Internationale Umfrage zu COVID-19-Impfung: Nicht wenige würden zögern22. Oktober 2020 Foto: © DDRockstar/Adobe Stock Offenbar gibt es weltweit nicht wenig Zurückhaltung, wenn es darum geht, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, sobald eine Vakzine verfügbar ist. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie. An der Untersuchung beteiligt waren Wissenschaftler der City University of New York Graduate School of Public Health and Health Policy (CUNY SPH; USA), des Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal; Spanien), des Vaccine Confidence Project an der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM; Großbritannien) sowie der Georgetown University Law School (USA). Die Studienergebnisse wurden kürzlich in „Nature Medicine“ veröffentlicht. Die Arbeit basiert auf Daten, die mit der zuvor validierten COVID-SCORE-Umfrage bei einer Stichprobe von mehr als 13.400 Personen aus 19 Ländern mit hoher SARS-CoV-2-Last gesammelt worden waren. Die Forscher stellten fest, dass 72 Prozent der Umfrageteilnehmer sich wahrscheinlich impfen lassen würden. Von den verbleibenden 28 Prozent würden 14 Prozent eine Impfung ablehnen, die übrigen 14 Prozent zumindest zögern. Diese Einstellungen, so die Studienautoren, schlügen sich in zig Millionen potenzieller Impfstoffvermeider nieder. Bis heute befänden sich mehr als 90 COVID-19-Impfstoffe in der Entwicklung, von denen die Hälfte bereits in Studien am Menschen untersucht würden, berichten die Forscher. Doch nicht nur Entwicklung, Herstellung und Verbreitung müssten bewältigt werden – eine weitere Herausforderung sei das Überwinden von Zweifeln und Zögern in Bezug auf eine Impfung in Teilen der Bevölkerung. „Wir haben festgestellt, dass das Problem einer zögerlichen Einstellung im Hinblick auf eine Impfung stark mit einem mangelnden Vertrauen in die [jeweilige] Regierung zusammenhängt”, berichtet Jeffrey V. Lazarus, ISGlobal-Forscher und Studienkoordinator. Das Vertrauen in Impfstoffe sei in Ländern, in denen auch der Regierung mehr vertraut werde, immer größer gewesen. „Wir müssen das Vertrauen in Impfstoffe stärken und dafür sorgen, dass die Menschen verstehen, wie sie dazu beitragen können, die Ausbreitung von COVID-19 in ihren Familien und an ihren Wohnorten zu kontrollieren“, fügt Ayman El-Mohandes, Dekan von CUNY SPH, und Co-Koordinator der Stude hinzu. Das Land mit der höchsten Punktzahl in Bezug auf positive Reaktionen auf die Frage, wie „der Einsatz eines bewährten, sicheren und wirksamen Impfstoffes“ zu bewerten sei, war China (87%). Dort ergab sich auch der niedrigste Prozentsatz an negativen Antworten auf diese Frage (0,7%). Auf der anderen Seite hatte Polen die höchste Anzahl negativer Antworten (27%), während die russischen Befragten die am wenigsten positiven Antworten gaben (55%). In den USA antworteten 76% der Befragten in diesem Punkt positiv, 11% negativ und 13% hatten keine Meinung. Auf die Frage nach der Akzeptanz eines Impfstoff, wenn er vom Arbeitgeber empfohlen und von der Regierung als sicher und wirksam anerkannt werde, stimmten 32% der Befragten vollständig zu, während 18% nur wenig oder überhaupt nicht zustimmten. Wiederum wurde eine große Variation zwischen den Ländern beobachtet: China hatte erneut den höchsten Prozentsatz an positiven Antworten (84%) und den niedrigsten Prozentsatz an negativen Antworten (4%). Russland hatte den höchsten Prozentsatz an negativen Antworten (41%) und den niedrigsten Prozentsatz an Befragten (27%), die die Empfehlung ihres Arbeitgebers wahrscheinlich akzeptieren würden. In den USA hätten 52% Vertrauen in die Empfehlung ihres Arbeitgebers und 25% nicht. Die Akzeptanz von Impfstoffen variierte auch je nach Alter (mit höherer Akzeptanz bei älteren Menschen im Vergleich zu Personen unter 22 Jahren), Einkommen (höher bei Personen, die mehr als 32 US-Dollar pro Tag verdienten, im Vergleich zu Personen, die weniger als zwei Dollar pro Tag verdienten) oder Bildungsniveau. Seltsamerweise, so kommentierten die Autoren, seien Menschen, die selbst an COVID-19 erkrankt waren oder einen betroffenen Verwandten hatten, nicht eher positiv gegenüber einer Impfung eingestellt gewesen. „Es wäre tragisch, wenn wir sichere und wirksame Impfstoffe entwickeln und die Menschen sich dann weigern, sie einzusetzen“, sagt Scott C. Ratzan von der CUNY SPH, Co-Autor der Studie. „Wir müssen entschiedene und nachhaltige Anstrengungen unternehmen, um dem Zögern vor der Anwendung eines Impfstoffes entgegenzuwirken und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die persönlichen, familiären und gemeinschaftlichen Vorteile von Impfungen wiederherzustellen. Unsere Ergebnisse stimmen mit den jüngsten Umfragen in den USA überein, die ein geringeres Vertrauen der Öffentlichkeit in einen COVID-19-Impfstoff zeigen“, konstatiert er. Heidi J. Larson, Co-Autorin der Studie und Leiterin des Vaccine Confidence Project am LSHTM, sagt: „Diese Ergebnisse sollten ein Aufruf zum Handeln für die internationale Gemeinschaft derjenigen sein, die sich mit Gesundheitsfragen befassen. Wenn wir nicht anfangen, Impfkompetenz aufzubauen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft wiederherzustellen, können wir nicht hoffen, diese Pandemie in den Griff zu bekommen.“ Die Autoren weisen auch darauf hin, dass Entscheidungen von Menschen über eine Impfung von vielen Faktoren abhängen und sich mit der Zeit verändern können. Seit diese Umfrage Ende Juni 2020 durchgeführt wurde, seien Probleme im Zusammenhang mit Impfstoffen zunehmend politisiert und die Bewegung der Impfgegner immer aggressiver geworden. Dies deute darauf hin, dass das Zurückscheuen vor Impfstoffen heute eine größere Bedrohung darstellen könnte.
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