Internationaler Forschungsstandard für Ersthelfersysteme

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Viele Länder setzen auf Smartphone-Apps, mit deren Hilfe freiwillige Ersthelfende bei Herz-Kreislauf-Stillstand alarmiert werden. Eine Vereinheitlichung der verschiedenen Systeme soll die Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen erhöhen und die Qualität der Systeme verbessern.

Auch in Deutschland nutzen immer mehr Regionen Smartphone-Apps oder App-basierte Systeme zur Alarmierung von qualifizierten Ersthelfenden, die sich in der Nähe von medizinischen Notfällen befinden. „App-basierte Ersthelfer-Systeme unterscheiden sich teilweise sehr stark“ erklärt Prof. Michael Müller, Sprecher der Arbeitsgruppe „Smartphone rettet Leben“ im Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC) und Notfallmediziner aus Freiburg. „Manche Systeme alarmieren nur Ersthelfende, andere sind mit Datenbanken für öffentlich zugängliche Automatisierte Externe Defibrillatoren (AEDs) verbunden.“ Neben technischen Unterschieden im Alarmierungsalgorithmus sind auch die geforderten Mindestqualifikationen der ehrenamtlichen Ersthelfenden sehr unterschiedlich.

Unter der Federführung des GRC wurde nun ein internationaler Forschungsstandard für solche Systeme veröffentlicht. Dazu führte der GRC im Mai 2022 eine internationale Konsensuskonferenz in Hinterzarten bei Freiburg durch, an der 40 Wissenschaftler aus Europa, Nordamerika und Asien teilnahmen (wir berichteten). Diese Experten für Reanimationsforschung und App-basierte Ersthelfersysteme sowie AED-Netzwerke haben einen Forschungsstandard erarbeitet, der Studien aus verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen App-Alarmierungssystemen vergleichbar machen soll. Die Tagung wurde durch die finanzielle Unterstützung von der ADAC-Stiftung, dem GRC, der Deutschen Herzstiftung, der Firma Resuscitec (Freiburg) und dem Verein Region der Lebensretter ermöglicht. Der dabei initiierte neue Forschungsstandard wurde am 12.12.2023 in der internationalen Fachzeitschrift RESUSCITATION veröffentlicht.

„Wir haben 89 Parameter definiert, die künftig in Beschreibungen von Ersthelfersystemen – beispielsweise im Rahmen von Forschungsprojekten – verwendet werden sollen“, erklärt Dr. Bibiana Metelmann, stellvertretende Sprecherin der Arbeitsgruppe „Smartphone rettet Leben“ des GRC und Notfallmedizinerin aus Greifswald. Damit soll es einfacher werden, Forschungsarbeiten und Evaluationen verschiedener Systeme in unterschiedlichen Regionen und Ländern zu vergleichen.

Der GRC als die Fachgesellschaft für Reanimationsversorgung wird 2024 erneut eine Forschungskonferenz zum Thema Ersthelfersysteme in Hinterzarten abhalten und weitere Forschungsprojekte planen, die auf dem neuen Standard basieren. „Bereits 1991 wurde erstmals mit dem Utstein-Style ein Forschungsstandard für Studien zum plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand und zur Wiederbelebung veröffentlicht“ meint dazu Prof. Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender des GRC und Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Uniklinik Köln. „Nachdem etwa ein Drittel der Landkreise in Deutschland an ein Ersthelfersystem angebunden sind und mittlerweile jeden Monat neue Landkreise dazukommen, freut es uns sehr, dass wir nun Qualitätsdaten aus verschiedenen Systemen besser vergleichen können. Diese Systeme müssen ständig weiterentwickelt werden, um kürzestmögliche Eintreffzeiten durch Ersthelfende zu erreichen. Dies funktioniert nur, wenn wir eine gute Datenqualität haben.“