereits in den ersten vier Wochen der Studienlaufzeit konnten fünf Patientinnen und Patienten in die Studie einbezogen werden. „Die präoperative Radiochirurgie konnte in Kiel in kürzester Zeit geplant und mit dem CyberKnife, einem robotergestützten System für Hochpräzisionsbestrahlungen, komplikationslos appliziert werden“, erklärt PD Dr. David Krug, stellvertretender Direktor der Klinik für Strahlentherapie, der die PREOP-2 Studie in Deutschland strahlentherapeutisch leitet. „Die Operationen verliefen erfolgreich und ohne Komplikationen“, ergänzt Dr. Hajrullah Ahmeti, stellvertrender  Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Campus Kiel des UKSH. „Wir sind erfreut, eine so innovative Studie in Deutschland starten zu können“, fügte Ahmeti hinzu. Im Rahmen der PREOP-2 Studie sollen insgesamt 200 Patientinnen und Patienten behandelt werden.

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Quellen 1. Rogers S et al. Stereotactic radiosurgery and radiotherapy for resected brain metastases: current pattern of care in the Radiosurgery and Stereotactic Radiotherapy Working Group of the German Association for Radiation Oncology (DEGRO). Strahlenther Onkol 2022;198(10):919–925. 2. Das S et al. A phase III, multicenter, randomized controlled trial of preoperative versus postoperative stereotactic radiosurgery for patients with surgically resectable brain metastases. BMC Cancer 2022;22(1):1368.Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel